Die in dieser Nummer vorgestellten Dokumente der südafrikanischen Linken sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Deshalb bringen wir vorab eine zusammenfassende Darstellung, worum es geht. Peter Blumer
In dieser Ausgabe veröffentlichen wir einige Texte von südafrikanischen Organisationen, die gegen das rassistische Regime kämpfen. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Positionen sind, die heute in der Bewegung der Unterdrückten verfochten werden. Durch Lektüre der bürgerlichen Presse kann man sich leider kein genaues Bild von diesen Diskussionen machen. Manche Medien desinformieren mit Absicht, andere sind höchst oberflächlich — beides jedenfalls verleitet zu einer vereinfachenden, ja zusammenphantasierten Sicht der Lage der Kräfte, die am Kampf teilnehmen. 1315 13 Südafrika ist ein Land, das bereits auf eine sehr lange Geschichte von Massenkämpfen zurückblicken kann. Der African National Congress (ANC) wurde bereits im Jahre 1912 gegründet. Zahlreiche Organisationen, Zusammenschlüsse, Spaltungen, Bündnisse gab es im Laufe dieser Geschichte. Politische Gruppen, Gewerkschaften und eine Unzahl von Verbandsstrukturen sind entstanden, wieder verschwunden oder haben sich gewandelt in den langen Jahren der Kämpfe und des Widerstands. Dabei hat sich Südafrika nie den großen Debatten, die die internationale Arbeiterbewegung beschäftigten, verschlossen. Eine Kommunistische Partei (SACP) entstand 1921 und erfuhr eine rapide Stalinisierung. Eine trotzkistische Strömung tauchte Anfang der 30er Jahre auf. Lange politische Tradition
Die Aktivistengeneration der 30er und 40er Jahre hat heiße Debatten über die Ziele des revolutionären Prozesses geführt, über die Politik, die Zusammenarbeit mit dem Regime zu verweigern, über die Klassenbündnisse und über den Charakter des Zweiten Weltkriegs. All das bildet ein politisches und kulturelles Erbgut, das der neuen politischen Massenbewegung zur Verfügung steht. Natürlich darf nicht überschätzt werden, wie stark das kollektive Gedächtnis wirklich ist in cinem Lande, wo eine rigorose Zensur gehandhabt wird und durch die Repression Anfang der 60er Jahre die Mittel, sich politisch zu organisieren, drastisch eingeschränkt worden sind. Und dennoch ist Südafrika nicht ein Land, das einen historischen Bruch derart kannte, daf die neuen kämpfenden Generationen keine Kenntnis von den vergangenen Erfahrungen gehabt hätten. Zudem ist diese Kontinuität dadurch begünstigt worden, daß es eine Intelligenzia der. Unterdrückten gibt und es seit zehn Jahren möglich ist, politische Analysen und historische Studien zu veröffentlichen, wenn man gewisse Formen wahrt, um nicht unter die „antisubversive" Zensur zu fallen. Durch die wirtschaftlichen Entwicklungen haben sich die Reihen derschwarzen Industriearbeiterklasse [1) beträchtlich erweitert. Gleichzeitig vertieften sich die sozialen Unterschiede innerhalb der schwarzen Kleinbourgeoisie. All das förderte natürlich ideologische Differenzierungen. Es wäre auch erstaunlich, went eine derart komplexe soziale Formation und eine derart dynamische Arbeiterbewegung einen politischen Monolithismus hervorbringen würden. Die derzeitige Lage beweist im Gegenteil, daß trotz nationaler Unterdrückung, und obwohl die demokratischen Forderungen bei den Mobilisierungen der Massen einen zentralen Platz einnehmen und es für alle Unterdrückten von unmittelbarer Wichtigkeit ist, gemeinsam das Apartheid-Regime anzugreifen, es eine sehr breite Palette von politischen Ansichten über die unmittelbaren taktischen Probleme wie auch über die langfristigen Perspektiven gibt. Zum Teil ist es aus diesem Grundeschon absurd, den ANC als „die" Befreiungsbewegung und als einzigen legitimen Vertreter des südafrikanischen Volkes herauszustellen, oder aber den South African Congress of Trade Unions (SAC- TU), der mit ihm verbunden ist, als einzigen legitimen Vertreter der Arbeiterklasse. Aus Gründen, die mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes zusammenhängen, kann es keine nationalistische Bewegung hervorbringen, die der MPLA von Angola oder der FRELIMO von Mosambik gleichzusetzen wäre. Die Differenzierung der Meinungen paßt genau zur komplizierten sozialen und nationalen Formation. Das führt auch zu einer unterschiedlichen Praxis, da die Mobilisierung der Massen es jeder ihrer Komponenten erlaubt, ihr organisatorisches und politisches Projekt in der Praxis zu probieren.
So sind zum Beispiel die großen Streiks von Natal 1973 und der Aufstand der Jugend von Soweto 1976 keineswegs vom ANC inspiriert und noch weniger geführt worden. Im ersten Fall handelte es sich um die ersten Kampferfahrungen einer neuen Arbeiterklasse, die es ermöglichen sollten, daß einige Jahre später ein neuer Typ von unabhängigen Gewerkschaften entstand. Im zweiten Fall-handelte es sich um den Gipfelpunkt der nationalistischen Strömung Black Consciousness Movement, die in der Folge auf einen Teil der Arbeiterbewegung ihren Einfluß geltend machen sollte.
