Unter dem Jubel der Bevölkerung marschierte am 24. Januar 1986 die National Resistance Army in Ugandas Hauptstadt Kampala ein. Yoweri Museveni, der Führer dieser neuen Regierungsgewalt, hat ein Ende aller Ubergriffe auf die Bevölkerung, Demokratie und Unabhängigkeit versprochen. Der gute Wille ist Ernest Harsch
Nach monatelangen Kämpfen im Süden und Westen Ugandas marschierten die Kräfte der National Resistance Army (NR.A) am 24. Januar 1986 in der Hauptstadt Kampala ein. Der Sturz des Okello-Regimes löste begeisterte Demonstrationen in Kampala und anderen Teilen des Landes aus, denn das Regime war für Tausende von Morden und eine rücksichtslose Ausplünderung des Landes verantwortlich gewesen. Die Sieger setzten rasch eine Regierung ein. Sie besteht aus dem Nationalen Widerstandsrat mit 22 Mitgliedern und einem Kabinett mit 12 Mitgliedern, von denen nur eines nicht der National Resistance Movement (NRM) angehört, dem politischen Arm der NRA. Der neue Präsident, Yoweri Museveni, ist auch der Führer der NRM/NRA.
Die Regierung wird zwar von der NRM beherrscht. Diese hat jedoch an die Kooperationsbereitschaft aller Sektoren der ugandischen Gesellschaft appelliert. In der Adresse an das Volk vom 27. Januar erklärte sich Museveni gegen jegliche Diskrminierung auf ethnischer oder religiöser Grundlage, gegen eine diktatorische Regierungsform und gegen eine Unterwerfung unter ausländische Interessen.
Ethnische Spaltung und Elend
Dieser Umsturz in Uganda ist der Ausdruck der tiefen Unzufriedenheit in der 14 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung dieses ostafrikanischen Landes. Seit Uganda vor zweieinhalb Jahrzehnten seine Unabhängigkeit erlangte, ist es von einer ständig wechselnden Folge von Regimes regiert worden, die den arbeitenden Menschen nichtsals Armut, Polizei- und Militärterror und anhaltende imperialistische Beherrschung gebracht haben.
Obwohl das Land äußerst fruchtbar ist und ein großes Agrarpotential hat, liegt das Pro-Kopf-Einkommen nur bei 240 Dollar im Jahr. Uber 90 % der Exporteinnahmen kommen aus einer einzigen Anbaufrucht, dem Kaffee. Der Analphabetismus liegt bei 75 %, und für jeweils 100 000 Menschen gibt es 20 Ärzte.
Der politische Konflikt in Uganda ist ebenfalls ein Ausdruck der tiefen Feindschaft zwischen den einzelnen ethnischen und sprachlichen Gruppen sowie zwischen Katholiken im Norden und Protestanten im Süden. Eine ugandische Nation hat sich nicht herausgebildet. Es gıbt 13 große ethnische Einheiten (und zahlreiche kleinere), von denen die Baganda die größte sind. Okello entstammte den Acholi aus dem Norden und Museveni den Banyankole im Süden. Diese ständigen Zusammenstöße zwischen den Völkern sind eine Erblast der britischen Kolonialpolitik des Teileund-Herrsche. Als Uganda 1893 zum britischen Protektorat erklärt wurde, begann man einheimische Kollaborateure und Verwaltungsangestellte zu rekrutieren, wobei man planvoll das Königreich Buganda bevorzugte. Da deswegen auch Handel und kleinere Unternehmen zuerst in Buganda, das um Kampala herum liegt, entstanden, verstädterte das Volk der Baganda viel mehr
und teilte sich deutlicher in soziale Klassen als andere Völker der Kolonie. Das hebt sie von den anderen weiter ab. Als Uganda 1962 die Unabhängigkeit erhielt, kam die erste Kegierung des Ug anda People's Congress (UPC) unter Mil ton Obote zustande. Die UPC und Obote beanspruchten, ganz Uganda zu vertreten. Jedoch war ihre Basıs unter den Baganda schwach; sie reduzierte sich zu nichts, als das Regime 1966 den kabaka, den König von Buganda, mit Militärgewalt absetzte. Die Armee wurde vor allem aus den Völkern des Nordens rekrutiert, den Langi, Acholi und Kak- Die Amin-Diktatur 1971 wurde Obote durch einen Militärputsch gestürzt, der von Idi Amin geführt wurde, einem britisch und israelisch ausgebildeten Offizier, den Obote zum Stabschef ernannt hatte. Amins acht Jahre an der Macht sollten zu den schrecklichsten werden, die die Ugander kennenlernten.
