Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Haiti

Austreibung eines Zombies

· Inprekorr Nr. 179, März 1986 · S. 6-7 · 834 Wörter

Kuba und Karibik USA und Kanada

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eines Zombies pulistischer Gruppen im Untergrund, sowie der traditionellen Organisationen des Voudou-Kults, die vor allem in den Elendsvierteln der Städte verankert sind.

Nach dreißig Jahren ist die Diktatur der Duvaliers Die Massenbewegung verfügt heute aber nicht über eine Führung, die von durch eine breite Massenbewegung gestürzt worden. Claude Devilliers

Die Diktatur Duvalier stützte sich auf eine populistisch-nationalistische Ideologie, ähnlich verwandten Strömungen in Lateinamerika. François Duvalier, „Papa Doc", der Vater des gestürzten Jean-Claude Duvalier, „Baby Doc" , hatte 1957 im Namen der Schwarzen, der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung, die Macht an sich gerissen. Der schwarze Nationalismus hatte sich während der US-amerikanischen Besetzung von 1915 - 1934 entwickelt. Er war geprägt vom Streit zwischen den schwarzen Grundbesitzern und den bürgerlichen Mulatten, die von den USA unterstützt wurden. Duvalier verstand es, sich als Erbe der Vorfahren darzustellen, die 1804 das Land aus der Sklaverei und der französischen Kolonialherrschaft betreiten. Er brachte damit einen grofen Teil der Bevölkerung hinter sich. Gestützt auf seine Miliz, die „Freiwilligen der Nationalen Sicherheit" , volkstümlich Tontons Macoutes (Onkel Menschenfresser), gelang es ihm, die Arbeiterbewegung zu zerschlagen und jeden Ansatz. einer Opposition, auch einer bürgerlichen zu vernichten.

Von Papa Doc zu Baby Doc

Als Papa Doc 1971 starb, übernahm sein Sohn das Erbe. In den 70er Jahren ließen sich in Haiti viele Firmen nieder, die Zehntausende von Arbeiterinnen und Arbeitern beschäftigten. Baby Docs Hochzeit mit Michèle Bennet markierte die Allianz zwischen den duvalieristischen „Dinosaueriern" ", die sich mit Hille des Staatsapparats bereichert hatten, und der traditionellen Handelsbour geoisie, die von den USA unterstützt wurde. Die Familien Duvalier und Bennet kontrollierten nun einen bedeutenden Teil der Wirtschaft des Landes. Sie sperrten sich daher gegen jede Reform des völlig korrupten Staatsapparats. 1976 begann eine kurze Periode zaghafter „Liberalisierung". Es kam zu einer Streikbewegung und zu neuen Ansätzen von Organisationsformen. Die Kontrolle des Staates durch die Familie Duvalier geriet in Widerspruch zu den Erfordernissen der kapitalistischen Entwicklung der Wirtschaft, wie sie vor allem die traditionelle Bourgeoisie und der US-Imperialismus forderten. Hinzu kam, daß Haiti voll von der internationalen Wirtschaftskrise erfaßt wurde und die Folgen der wachsenden wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Imperialismus zu spüren bekam.

Im Bewußtsein, daß die Lage möglicherweise explosiv würde, verstärkte der US-Imperialismus in den letzten Jahren seinen Druck auf das Regime von Baby Doc, sich zu reformieren. Zu diesem Zweck wurde eine bürgerliche Opposition gefördert.

Zur gleichen Zeit ist eine neue Generation aktiv geworden, die den allgemeinen Terror der ersten Jahre der Diktatur nicht miterlebt hat — 39 % der Bevölkerung ist heute jünger als 15 Jahre. Die Kirche begann, auf Distanz zum Regime zu gehen. Ein Teil fing mit dem Aufbau von Basisgemeinden an, um die sich Gruppen junger Christen scharten. Ein Teil der Jugendlichen wurde auch von der Revolution in Mittelamerika beeinflußt: 1979 konnten sie über einen privaten Radiosender den Sturz der Somoza- Diktatur hautnah miterleben. durch dis Aufstånde Dom Mirz 1984 eingeläutet. * Ihnen folgten Anfang 1985 religiöse Massenkundgebungen und im Sommer ein Massenboykott des Referendums. Während 1985 die Kirche und die bürgerliche Opposition die Massenbewegung kontrollieren konnten, glitt ihnen bei den jüngsten Ereignissen die breiten Teilen der Bevölkerung anerkannt wäre. Noch weniger hat sie dem Regime eine Arbeiteralternative entgegenzustellen. Dies erklärt zum Teil, warum bei den Demonstrationen die Fahnen der USA und Frankreichs getragen wurden und Losungen gerufen wurden wie: »Es lebe die Armee!« Der französische und der US-Imperialismus versuchen, sich diese Situation zunutze zu machen und den Übergang zu einem Regime zu sichern, das die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen Haitis mit den imperialistischen Ländern nicht untergräbt. Der Wiederaufschwung der Massenbewegung nach der Flucht Baby Docs soll durch die Einsetzung einer Junta gebremst werden, die sich hauptsächlich aus dem alten Generalstab zusammensetzt. Von sechs Männern sind vier Militärs: der eine ist der Oberkommandierende, der zweite sein Stellvertreter, der dritte Chef der Präsidialgarde und Autor von Theaterstücken zur Lobpreisung von François Duvalier, der vierte ist ein „Freund der Familie"; einer der beiden Zivilisten war unter Duvalier Minister und für seine Bestechlichkeit berüchtigt. Um alles zu vertuschen, hat man ihnen den Präsidenten der Menschenrechtsliga von Haiti beigeordnet, der eng mit den USA liiert sein soll. Diese Junta hat ein Kabinett ernannt, das sich ebenfalls vor allem aus Vertretern des Regimes zusammensetzt. Sie ist gewillt, die Tontons Macoutes vor dem Volkszorn zu schützen und Demonstrationen zu unterbinden. Es besteht auch die Gefahr eines direkten Eingreifens der USA.

Das nächste Ziel der Volksbewegung wird es sein müssen, das Regime von allen Vertretern der Diktatur zu säubern und die demokratischen Rechte zurückzugewinnen. Aufgabe der internationalen Solidarität wird es sein, eine Intervention der USA zu verhindern. 10. Februar 1986 • Vergleiche David Singer, _ Auch der kleine Tiger ist ein Tiger", Inprekorr Nr. 173, Oktober 1985.

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IRAN

Die Arbeiterklasse