Was den ANC angeht, so erscheint er heute als die wichtigste Strömung der Massenbewegung. Ihm kam zugute, daf nach 1978 ein Teil der Kämpfer aus der BCM, der Südafrika ohne Perspektive verließ und in der Linie des bewaffneten Kampfes, die der ANC in den Flücht- Auf ihre Fragen chand. einhe nevere Kämpfer konnten vom ANC in den rassistischen Gefängnissen gewonnen werden. Nach wie vor wird diese Organisation heute von einem Teil der Massenbewegung als einziger politischer Ausweg für die täglichen Kämpfe gesehen, denn die anderen politischen Positionen haben sich aus unterschiedlichen Gründen nicht zu konkreten politischen und organisatorischen Perspek-
tiven in den Augen der Massen kristallisiert.
Der ANC, der sich als „die" nationale Befreiungsbewegung gibt, verfügt im Inneren des Landes über ein dichtes Netz von aktiven Kämpfer/inne/n und Sympathisant/inn/en, die in den örtlichen Organisationen und in der Gewerkschaftsbewegung arbeiten. Er ist voll in die United Democratic Front (UDF) eingestiegen, an der Seite bestimmter Sektoren der Kirche und von weißen liberalen Organisationen. Er ist also in der Lage, einen Teil der derzeitigen Revolte für sich zu kapitalisieren. Aber er ist nicht zur Führung im Organisierungsprozeß der Industriearbeiter geworden. In den Betrieben werden diese im großen und ganzen durch Gewerkschaften organisiert, die oft gegen den ANC eingestellt sind und die jetzt vorhaben, zu Ende dieses Jahres eine Einheitsgewerkschaft zu gründen. Die wachsende Kontrolle der SACP über den Apparat des ANC im Ausland kann schließlich dazu führen, daß die ANC-Führung als ein Instrument dieser Partei erscheint, was nur zu neuen Auseinandersetzungen mit den übrigen Komponenten der Massenbewegung führen wird.
Unter diesen Umständen können keinerlei politische Rücksichtenrechtfertigen, daß die politischen Unterschiede verschwiegen werden. Der Kampf in diesem Lande wird weitergehen. Sicher wird er langandauernd um gentlichen Sinne des Wortes gar nicht existierte, völlig neu anzupacken? An dieser Frage scheiden sich die Geister: auf der einen Seite ein Gutteil der Gewerkschaftsführungen und auf der anderen die SACP. Und manche Führer des National Forum (NI) äußerten dazu cine Meinung, die der der Gewerkschaften ziemlich nahesteht.
Die SACP, die in Südafrika verboten ist, denunzierte zahlreiche Male aufs schärfste, daß manche die Arbeiterbewegung organısieren zu wollen vergäben, wo sie doch schon bestände und auch über eine Avantgarde verfügte - eben die SACP. Für die Führung der SACP heifst dies, daß die Gewerkschaftsbewegung über den SACTU ihren Bezugsrahmen und ihre Verbindung zum ANC findet.[2] Der SACTU war bis Anfang der 60er Jahre eine wichtige Gewerkschaft, spielte aber danach nur noch eine Rolle als Apparat im Exil unter der Führung des ANC. Man darf nicht auf den Fehler verfallen, dem SACTU heute in der Arbeiterbewegung einen derartigen Einfluß zuzuschreiben, wie ihn ANC oder UDF in der Massenbewegung gegen die Apartheid zu genießen scheinen. Die Führungen der wichtigsten unabhängigen Gewerkschaften verfügen derzeit über genügend Anschen in der schwarzen dem SACTU nicht einen gleichen Freiraum zu überlassen, wie ihn UDF und ANCin Ermangelung einer politischen Alternative haben.
Manche Gewerkschaftsführungen heben hervor, daß die unabhängigen Gewerkschaften für die Organisierung der Arbeiterbewegung die neue Verantwortung haben und bringen damit implizit ein langfristiges politisches Projekt ins Spiel, erstmals über das Vorantreiben der Arbeiterkämpfe eine neue proletarische Führung sich herausschälen zu lassen.[3] Die Antwort der SACP darauf lautet, daß die Gewerkschaften aufgrund ihrer Natur nicht genauso Politik machen können wie eine Partei. Und sie denunziert anhand von Lenin-Zitaten das, was sie den „legalen Marxismus" in Südafrika nennt.[4] Eigentlich wissen alle Teilnehmer dieer Debatte nur zu gut, dais es heute eur Vakuum gibt, weil eine proletarische Führung fehlt, obwohl es eine starke und mobilisierte Arbeiterklasse gibt. Zum Teil kann der ANC dieses Vakuum füllen, aber er hat noch nicht bewiesen, daß er es beseitigen kann, da er ja auch noch seine andere Rolle spielen muß, nämlich den breiten Rahmen für Bündnisse mehrerer Klassen abzugeben. Die SACP könnte dieses Ziel haben: aber sie ist heute im Inland recht wenig bekannt und kann nicht öffentlich auftreten. Die Gewerkschaftsbewegung ist noch viel zu heterogen und fragil, um mit der Über- Die Arbeiter der Goldminen stehen an der Spitze des Kampfes komplex sein. So vorsichtig man bei der Aufstellung von Prognosen sein muß, so bedacht muß man auf die Genauigkeit sein. Es ist durchaus möglich, daß im politischen Panorama wichtige Veränderungen eintreten. Es ist von absoluter Notwendigkeit, sich solidarisch mit allen seinen Komponenten zu verhalten. Die Texte, welche wir in diesem Dossier veröffentlichen, reichen nicht aus, die gesamte Diskussion widerzuspiegeln. Um den Uberlegungen zu diesen Fragen hilfreich zu sein, wollen wir also beginnen, ein Bild von den wichtigsten Punkten zu geben, bei denen es Meinungsverschiedenheiten gibt. Der Zustand der Arbeiterbewegung
