Hände weg von Nicaragual
Was um alles in der Welt hat das Pentagon dazu bewogen, im Golf der Großen Syrte Krieg zu spielen? Gerade jetzt? Man erinnert sich: das Weiße Haus hatte Ende Dezember Gadhafi zum großen Drahtzieher der Bombenanschläge auf den Flughäfen in Rom und Wien bestimmt - ohne Beweise natürlich — und Vergeltungsschläge angekündigt. Libyen hatte daraufhin den 32. Breitengrad zur „Todeslinie" erklärt. Inzwischen haben die USA vor der libyschen Küste schon dreimal Manöver abgehalten — ohne „Zwischenfälle".
Die Kriegshandlungen gegen Libyen waren eindeutig gewollt und von langer Hand geplant. Die New York Times berichtete, Reagan habe am 14. März im Nationalen Sicherheitsrat persönlich den Plan gebilligt, während der Flottenmanöver die „Todeslinie" zu mißachten, um Libyen in militärische Auseinandersetzungen zu verwickeln. Der CIA verstreute gezielt Gerüchte, Libyen sei gerade dabei, US- Diplomaten als Zielscheibe künftiger Terroranschläge auszuwählen, eine neue Terrorwelle stehe bevor. Der Täter verkleidet sich wieder einmal als Opfer. US-Offiziere haben kein Blatt vor den Mund genommen: „Natürlich brennen wir darauf, Gadhafi anzugreifen. Wir suchen nur einen Vorwand." (Time, 31. 3. 1986) Offiziell heißt das in Washington, eine „Situation der legitimen Verteidigung" schaffen. Die Anzeichen deuten daraufhin, daß mehr als eine Provokation nicht beabsichtigt war. Aber wozu? Um zu beweisen, daß Libyen trotz der kraftmeierischen Reden Gadhafis militärisch den USA nicht das Wasser reichen kann? Das wäre ja was Neues...
Der Zeitpunkt! In derselben Nachrichtensendung am Dienstag, dem 25. März, berichtete die Tagesschau: Das Weiße Haus gibt bekannt, daß 1500 Soldaten der nicaraguanischen Armee in Honduras einmarschiert sind, um die Stellungen der Contra dort zu zerstören. Die Regierung Honduras' habe um Hilfe gebeten. Reagan hat daraufhin 20 Millionen Dollar ,dringender Militärhilfe" bewilligt. Was die Tagesschau nicht meldet: Honduras hat diese Nachricht dementiert und Nicaragua meldete das genaue Gegenteil: Mitte März drangen mit Panzern ausgerüstete Contras inden Norden Nicaraguas ein - die größte militärische Operation seit der gescheiterten Besetzung Estelis im August 1985. Die sandinistische Armee hat die Operation stoppen können.
Ein Zufall? Das Repräsentantenhaus hat Reagan im März 100 Mio. $ Militärhilfe für die Contra abgelehnt. Gibt es ein wirkungsvolleres Mittel, sie dennoch zu erpressen, als die Durchführung einer neuen Offensive der Contra, gepaart mit der Inszenierung einer ,erfolgreichen" militärischen „Vergeltungsaktion" dort, wo er die amerikanische Bevölkerung hinter sich weiß, gegen den „Terroristen Gadhafi"? Das politische Ziel ist erreicht - Amerikas patriotisches Herz schlägt höher. Reagan hat sein Geld inzwischen bekommen. Der Krieg gegen Nicaragua wird sich verschärfen.
SPANIEN zu Spanien s. a. Selte 19