Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Rückgang der Revolution im Norden - Sieg der revolutionären Linken im Süden

Inprekorr Nr. 18, 15. August 1972 · S. 10-11 · 660 Wörter

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RÜCKGANG DER REVOLUTION IM NORDEN - SIEG DER REVOLUTIONÄREN LINKEN IM SUDEN Dia Entstehung der Volksrepublik Süd-Jemen fand einen kolossalen Widerhall im Norden, wo die FNL ebenfalls arbeitete. In Sanaa, der Hauptstadt des Nordens, kontrollierte sie die Gewerksc haften und die städtische Volksmiliz, die nach dem Abzug der ägyptischen Truppen in aller Eile als Gegenmacht zu den royalistischen Streitkräften aufgebaut worden war. Am 23. und 24. August 1968 ging die Regierung des Nord-Jemen unter Einsatz von traditionell royalistischen Stämmen gewaltsam gegen die Volksmilizen vor, die bei diesen Kämpfen 2 000 Tote hatten. Durch diesen blutigen Akt wurde die Kontrolle der nordjemenitischen Regierung durch Saudi-Arabien und somit durch den amerikanischen Imperialismus wirksam. So wurde die revolutionäre Entwicklung im Norden gestoppt. Das führte zur Isolierung des Südens gegenüber Saudi-Arabien, das die konterrevolutionären Aktivitaten der FLOSY unterstützte. Die Schwierigkeiten des neuen unabhängigen Staates werden außerdem durch die Schließung des Suez-Kanals verschärft, Für Aden, dessen Wirtschaft vor allem von den Aktivitäten seines Hufens lebte, ein besonders harter Schlag. Die wirtschaftliche Krise stellte in aller Scharfe die Frage nach der Art der Umwandlung einer Wirtschaftsorganisation, die vollständig den Interessen des Imperialismus unterworfen war. Sie mußte die politische und ökonomische Orien tierung der neuen Machthaber sofort offenlegen. Der Gegensatz zwischen dem linken Flügel der FNL und dem rechten (chaabistischen) wurde so verschärft. Im 5. Regierungsbezirk ( den Gebieten Hadramaut und Mahra an der Grenze nach Dhofar, in denen auf 2/3 des südjemenifischen Territoriums 1/3 der Bevölkerung lebt) ging der revolutionäre Flügel an die Zerstörung des alten Staatsapparats: Es wurden Volksmilizen sowie Arbeiter- und Bauernräte gebildet; die Säuberung der Armee wurde zügig durchgeführt. Der rechte Flügel denunzierte heftig "die Kommunisten und Sezessionisten von Hadramaut", In dieser äußerst explosiven Atmospäre lief im März 1968 der IV. Kongreß der FNL ab. Obwohl der revolutionäre Flügel unterrepräsentiert war (auf insgesamt 160 Delegierte kamen 13 aus Hadramaut), gelang es ihm, seine Position durchzusetzen. Die auf diesem Kongreß verabschiedeten Resolutionen verdienen, aus "Unsere Revolution kann nur erfolgreich sein, wenn sie eindeutig führlich zitiert zu werden:

den Weg des progressistischen Sozialismus einschlägt; sie muß sich dabei auf die breiten Masse der Werktätiger. stützen, diese organisieren, erziehen und auf die Übernahme ihrer historisch einer permanenten werden.

Über die Natur des Staates: "Die zentrale Frage der sozialistischen Revolution ist die der inacht der Arbeiter, der armen Bauern und der Soldaten innerhalb des Staats der Volksdemo- •, und zwar deshalb, weil der Staat ein Instrument einer oder mehrerer Klassen zur Un- " g anderer Klassen ist. Der Staat, der fähig sein will, das sozialistische Programm : len, muß ein neuer Staat, errichtet auf den Ruinen der alten Staatsmaschinerie, sein der Arbeiter, armen Bauern und Soldaten, der seine Diktatur über die Feudalherre s. 10

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e reichen Bauern und die einheimischen und ausländischen Kapitalisten ausubt Schließlich über die Partei: "Der Kongreß vertritt die Ansicht, daß der Aufbau der revolutio nären Vorhutsorganisation die Erziehung ihrer Mitglieder aüf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus einschließt, um ihr intellektuelles Niveau anzuheben, den Zusammenhalt der Ore ganisation zu sichern und ihre Umwandlung in eine sozialistische Avantgarde-Partei vortubt: reiten.

Im Juni 1969, ein Jahr nach dem Sieg auf dem IV. Kongreß, tritt Qahtan al Chaabi, Präsiden! von Südjemen und Führer des rechtsgerichteten Flügels, samt seiner Regierung zurück. Der revolutionäre Flügel bildet die Mehrheit in der neuen Regierung. Sowohl im Innern als auch außerhalb des Landes macht die Politik des Süd-Jemen einen großen Sprung nach vorn. 60% der ausländischen Gesellschaften werden verstaatlicht, die streng nationalistischen Elemente der Kleinbourgeoisie von den Machthebeln entfernt und die Streitkräfte gesäubert. Schon die bloße Gründung der Republik Süd-Jemen hatte die Partisanen von Dhofar gestärkt: Hadramaut und Mahra, wo der linke Flügel der FNL in der Mehrheit war, b'Ideten von diesem Augenblick an das Hinterland der Partisanen von Dhofar. Abar vom Juni 1969 an dient der ganze Süd- Jemen als verbündetes Gebiet, im gleichen Maße wie Nord-Vietnam für den dortigen Süden.