Zwischen 1965 und 1980erlebte Südafrika ein rapides Wachstum seiner Industrie und demzufolge auch einen raschen zahlenmäßigen Anstieg seiner schwarzen Arbeiterklasse. Diese junge Arbeiterklasse stellt an sich schon ein erstes Dilemma dar. Macht nicht allein ihre Existenz es notwendig, eine neue Arbeiterbewegung aufzubauen oder wieder aufzubauen? Ist es dann nicht nötig, das Problem der Entwicklung der Arbeiterorganisationen in diesem Lande, wo vorher eine proletarische Basis im ei- Seite S
sondere riefen sie zum Boykott der Wahlen zu den Parlamenten der Mischlinge und der Inder im August 1984 auf. Tatsächlich drehen sich die Meinungsverschiedenheiten darum, in welchen Fristen und mit welcher Taktik die Massenbewegung aufgebaut werdensoll. Die einen meinen, daf die Basis der community associations, in denen die Charta-Bewegung über die UDF sehr stark vertreten ist (sie beruft sich auf die Freiheitscharta des ANC von 1955, die an anderer Stelle in diesem Heft abgedruckt ist), schon heute eine gewisse Kühnheit bei der Mobilisierung erlaubt: [6] Die anderen sind der Ansicht, man müsse zuvor die Organisation der Arbeiter in den Betrieben gefestigt haben. In der Gewerkschaftsbewegung unterhält South African Allied Workers Union (SAAWU) starke Verbindungen zur Charta-Strömung und hat sich der UDE angeschlossen. Dagegen sind die Zentralen General Workers Union (GWU) oder die FOSATU oder die Food and Canning Workers Union (Nahrungsmittelverarbeitung) weder der UDF noch dem NF beigetreten. Und der Council of Unions of South Africa (CUSA) hat die Entscheidung getroffen, bei beiden Mitglied zu sein, ohne sich bei deren Aktivitäten allzu stark zu engagieren.
70 000 nahmen an dieser Beerdigung von Opfern des Regimes in Duncan teil nahme von politischer Verantwortung ihre eigene Entwicklung zu überstürzen. Auf diesem Gebiet ist also noch gar nichts entschieden, und die Entwicklung steht erst am Anfang.
Wie rasch voran?
Aus den oben bereits angeführten Gründen gibt es auch große Meinungsverschiedenheiten in taktischen und konjunkturellen Fragen. Als Anfang der 80er Jahre die Gewerkschaften erblühten, waren manche unter ihnen, z.B. die Federation of South African Trade Unions (FOSATU), der Meinung, daß man die vom rassistischen Staat auferlegten Beschränkungen wie legale Registrierung der Gewerkschaften oder ihre Teilnahme an den Industrieräten taktisch behandel im sicher Ampromit min dem Regime sei nicht zu akzeptieren. Letzterer Standpunkt wird sowohl von den Gewerkschaften unter dem Einfluß der BCM als auch denen unter dem des ANC geteilt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der SACTU in dieser Sache deshalb eine so harte Haltung einnahm, weil er so spät in die jetzige Bewegung eingestiegen ist. Denn nach und nach kamen die wichtigsten Gewerkschaften zu der Überzeugung, daß es doch besser sei, sich registrieren zu lassen und an den Industrieräten téilzunehmen. Die Gewerkschaften dagegen, die aus diesem Punkt eine prinzipielle Scheidelinie machen wollten, haben unter diesen Umständen ein bißchen an Terrain verloren und sehen sich im Prozeß des nunmehrigen gewerkschaftlichen Zusammenschlusses an den Rand gedrängt. Die Diskussion über die Geschwindigkeit der Bewegung und ihre Taktik tauchte im Zusammenhang mit der Gründung der UDF wieder auf. Abgesehen von den Meinungsverschiedenheiten über diese Art Zusammenschluß, auf die wir noch zurückkommen werden, herrschte auch bei bestimmten Gewerkschaften die Meinung, man müsse die Zeit zuerst zur Festigung der eigenen Ränge nutzen, bevor man sich in weitere Aktivitäten stürze. Ihre Gegner benutzen diese Vorsicht als Argument, um diesen Gewerkschaften vorzuwerfen, sie würden sich davor scheuen, politisch Stellung zu beziehen. Es scheint aber eher so zu sein, daß die meisten wichtigen Gewerkschaften sich entschlossen haben, zuerst ihren Zusammenschluß in einem einheitlichen Dachverband zustande zu bringen und dann: erst das Problem politischen Eingreifens anzugehen. Immerhin hat sie das nicht daran gehindert, gegen die neuen Verfassungspläne Pieter Bothas Stellung zu nehmen und in Aktion zu treten; insbe- Demokratische
Entscheidungen
Eine andere Debatte gibt es über die Frage der Demokratie in der Massenbewegung; auch sie hat natürlich die verschiedenen Einschätzungen der Arbeiterbewegung als Hintergrund. Die größten Gewerkschaften betonen immer wieder, wie sehr ihnen daran gelegen ist, ihre Mitglieder in Sachen Arbeiterdemokratie zu erziehen; manche funktionieren auf der Basis von Vertrauensleutestrukturen.