Amin stützte sich vor allem auf Offiziere und Soldaten aus dem Volk der Kakwa und aus Stämmen westlich des Nils im äußersten Nordwesten. Er säuberte Acholis und Langis aus der Armee und der Verwaltung, schlachtete zehntausende anderer Ugander ab und verjagte fast alle Bürger indischer Abstammung aus dem Lande. Die Repression erfaßte schließlich jeden Sektor der Gesellschaft. Zunächst stellten Arbeiter, Bauern und Studenten die Opfer, dann kamen Unternehmer, Freiberufliche und Händler hinzu. Es heißt, daß bis 1977 unter Amin 300 000 Menschen ihr Leben lassen mußten.
Die Armee wurde auch zum wichtigsten Mittel, Reichtum anzuhäufen. Viele Unternehmen wurden enteignet und Offizieren überstellt. Die einfachen Soldaten wurden ermutigt, Geld und Naturalien von der Bevölkerung zu erpressen. Diese dauernde Repression, die aufgeblähten Militärausgaben und das willkürliche Management brachten die Wirtschaft an den Rand es Ruins. Produktion und Exporte fielen. Sogar die Profite der ausländischen Konzerne schrumpften. Deshalb nahm die Unterstützung der Imperialisten in der zweiten Hälfte der 70er Jahre rapide ab; Idi Amin wurde in London und Washington nunmehr zu den Passiva gerechnet. Auf einmal empfand man seine Eskapaden als unerträglich.
Ende 1978 befahl Amin eine Invasion in das Nachbarland Tansania, um eine bestimmte Region zu annektieren. Der Versuch kam ihn teuer zu stehen. Die Regierung von Tansania ging mit breiter afrikanischer und internationaler Unterstützung zur sofortigen Gegenoffensive über und hatte die Grenze zu Uganda rasch überschritten. Präsident Nyerere erklärte den Sturz Amins zum Ziel dieser Operation.
Alle Oppositionskräfte in Uganda unterstützten diese Absicht. Viele ihrer Führer waren ins Exil geflohen, wo sie nun eine breite Koalition bildeten, die United National Liberation Front (UNLF), zu der die großen bürgerlichen Parteien und eine Vielzahl kleinerer linker Gruppen und Personen gehörte. Unter den Führern der UNLF war auch Yoweri Museveni. Mitte der 60er Jahre war er in der Jugendliga der UPC gewesen, jedoch wegen zu linker Ansichten ausgeschlossen worden. Später studierte er an der Universität von Dar-es- Salaam in Tansania, wo er sich zum Marxisten erklärte. 1968 ging er mit einer Studentendelegation in die befreiten Gebiete Mozambiks, um den Kampf der FRELIMO gegen den portugiesischen Kolonialismus zu studieren. Schon 1972 UGANDA 150 Sudan
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Rwanda 8x setzte er diese Erfahrung in kleineren Guerilla-Aktionen gegen Amin um, wozu er die Front for National Salvation gründete. Diese vertrat er bei der Gründung der UNLF, in der er zu einer der Schlüsselfiguren des bewaffneten Arms wurde.
Obotes zweite Amtsübernahme
Im April 1979 drangen tansanische Truppen und die UNLA in Kampala ein und stürzten Amin; das Volk jubelte. Alle Hoffnungen zerstoben jedoch. 1979 und 1980 wurde Uganda nun von einer Serie instabiler kapitalistischer Regierungen geführt, die sich aus wechselnden Koalitionen der Kräfte in der UN- LA zusammensetzten. Einige linke Kräfte nahmen auch daran teil (sogar Museveni war einmal ganz kurz Verteidigungsminister), aber der Einfluf der proimperialistischen Parteien UPC (protestantisch) und DP (Demokratische Partei, katholisch) wuchs ständig. Im Dezember wurden schließlich betrügerische Wahlen abgehalten, die zum zweitenmal Obote an die Macht brachten. Seine zweite Amtszeit wurde um einiges schlimmer als die erste. Bürgerliche Oppositionsparteien durften zwar in beschränktem Male tortexistieren, die Repression kam aber, besonders auf dem Lande, der Zeit von Idi Amin gleich.
