den proletarischen Internationalismus oder die Notwendigkeit des Aufbaus einer revolutionären Internationale zurückweisen, weil verschiedenste Bürokraten damit Schindluder getrieben haben. Wegen der zunehmend internationalisierten Form von Revolution und Konterrevolution, der zunehmend zentralisierten imperialisti. schen konterrevolutionären Strategie und Aktion, kann jede Tren-
nung der antiimperialistischen und proletarischen Kräfte in rein „nationale" oder „regionale" Sektoren, die unabhängig voneinander operieren, ohne internationale Organisation, die Kräfte der Revolution nur zum ausschließlichen Vorteil des Feindes schwächen. Die Zentralisierung der konterrevolutionären Rolle des Imperialismus verlangt als Antwort eine internationale Koordination der revolutionären Aktivitäten, deren Fehlen dem Feind nur nützt. Die Ablehnung der internationalen Organisation macht nur von einem praktischen und theoretischen Standpunkt aus Sinn, wenn davon ausgegangen wird, daß der „Sozialismus in einem Land" eben doch möglich ist — was ja in der Tat nicht nur die Stalinisten, sondern auch die Eurokommunisten, die linken Reformisten und die verschiedenen Zentristen sagen.
Der Aufbau der Vierten Internationale, der einzigen Weltorganisation der Arbeiterklasse, die auch als solsolche funktioniert Deshalb trugen sowohl die Kommunistische Internationale als auch Trotzki und seine Mitstreiter vom Tage an, an dem sie die Gründung einer Vierten Internationale befürworteten, hartnäckig die Vorstellung vor, daß die Internationale als echte Organisation zu funktionieren habe, die von Anfang an sich auf die frei akzeptierte gemeinsame Disziplin stützt, ohne Rücksicht ihrer vergleichsweisen Schwäche oder Stärke.
Uns ist völlig klar, daß die Internationale noch sehr schwach ist, wenn auch um vieles stärker als zu Zeiten ihrer Gründung 1938 oder direkt nach dem Zweiten Weltkrieg bei ihrem II. Kongreß 1948. Wir sind nur der erste Kern einer künftigen kommunistischen Masseninternationale, die die Rolle eines Generalstabs der Weltrevolution spielen könnte, die alle wichtigen revolutionären Kämpfe auf der Welt koordiniert. Genauso sind unsere nationalen Sektionen noch keine revolutionären Massenparteien, die tatsächlich die tagtäglichen Kämpfe wesentlicher Sektoren der Massen der jeweiligen Länder führen würden.
Diese Kerne werden noch viele Fusionen mit neu entstandenen revolutionären Kräften erleben, viele Umgruppierungen mit Oppositionstendenzen, die sich von sozialdemokratischen Parteien oder KPen in vorrevolutionärer oder revolutionärer Lage absetzen, durchschreiten müssen, bevor sie den Status voll entwickelter revolutionărer Massenparteien erlangen, die in der Lage sind, das Proletariat und die armen Bauern zum Sieg der sozialistischen Revolution zu führen. Aber diese Kerne bringen in die Herausbildung solcher kommenden revolutionären Massenparteien undeiner solchen revolutionären Masseninternationale ein Programm ein, das die Lehren von 150 Jahren Klassenkampf in der ganzen Welt zusammenfaßt, und auch einen wichtigen Kaderkern, der im Geiste dieses Programms erzogen ist und geübt in seiner Anwendung auf die allerunterschiedlichsten konkreten taktischen Situationen des Klassenkampfs in der ganzen Welt. Sie bringen diesen Massenparteien und dieser Masseninternationale von morgen die unschätzbare Übung in verkörpertem praktischem Internationalismus, angewendet auf täglicher Basis und die Fähigkeit zu seiner Weitervermittlung.
Die Erfahrung hat immer wieder aufs neue gezeigt, daß es absolut inmörlich ist. auch nur ein elementares Niveau internationaler Coordination und Aktion rein spontan zu erreichen. Es wäre völlig utopisch zu glauben, das Ausmaß an Internationalismus, das in Theorie und Praxis in der jetzigen Phase des weltweiten Klassenkampfs notwendig ist, könne irgendwie ohne bewußte und entschlossene Vorbereitung durch Tausende und Zehntausende von Kadern und Aktivist/inn/en in dieser Richtung schon Jahre vorher erreicht werden.
Deshalb ist das Funktionieren der Vierten Internationale, SO schwach wie sie auch ist, als einzige Tendenz der internationalen Arbeiterbewegung, die in über 50 Ländern als internationale Organisation fungiert, kein Zufall. Es ist das Produkt bewußter Erziehung und Ausbildung zum Internationalismus, entgegen dem stalinistischen Nationalkommunismus" ', von Anbeginn der trotzkistischen Bewegung an, die an die Tradition der Kommunistischen Internationale und der Internationalisten im Ersten Weltkrieg, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, anknüpfte.
Die Vierte Internationale ist nicht ein bloßer Fetisch oder ein Markenzeichen. Sie ist eine Quelle der Vervielfachung der Kräfte in der Tagesaktion und ein beständiger Anziehungspol für revolutionä re Kräfte auf der ganzen Welt. Daß die Vierte Internationale heute in doppelt so vielen Ländern vertreten ist wie zu Zeit von Trotzkis Tod oder nach dem Zweiten Weltkrieg, erklärt sich daraus, daß Revolutionäre in immer mehr Ländern aus den eigenen revolutionären Ertahrungen und Kampten zu programmatischen Schlufsfolgerungen kamen, die mit denen der Vierten Internationale identisch sind insbesondere daß auch sie verstanden — aus den gleichen nationalen Erfahrungen heraus — daß eine internationale Organisation hier und jetzt aufgebaut werden muß.
Pierre Frank - Anzeige
Geschichte der Kommunistischen
Internationale
Ernest Mandel:
Eine große Lücke in der marxistischen Literatur ist endguftig geschlos sen worden. Es gab bisher keine Geschichte der Kommunistischen Inter nationale, die diesen Namen voll verdient hütte und die gesamte Periode der Komintern abdeckr.
Jakob Moneta:
Das Bestechende liegt darin, daß er mit kritischer Nüchternheit überprüft, welche Bedeutung die IIi. Internationale für die revolutionare A-beiterbewegung hatte, wo die Ursachen ihres Zerfalls legen und wet. che Lehren hieraus zu ziehen sind.
Phillipe Robrieux:
(Le Monde, 8.5. 1980)
Das solide dokumentierte Werk, das Pierre Frank diesem großem The ma gewidmet hat, bleibt von der ersten bis zur letzten Seite voll fessein. der Spannung
Angaben zum Buch:
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