Natürlich bestreitet ihnen niemand das Recht, sich um die Demokratie zu bemühen. Diese Frage erhält im Verhältnis zur UDF eine neue Dimension. Manche Gewerkschaften werfen dieser Front vor, nur ein Kartell von Führungen von Organisationen zu sein, die ihre Mitglieder nur unter einer Bezeichnung vereinen, ohne der aktiven Basis wirklich zu gestatten, über die politische Linie zu entscheiden, die vom Gipfeltreffen aus ausgerufen wird. Der Streit darüber eskalierte, als im März 1985 die Frage anstand, ob in Port Ehisabeth der Streik ausgerufen werden sollte. UDF wie Gewerkschaften argumentierten jeweils, sie hätten ganz demokratisch die Meinung ihrer Basis eingeholt; die UDF war • für Streik, die Gewerkschaften waren dagegen. Die Meinungsverschiedenheit artete in eine wüste Polemik aus, und
einige Gewerkschafter wurden sogar von Gruppen, die ihnen Verrat am Kampf vorwarfen, mit dem Tode bedroht.[7] Theorien zur nationalen Frage
Die Analyse der nationalen Frage ist einer der kompliziertesten Aspekte der südafrikanischen Realität und führt systematisch zu unterschiedlichen praktischen Aktivitäten.
Die Black Consciousness-Bewegung hat sich erheblich weiterentwickelt und erlebte in den letzten Jahren einige Differenzierungen. Ihre ideologische Grundlage war die Auffassung, daß die Unterdrückten in ihrer Gesamtheit (Mischlinge, Inder, Afrikaner) sich psychologisch und ideologisch befreien müßten, indem sie mit der Sklavenmentalität und den weißen Werten brechen. Das führte zu einer Theorie der zwei Nationen, die der Weißen und die der Schwarzen. Für manche Anhänger dieser Strömung kann die neu entstehende Nation der Unterdrückten nur bei den Afrikanern als den Ausgebeutetsten allein ihre wirkliche Vorhut finden.
Die aus ANC und SACP gebildete Strömung ihrerseits verteidigt bis heute die Theorie des „inneren Kolonialismus" und des „Kolonialismus besonderer Art". Daneben geht sie von der Existenz verschiedener „Nationalitäten" in Südafrika aus, den Weißen, den Afrikanern, den Mischlingen und den Indern. Deshalb konnte sie sich nur für diesen jeweils zugeordnete Massenbewegungen aussprechen, wobei der ANC die Bewegung der Afrikaner war.[8] In Wirklichkeit aber befaßte sich der ANC seit Ende der 50er Jahre mit der Gewinnung von Weißen. Auf seinem letzten Kongreß im Juni 1985 in Zambia beschloß er, Weiße, Mischlinge und Inder mit in die Führung zu wählen. Eine dritte Auffassung kommt insbesondere im National Forum zum Ausdruck. Da das Ziel die Bildung einer egalitären Nation und Diskriminierung ist, komme es darauf an, heute schon nichtrassische, für alle offene Klassenorganisationen zu bilden.[9] Von der SACP wird diese Interpretation der naionalen Frage auts hettigste bekämpti ind die Formel des NF. der Kampf ir Südafrika sei „nationalistisch der Form nach, sozialistisch vom Wesen her" ultralinke Position zurückgewiesen.[10] Dabei scheint niemand dagegen zu sein, daß die Nation im Kampf selbst entstehen soll. Und auch nicht dagegen, daß dieser Prozeß mit dem Kampf um Sozialismus verbunden ist. Dennoch ist es nicht ein Streit um des Kaisers Bart. Denn so, wie jeder die nationale Frage einschätzt, bestimmt er auch die Klassenbündnisse mit der indischen und farbigen Kleinbourgeoisie und den liberalen Kreisen unter den Weißen. Und es hängt auch eng mit der Diskussion über den Charakter des revolutionären Prozesses zusammen. Die unterschiedliche Terminologie, die innerhalb der Massenbewegung gegen Apartheid verwandt wird - nichtrassisch, multirassisch, Multinationalismus, schwarzes Bewußtsein - verweist eben auch auf eine verschiedene Praxis.
Die Klassenbündnisse
Muß im Kontext Südafrikas die nationale Frage mit der sozialen verknüpft werden? Je nachdem, welche Antwort die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen auf diese Frage geben, gehen sie verschieden an Beziehungen zu den privilegiertesten Schichten des schwarzen Kleinbürgertums heran. Unter der Apartheidist diese Schicht natürlich der selben Segregation unterworfen wie der Rest der unterdrückten Gesellschaft. Aber es gibt da, vor allem bei den Mischlingen und Indern, zweifelsohne eine stabile und im Wohlstand lebende kleine Bourgeoisie. Im Handel kann man sogar den Ansatz zur Bildung einer indischen Bourgeoisie sehen. Und ein ähnliches Phänomen gibt es auch bei den Afrikanern, auch wenn es häufig nur schwarze Namen sind, unter deren Deckmantel weiße Firmen in den townships und Bantustans ihre Geschäfte treiben.