Die Armee, die sich noch immer Vereinigte Nationale Befreiungsarmee nannte, wurde wieder zu einer ethnisch beschränkten Institution. Diesmal waren es vor allem Acholi und Langi, die Soldaten wie Offiziere stellten. Wieder schmarotzte die Armee an der Bevölkerung, plünderte sie, beherrschte den Schwarzmarkt und beging zahllose Vergewaltigungen. Nach Auskunft des Kardinals von Kampala befanden sich 1984 etwa 80 000 Menschen ohne Anklage in besonderen Haftlagern. Folter wurde zur Routine. Die Zahl der unter Obote Ermordeten wurde 1985 auf 300 000 geschätzt. Britische Militärberater organisierten die UNLA-Truppen und leiteten die Ausbildung.
Die Inflation schoß ins Unermeßliche. Das Gesundheitswesen brach völlig zusammen. Straßen, Bahn und Post auf dem Lande verfielen.
Teilweise war die Repression auch schon eine Reaktion auf die aufstandsartige Bewegung, die die Bauern 1981 erfaßte, als Museveni nach der Fälschung der Wahlen Kampala verließ, um die National Resistance Army zu bilden. Einige Jahre lang operierte die NRA im von Bagandas bewohnten Luwero- Dreieck zwischen den großen Sumpfseen nördlich von Kampala. Um die NRA zu vernichten, massakrierten die Regierungstruppen dort ganze Dörfer. Jedoch wuchs daraufhin die Unterstützung für die NRA nur. Im April 1985 eröffnete sie eine zweite Front im Westen Ugandas, wo die Banyankole und andere Völker wohnten. Mitte Juli 1985 nahm die NRA Fort Portal ein, die erste nennenswerte Stadt.
Okellos Junta
Unter dem Druck der Siege der NRA kam es im Regime Obotes und in der Armee zu Rissen. Acholi-Offiziere begannen mit Langi-Offizieren zu kämp. ren. Am 27. Juli wagten Acholi-Offizier‹ einen Putsch gegen den Langi Obote. Führer der neuen Militärjunta wurde Tito Okello. Obote floh nach Kenia.
Die NRA schlug alle Angebote zur münzte sich in Unterstützung für die Beteiligung aus, da die nun regierenden NKA um. Dabei spielte auch das Ver- Offiziere an allen bisherigen Greuein sprechen der NRA eine Rolle, alle Überteilgenommen hatten. In der Tat setzte griffe zu beenden und die demokratidie UNLA ihre Politik des Massakers schen Rechte zu wahren. Das Benchmen und der Vergewaltigung fort. Neu war der Rebellen verlich diesem Versprenur, daß Sprecher der Regierung dies chen Glaubwürdigkeit. Die Kämpferder zugaben — sie könnten aber nichts da- NRA genossen eine Reputation für ihre gegen tun. Disziplin und für ihren Respekt vor dem Um sich militärisch gegen die NRA zu Eigentum der einfachen Bürgerinnen stärken, lockte die Junta erfolgreich vier und Bürger. Jede Übertretung wurde andere militärische Formationen in ihre von der NRA selbst geahndet. Machtkoalition: zwei kleine bagandi- In einem Interview von Anang 1985 sche Guerilla-Gruppen, die gegen Obo- erklärte Museveni: „Die NRM ist eine te gekämpft hatten, und zwei verspreng- nationalistische Organisation. Nationate wildernde Truppenteile der alten listisch heißt hier, daß sie für die Ziele Armee von Idi Amin. Dadurch wurde des ganzen Landes kämpft und nicht für der Terror nur noch schlimmer. die Ziele nur eines Sektors des Landes. Da das Regime absolut prowestlich Zweitens ist die NRM cine demokratiwar, versprach US-Botschafter Allen sche Bewegung, eine Bewegung, die für Davis dem Regime „jegliche Unterstüt- die Demokratie kämpft." Des weiteren zung". . Waffen wurden jetzt von Bel- verlangte die NRM „Maßnahmen, die gien, den Niederlanden und Ägypten die Nation von korrupten Praktiken, geliefert. der Plünderung und Vergeudung nationaler Resourcen durch skrupellose Ugander, Ausländer und Agenten von Ausländern befreien." Die vom Kriegsgeschehen Vertriebenen sollten an ihre Die Basis der NRA Heimatorte zurückkehren können, eine Wiederbelebung von Landwirtschaft und Industrie eingeleitet werden, die so- Je gräßlicher die Unterdrückung wurde, zialen Dienstleistungen erneuert und desto beliebter wurde die NRA. Alle ausgedehnt. Eine neue volkstümliche Unzufriedenheit im Süden des Landes Verfassung" sei erforderlich. Adulis 42, rue Lebour 93100 Montreuil, France
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Eritrea-Hilfswerk Deutschland e.V. Kto.Nr. 4093 - 505 BLZ 370 100 50 Die Führung von NRA und NRM entstammt der Intelligentsia, die Basis jedoch der Bauernschaft. In den befreiten Gebieten wurden von der Bevölkerung gewählte Komitees eingerichtet, die die lokale Verwaltung abwickelten, den Schmuggel bekämpften und der Guerilla, etwa mit der Errichtung von Straßensperren, halfen.