Allen, die das Apartheid-Regime niederreißen wollen, stellt sich nun das Problem, auf welcher Ebene und in welcher Form es möglich ist, diese Gesellschaftsschichten in den Kampf um demokratische Rechte einzubeziehen. Dabei geht es nicht so sehr um deren Mobilisierung für die demokratischen und nationalen Rechte, denn sie mobilisieren sich bereits sehr spontan. Es geht vielmehr darum, in welcher Organisationsform ihre Angelegenheiten mit den demokratischen und sozialen Kämpfen der Massen verbunden werden sollen. Diejenigen, die die UDF kritisieren, werfen ihr insbesondere vor, in ihren Reihen eine Organisation schwarzer Unternehmer zu dulden. Große Meinungsverschiedenheiten gibt es auch über Organisationen wie Natal Indian Congress (NIC) und Transvaal Indian Congress (TIC), die beide in der UDF sind und von etlichen als Gruppierung angesehen werden, die sich von der indischen Kleinbourgeoisie einspannen lassen, existieren sie doch als Organisationen auf eigener ethnischer Grundlage. Auch hier handelt es sich nicht umeine scholastische Debatte. Die UDF bestand immer darauf, einen Vielklassencharakter zu haben, und manche Strömungen sehen in dieser Organisation eine Gefahr für die langfristigen Interessen der Massen.
Für die tägliche Praxis hat diese Frage ganz bestimmte taktische Konsequenzen. Man erkennt unschwer, daß die Positionen der UDF, die manchmal von der Presse des ANC wiedergegeben werden, als Hintergrund eine strategische Konzeption haben, die der „antifaschistischen Einheit" ziemlich ähnelt. Diejenigen, die diese Politik der UDF scharf kritisieren, argumentieren unter anderem, daß damit die nationale Einheit der Unterdrückten erschwert werde, weil Organisationen bevorzugt werden, die als „nichtrassisch" gelten, weil in ihr die Anzeige
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Leute nach der von der Apartheid-Gesetzgebung vorgeschriebenen Klassifizierung organisiert sind. Immerhin mag es scheinen, daß manche dieser Stellungnahmen taktische Aspekte nicht genügend in Rechnung stellen. Ist es doch eine Sache, Organisationen zu kritisieren, die man für gefährlich halt, eine andere aber, nicht positiv an die Notwendigkeit heranzugehen, daf ein guter Teil der schwarzen Kleinbourgeoisie für den Kampt der Unterdruckten gewon nen werden muß. Manchmal findet mar auf diese Frage Antworten, die etwas sektiererisch und arbeitertümelnd sind, ein genaues Gegenstück zur extremen Öffnung der UDF-Führung gegenüber Organisationen der kleinbürgerlichen sozialen Schichten.
Die Beziehungen zu liberalen Weißen
Das Problem bezieht sich nicht auf die demokratischen und fortschrittlichen Weißen, die in ihrer persönlichen Eigenschaft aktiv sind oder den Organisationen beitreten, um darin zu arbeiten. Es ist auch wenig die Rede von den weißen Arbeitern, die in gewissen Fällen von der fortschrittlichen Gewerkschaftsbewegung angezogen werden können, heute aber im wesentlichen rechts oder ganz rechts stehen, um ihre privilegierte Stellung als Arbeiteraristokratie, als von der Apartheid geschützte Kaste zu verteidigen. Die Diskussion dreht sich eher um die Beziehungen mit bestimmten weißen Gesellschaftsschichten als solchen und deren Organisationen. Auch hier haben der Eintritt in die UDF von Bewegungen wie der National Union of South African Students (NUSAS) oder der Bürgerrechtsgruppe Black Sash (Schwarze Schärpe) Staub autgewirbelt, weil sic manchmal als trojanische Pferde in der demokratischen Bewegung angesehen werden. [11] Allgemeiner gesehen stellt sich also die Frage, welche Beziehungen man mit den Liberalen pflegen soll, deren politische Führung tatsächlich von den herrschenden Sektoren des Finanz- und Industriekapitals gestellt wird; diese setzen sich mehrheitlich aus dem englischsprachigen Teil der Bourgeoisie zusammen. Die Liberalen werden in Südafrika immer aktiver. Natürlich sind sie Teil der imperialistischen Strategie, und die Reise von Edward Kennedy war nicht ganz unschuldig in dieser Hinsicht, genausowenig wie die Tatsache, daß die südafrikanischen Unternehmer im September 1985 ein Gespräch mit dem ANC suchten.
Übrigens wird die Charta-Stromung selbst bald einen wichtigen Widerspruci zu lösen haben. Sie legt nämlich die Freiheitscharta als Minimalprogramm der demokratischen Revolution aus. In ihr steht aber, daß die wichtigsten Reichtümer mit Monopolcharakter der (schwarzen) Gemeinschaft übertragen werden sollen. Zur gleichen Zeit aber versuchen UDF und ANC zu einer taktischen Vereinbarung mit den entsprechenden liberalen Kreisen zu kommen. Kürzlich wurde von einem Journalisten der US- Zeitschrift Newsweek Oliver Tambo, dem Führer des ANC, eine diesbezügliche Frage gestellt, woraut der die vage Antwort gab: „Südafrika ist im Grunde sehr reich. Aber diese Reichtümer gehören einer kleinen Anzahl von Personen. Drei große Gesellschaften, die Barlow Rand, die Anglo-American und die Sanlam, kontrollieren vielleicht drei Viertel der Reichtümer des Landes. Die Schwarzen haben fast nichts, aber die meisten Weißen sind ebenfalls davon ausgeschlossen. Die Verteilung des Reichtums ist sehr ungerecht, und diese Monopole werden verschwinden. Aber unterhalb dieser Ebene wird sehr viel Platz für den Privatsektor da sein."[12] Der ANC könnte versucht sein, den Widerspruch zwischen seinem erklärten Programm und der Suche nach einem Übereinkommen mit den liberalen Kreisen so zu überwinden, dal er die Freiheitscharta nicht mehr als sein Minimalprogramm, sondern als sein weit entferntes Ziel ansicht.
Das Verhältnis zwischen Massenbewegung und ANC
Selbst wenn der ANC in einem substanziellen Teil der Massenbewegung gro- Ben Einfluß hat, die Hegemonie im eigentlichen Sinne besitzt er nicht. Trotzdem müssen die anderen Komponenten im Kampf gegen das rassistische Regime, wer sie auch seien — Kirchen, Gewerkschaften, politische Bewegungen - definieren, welche Haltung sie gegenüber dieser Organisation einnehmen. Während der ANC sich manchmal selbst so darstellt, als wäre er eine nationale Front, in der die ganze Welt ihren Platz habe, erscheint er den anderen UDI
Komponenten der Massenbewegung cher wie eine genau umrissene politische Strömung.
Die Frage, welche Haltung gegenüber der UDF einzunehmen sei, wurde so von vielen als die Frage nach der Einheit mit dem ANC aufgefalt. Entsprechend setzen sich innerhalb der Gewerkschaftsbewegung die Organisationen, die sich am engsten der Charta verbunden fühlen, obwohl sie in der Minderheit sind, für eine organische Verbindung der zukünftigen gemeinsamen Gewerkschaftsföderation mit dem SACTU-Apparat im Exil ein. Bis 1981 hatte der SACTU weitgehend unterschätzt, wie wichtig es war, innerhalb des Landes neue unabhängige Gewerkschaften zu bilden. Nachdem er eingesehen hatte, daß eine solche Bewegung existiert, versuchte der SACTU, ihr die politische Patenschaft anzubieten, was jedoch bislang ohne großen Erfolg blieb. Im Ausland gingen die Vertreter des SACTU in der Solidaritätsarbeit manchmal so weit, die tatsächliche Geschichte sozusagen umzuschreiben und die neuen Gewerkschaften als Werk der Untergrundarbeit von Mitgliedern des ANC und des SACTU darzustellen. So wird in der Botschaft des SACTU an die kanadischen Gewerkschaften 1983 behauptet: „Das Apartheid-Regime wird nie mächtige und fortschrittliche Gewerkschaften in Südafrika dulden können. Deshalb muß man eine zweite Schicht von Führern bereithalten. Der SACTU hat sich bewußt dazu entschlossen, in den Untergrund zu tauchen, um diese zweite Ebene zu bilden. [...] Der SACTU ist der Pfeiler, der die Gewerkschaften, die in der Legalität arbeiten, unterstützt; ohne ihn gäbe es die nichtrassische und unabhängige Gewerkschaftsbewegung, so wie sie heute existiert, überhaupt nicht. [13] Derartige Selbstproklamationen getallen natürlich den Gewerkschafts führungen im Inneren des Landes über haupt nicht, denn sie wissen nur zu gut, daß die tatsächliche Geschichte ganz anders verlief.
Der SACTU verfügt allerdings über einen Vorteil: er vertritt die bestimmten politischen Zielsetzungen des ANC für Arbeiterkämpfe. Die Gewerkschaftsführungen, die nicht mit der Charta-Strömung übereinstimmen, mußten also ihre „politischen" Standpunkte präzisieren, um diesem Druck etwas entgegenzusetzen. In manchen Fällen ging diese politischen Konfrontation sogar bis zur Spaltung von Gewerkschaften. Das war insbesondere bei der schwarzen Mediengewerkschaft der Fall, als die Anhänger eines Anschlusses an die UDF einfach beschlossen, eine neue Gewerkschaft zu gründen.[14] Die Frage des ANC verbindet sich jetzt immer enger mit der der SACP. Die Diskussionen, die innerhalb des ANC seit zwanzig Jahren über den Eintritt von weißen Mitgliedern geführt werden, verknüpfen sich ganz eng mit der über seine Beziehungen zur SACP. Das war vor allem zur Zeit des vorletzten Kongresses von Morogoro 1969 der Fall, es geschah aber auch wieder beim neuen Kongreß im Juni 1985. Joe Slovo, der weiße Führer der SACP, der bereits Leiter des militärischen Flügels des ANC war, trat in des Nationale Exekutivkomitee des ANC ein. Im übrigen ist auch der Generalsekretär der SACP Mitglied der ANC-Führung. In Wirklichkeit übt die SACP schon seit langer Zeit einen starken politischen Einfluß auf den ANC aus. Aber die neue politische Lage stellt den Außenapparat zweifellos vor neue Erfordernisse. Die theoretischen Dokumente dieser beiden Bewegungen, ANC und SACP, gleichen sich immer mehr, und wegen dieser Osmose wird die Frage der Beziehungen zum ANC auf ein anderes politisches Niveau gehoben. Es scheint nämlich, als habe der ANC beschlossen, seine Beziehungen zur südafrikanischen KP sehr viel ausdrücklicher zu gestalten.