So verankert errang die NRA nunmehr einen Sieg nach dem anderen. Ende 1985 beherrschte sie ein Drittel des Landes mit 8 Millionen Einwohnern. Sie hatte nunmehr über 10 000 bewaffnete Mitglieder. Die Waffen holte sie sich vor allem von den Regierungstruppen; jedoch erhielt sie auch Lieferungen aus Libyen.
Ende 1985 geriet die NRA aber auch unter erheblichen Druck der Regierungen von Kenia und Tansania, die die Aushandlung eines Kompromisses mit der Militärjunta verlangten. Am 17. Dezember 1985 wurde in Nairobi ein Abkommen zwischen den Parteien unterzeichnet. Die NRA sollte sieben von zwanzig Sitzen in einem Militärrat erhalten, dessen stellvertretender Vorsitzender Museveni werden sollte. Dieses Abkommen wurde jedoch nie in die Tat umgesetzt, da Museveni mit der Begründung, NRM-Mitglieder befänden sich weiterhin im Gefängnis, sich einfach weigerte, in die Hauptstadt zu kommen. Stattdessen beschloß die NRA gerade jetzt die Endoffensive. Sie brauchte nur noch wenige Tage, um die Hauptstadt einzunehmen, und einige mehr zur Eroberung der wichtigsten Städte des Südens, Jinja und Toro. Weite Teile der Armee brachen ganz einfach zusammen.
Dem Kampf im Norden sah die NRA weniger siegesbewußt entgegen, da dort andere Völker lebten. Die UNLA und Reste der Amin-Armee formierten sich dort neu, wo sie ihre Heimatbasis hatten. Jedoch zu aller Überraschung gelang die Offensive auch dort schon nach wenigen Wochen - so morsch war das Regime selbst dort geworden.
Es wird nicht leicht sein, die gegenseitigen Verdächtigungen und die Reibereien auszuräumen, die von Imperialisten wie einheimischen Reaktionären über die Jahre hinweg gehätschelt worden sind. Daß im Nationalen Widerstandsrat nur ein Vertreter des Nordens sitzt, ist ein Ausdruck davon. Jedoch haben die arbeitenden Menschen Ugandas durch ihre Beteiligung am Kampf gegen die Regime Obote und Okello ein höheres Selbstvertrauen gewonnen und sind in einer besseren Lage als je zuvor, ihre eigenen Interessen zu verteidigen und voranzubringen. Die Ausbeuter des Landes behalten aber weiterhin eine starke Position. Mit Hilfe der Imperialisten werden sie den Lauf der Dinge zu beeinflussen suchen.
BRITANNIEN
Am 24. Januar provozierte der Pressemagnat Rupert Mur- aktionen antworteten, wurden alle Arbeiter entlassen doch cinen Streik von 5.000 Gewerkschaftsmitgliedern, und das Vermögen der Gewerkschaften beschlagnahmt. die in der Produktion von vier seiner Zeitungen beschäf- Seitdem stehen die entlassenen Gewerkschafter und ihre tigt sind: The Times, Sunday Times, News of the World, The Unterstützer regelmäßig vor der neuen Druckerei in Wap- Sun. Er verlagerte die Produktion dieser Zeitungen von ping Streikposten. Das Werk gleicht einer Festung, cs ist Fleet Street, Londons traditionellem Pressezentrum, nach mit Stacheldraht eingezäunt, mit Wachtürmen und Grä- Wapping, cinem Stadtteil im Osten Londons. Er verlangte ben umgeben. So sollen die Streikbrecher von der Elektrieine drastische Reduzierung der Belegschaft und weigerte kergewerkschaft EETPU, die jetzt im Werk arbeiten, „besich, traditionelle Gewerkschaftsrechte anzuerkennen. schützt" werden.
Als vier der fünf betroffenen Gewerkschaften mit Streik-