Alle, die vorhaben, eine Alternative zur Strömung ANC-SACP zu bilden, ziehen gewöhnlich besonders über das Sektierertum der Charta-Strömung her und über deren Tendenz, Bündnisse mit weißen Liberalen vorzuziehen. Zum Beispiel wurde die UDF manchmalangegriffen, sie biete einen Rahmen für Klassenkollaboration, weil es in ihr eine Organisation kleiner schwarzer Unternehmer oder auch die NUSAS gibt. Dabei ist die UDFinder Praxis vorallem ein Bündnis des ANC mit den apartheidfeindlichen Kirchen. Wenn man zu viel Aufhebens von den Liberalen macht, kann man paradoxerweise dazu verleitet werden, die Rolle der Kirchen als Instrument zur Kontrolle der Massenbewegung gefährlich zu unterschätzen. Auf der anderen Seite kann sich die Agitation gegen die Zusammenarbeit mit den Liberalen, um in den Augen breiter Massen glaubwürdig zu sein, nicht allein auf das Argument stutzen, daß die NUSAS Mitglied der UDF ist. Zu glauben, die UDF sei ein Versuch, eine Brücke zu einem Teil der weißen Unternehmerschaft zu schlagen, heißt noch lange nicht, daf man auch der Meinung ist, die unterdrückten Massen seien sofort zu einer solchen politischen Schlußfolgerung, so begründet sie auch sein möge, bereit. Unter den Strömungen der Massenbewegung, die antistalinistisch eingestellt sind, kann es sehrgut welche geben, die glauben, der Imperialismus und das südafrikanische Großkapital würden mit dem ANC sofort eine solche Vereinbarung eingehen, wie sie 1980 in Zimbabwe zwischen den Briten und der ZANU Robert Mugabes zustandekam. Vielmehr scheinen die Möglichkeiten eines solchen Prozesses beschränkt, weil die Massenbewegung sehr breit ist und sich immer weiter radikalisiert und weil dieses Land von so großer strategischer Bedeutung für den Westen ist.
Der bewaffnete Kampf
Nach der Repression der 60er Jahre entschied sich der ANC für den Weg des bewaffneten Kampfs von den an Südafrika angrenzenden Ländern aus. Diese Aktivität, die bis 1977 im wesentlichen als bewaffneter Kampf auf dem Lande definiert wurde,brachte eigentlich kein Ergebnis, das hätte überzeugen können.[15] Nach 1978 orientierte sich der ANC, der aus den Ereignissen von Soweto seine Schlüsse gezogen hatte, auf bewaffnete Aktionen imstädtischen Milieu. Richtigerweise müßte man von bewaffneter Propaganda sprechen und nicht vom bewaffneten Kampf. Der ANC führte eine Reihe von spektakulären Operationen durch wie das Attentat gegen das große staatliche Werk Sasol. Diese propagandistische Aktivität zeitigt zweifelsohne ihre Früchte und gibt dem ANC bei der Massenbewegung ein gewisses Ansehen. Es werden aber auch zwei wichtige Einwände erhoben. Manche sehen darin eine zum Teil unverantwortliche Aktivität, die systematisch zur Opferung der Aktivisten führt, die repressiven Organe in keiner Weise schwächt und letztendlich denen, dic geduldig am Aufbau von Massenorgani sationen arbeiten, nur schadet. Mit der neuen Situation und der spontanen Gewalt der Massen trat auch zutage, daß die Praxis des bewaffneten Kampfs seitens des ANC nichts dazu beiträgt, die Selbstverteidigung der Massen voranzubringen. Gegenüber der Armee verfügen die Demonstranten zu ihrer Verteidigung nach wie vor nur über recht rudimentäre Mittel. Viele, die von den Kommandoaktionen des ANC begeistert waren, vor allem Jugendliche, warten jetzt auf eine konkrete Antwort auf die Frage, wie die Siedlungen gegen Polizei und Armee verteidigt werden können. Natürlich werden sämtliche Strömungen mit derselben Frage konfrontiert, aber der ANC, der einen guten Teil seines Ansehens darauf baute, daß er zu Kommandoaktionen fähig ist, muß nun zeigen, ob er sıch auch um die Selbstverteidigung des Volkes und um die Probleme der Gewaltanwendung seitens der unterdrückten Massen kümmern kann. In diesem Lande ist die Vorbereitung und Organisierung der Massen für die Gewalt umso wichtiger, als es vergeblich und illusorisch wäre zu erwarten, daß es innerhalb der bürgerlichen Armee zu nennenswerten Spaltungen kommt. Die südafrikanische Armee setzt sich vor al-
TAXI (1] Der Ausdruck „Schwarze" wird in Südafrika als Sammelbegriff für die verschiedenen Komponenten der Unterdrückten gebraucht. Nach dem Apartheid-Gesetz wird die Bevölkerung eingeteilt in _ Weiße". _Mischlinge", _Inder" und „Afrikaner".
(2) Siehe The African Communist, Organ der SACP. London/Leipzig. Nr. 93, 2. Quartal 1983, Nr. 99, 4 Quartal 1984, Nr. 100, 1. Quartal 1985. (3] Siehe Inprekorr Nr. 168, April 1985. Die Position von Joe Foster, dem Generalsekretär der FOSATU, in dieser Frage ist in der Rede enthalten, die in dem Buch -Power+ von MeShane/Plant/Ward, Spokesman, Nottingham 1984, nachzulesen ist.
(4) "The dangers of _legal Marxism" in South Africa-, in The African Communist Nr. 99. 4. Quartal 1984. Tausende schwarze Moslems marschieren in Kapstadt auf einer Beerdigung lem aus Weißen zusammen, und sie wurde aufgestellt, um die Herrschaft einer Rasse zu verteidigen. Mit einer antimilitaristischen, defätistischen Politik kann man unter diesen Umständen höchstens erreichen, daß ein paar junge Weiße davon überzeugt werden, lieber nicht ihren Militärdienst in einer rassistischen Armee zu leisten. Aber auf die entscheidende Frage der Massengewalt hat noch keine der fortschrittlichen Kräfte eine befriedigende Antwort gegeben.
Die strategischen Perspektiven
All diese Debatten münden unweigerlich in Meinungsverschiedenheiten darüber, welcher Art die kommende Revolution in diesem Lande ist. SACP und ANC gehen eindeutig von der Notwendigkeit einer Etappe der nationalen und demokratischen Revolution aus, um die Bedingungen für den Übergang zum Sozialismus vorzubereiten. Von Kräften wie AZAPO und National Forum ist diese Frage nicht zur gänze aufgeklärt worden; beider Führungen sind sehr heterogen. Immerhin macht diese Strömung allgemein Propaganda für den Sozialismus und scheint in bestimmten Dokumenten ausführen zu wollen, daß die Lösung der demokratischen Aufgaben nur über den Kampf um den Sozialismus geht.[16] Die UDF ihrerseits hat keine derartigen programmatischen Positionen ergriffen, da ihre Begründer ihr eine solche Funktion nicht zuerkennen. Schließlich drucken manche Gewerkschaften in ihren Zeitungen systematische Schulungsartikel über den Kapitalismus, über die Klassen der Gesellschaft und über den Kampf für den Sozialismus. Im allgemeinen ist jeder damit einverstanden, daß die Bewußtwerdung der Massen zuerst in den demokratischen und nationalen Kämpten ertolgt. Die Meinungen geher darüber auseinander, welche Rolle die Arbeiterklasse in diesem Kampt spielen soll und von welcher gesellschaftlichen Natur der Staat sein soll, der aus dem revolutionären Kampf entstehen wird und die fälligen nationalen und demokratischen Aufgaben lösen soll. Sehr klar und offen kann diese Debatte nicht geführt werden, weil aufgrund der antikommunistischen Gesetze und der Pressebeschränkungen die Möglichkeiten begrenzt sind. Die Positionen von ANC und SACP können leicht bekannt gemacht werden, da diese Zeitschriften außerhalb Südafrikas herausgegeben werden und ins Land eingeschleust im Untergrund zirkulieren. Alle anderen Organisationen aber sind genötigt, sehr darauf zu achten, was sie sagen und schreiben.
[5] Zu dieser Diskussion vergl. Inprecor Nr. 125 vom 3.5.1982 und Nr. 150 vom 23.5.1983, sowie International Viewpoint Nr. 8 vom 7.6.1982 und Nr. 31 vom 30.5.1983. [6] Im Leitartikel der Zeitschrift Work in Progress vom August 1985, Nr. 35, wird eine gemäßigte Ansicht vom derzeitigen Stand der Mobilisierung und des Kräfteverhältnisses an Ort und Stelle vertreten: _Es ist schwer zu wissen, ob die Unregierbarkeit' einiger townships Ergebnis starker oder schwacher Organisierung ist. Aber daß irgendwelche Organisationen oder Führer die townships derzeit kontrollieren, kann füglich bezweifelt werden. Und Zusammenstöße zwischen jugendlichen Aktivisten und einigen Gewerkschaften deuten darauf hin, daß nicht alle dem Lippenbekenntnis zur Führung durch die Arbeiterklasse beipflichten... Vielleicht daß die Regierung dank ihrer Armee und ihrer Polizei behaupten kann, mache townships unter Kontrolle zu haben, aber der Test für die demokratischen Bewegungen in den 80er Jahren besteht darin, ob fortschrittliche Strukturen diese Periode überleben können. Weder die Politik der Massenmobilisierung noch die Wut der marginalisierte Jugend reichen aus, um die Staatsmacht wirklich zu gefährden. Die Grubdlage, auf der eine alternative Gesellschaft aufgebaut werden kann, ist eine Massenorganisation, die auf disziplinierten Strukturen, demokratischer Teilnahme und einer Führung. die Organisierten Ortsgruppen verantwortlich ist, basiert."
[7) Work in Progress Nr. 37. Johannesburg [8] The African Communist Nr. 98, 3. Quartal 1984. [9] Konferenz, von Hammanskraad, 11. und 12. Juni 1983, veröffentlicht durch das National Forum Johannesburg 1983; siche diese Nummer der Inprekorr. (10] The African Communist Nr. 97, 2. Quartal 1984. (11] Diese beiden weißen Organisationen werden in dem Buch -The struggle for South Africa, a reference guide to movements, organisations an institutions», Zed Press, London 1984, folgendermaßen beschrieben: NUSAS: _Antiapartheid-Studentenorganisation, die für alle Studenten offen ist, aber hauptsächlich auf weißen Studenten (überwiegend bürgerlicher Herkunft) an eng lischsprachigen Universitäten gründet. [...) NUSAS ist eine der wichtigsten linken Kräfte innerhalb der liberalen Verbände."
Black Sash. „Eine Organisation, die hauptsächlich auf weißen Frauen bürgerlicher Herkunft basiert. (...] 1981 veröffentlichte sie eine Resolution, in der gesagt wird, die Freiheitscharta biete ,die einzige gangbare Alternative zum derzeitigen ausbeuterischen und repressiven System.** [12] Newsweck vom 16.12.1985.
[13] Auf Französisch (im Original) in SACTU Newsletter, Sommer 1983.
[14] Über die Spaltung der Media Workers Association of South Africa (WASA) siche Sonth African Labour Bulletin 9. Jhrg., Nr. 4, Februar 1984. [15] Es gibt viele Merkmale Südafrikas, die den ländlichen Guerillakrieg dort unmöglich machen. [16] Das Manifest des azanischen Volkes siehe in dieser Inprekorr.
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