In den vergangenen Monaten sind unterschiedliche soziale Gruppen der Unterdrückten gleichzeitig in Aktion gegen die Politik der Regierung und der Bosse getreten — die Jugend der Oberschulen, die „Mischlinge" und die aus Indien stammenden Arbeiter und die Bewohner der schwarzen Stadtsiedlungen. In gewisser Hinsicht haben sich die Mobilisierungen auf die Industrieregion von Transvaal konzentriert. Ausgehend von spezifischen Forderungen, liefen die Mobilisierungen unter dem Druck der Repression und der nationalen Frage aufeinander zu, gipfelten in einem 48-stündigen regionalen Generalstreik, der eine Dynamik rascher Konfrontation mit dem Staate zeigte.
Die Kraft der Einheit der unterdrückten Massen zeigte sich unter anderem in der Wut, mit der die Demonstrierenden jegliches Symbol der rassischen Beherrschung durch die weiße Minderheit und der Kollaboration damit angriffen. So wurden Mitglieder der Stadträte der Siedlungen (die meist nur von 10 % der Wahlberechtigten gewählt werden) gezwungen zurückzutreten. Einige wurden sogar angegriffen und gesteinigt. Diese Proteste fanden vor dem Hintergrund der Politisierung der schwarzen Massen statt, die aus der Mobilisierung gegen die Verfassungsreform erwachsen war, die die Regierung von Piet Botha beschlossen hatte. Diese war ein Manöver zur Spaltung der Einheitsfront der schwarzen Massen, die seit der Rebellion von Soweto 1976 fortlaufend herangewachsen war; unabhängige Gewerkschaften hatten sich gebildet, Nachbarschaftsorganisationen ebenso, die Streiks von Arbeitern wie Studenten nahmen in den letzten drei Jahren gewaltig zu.
Ziel der Reform war es, einige Vertreter der indischen und „farbigen" Kleinbourgeoisie in den Apparat der rassistischen Herrschaft einzubeziehen, indem man sie dazu brachte, an zweigetrennten Parlamentskammern teilzunehmen, die keine Macht haben. Diese wurden im August 1984 von den beiden Gemeinden gewählt. Aber diese Operation war ein völliger Reinfall. Eher half sie, die rebellische Stimmung bei den Unterdrückten zu steigern und die Zusammenstöße zwischen diesen und dem Staat zu verschärfen. Im Verlaufe dieses Kampfs um den Boykott der Wahlen bildeten sich zwei neue politische Strukturen, die die verschiedensten Antiapartheid-Organisationen umfaßten: die United Democratic Front (UDF) und das National Forum (NF).
Die Boykottkampagne brachte viele öffentliche Versammlungen mit sich
und damit intensive Diskussionen darüber, welche Strategie man verfolgen solle. Auch kam es erstmals zu einem umfangreicheren Sich-Einmischen der Zusammenballung im Süden von Johannesburg.
Schließlich erreichten die Mobilisie- Klauen verteidigen und ihre Löhne auf dem Vierfachen der Löhne der Schwarzen halten. Gleichzeitig sollte natürlich rungen einige Zugeständnisse. Die Re-, . Gewerkschatten aut der Arena der Politik. Das Ergebnis der Mobilisierungen war ein Massenboykott durch Farbige wie Inder. Nebenbei ergaben sich neue Möglichkeiten, viele unterschiedliche Kämpfe um einzelne Forderungen zu führen.
Seit dem Frühling 1984 hatte die Agitation unter den Oberschülern in den Siedlungen Fuß gefaßt; sie verbreiterte sich über folgende drei Forderungen: Anerkennung der Vertretungen der Oberschüler; Abschaffung der körperlichen Züchtigung: Abschaffung der Altersgrenze für Oberschüler.
Wie schon bei den früheren Revolten der Jugend an den Oberschulen 1976 und 1980 wurde das gesamte System der rassistischen Erziehung herausgefordert. Aber diesmal hatte die Mobilisierung eine größere politische Dynamik, da sie zeitlich mit der Kampagne für den Wahlboykott zusammenfiel. Während des Wahlkampfs waren 30 Oberschulen und 8 Universitäten im Streik. Am 22. August etwa waren 630 000 farbige Oberschüler in verschiedenen Provinzen an der Aktion beteiligt. Ausgerechnet zu dieser Zeit ergriff das Regime eine Reihe von Sparmaßnahmen, um die Kosten der Rezession in Südafrikas Wirtschaft auf die Massen abzuwälzen: Einschnitte in die Sozialausgaben, Erhöhung des Zinssatzes, Erhöhung der Mieten und Erhöhung der Steuern auf verschiedene lebensnotwendig Produkte. Damit rückte das Regime an, nachdem schon seit Beginn des Jahres die Zahl der sozialen Auseinandersetzung sich vervielfacht hatte. Während der ersten sechs Monate des Jahres hatte es 176 Streiks mit 50 000 Beteiligten gegeben. Die Lebenshaltungskosten stiegen mit etwa 12%.
Der Protest der Bewohner der schwarzen Ghettos nahm Anfang September die Form gewaltsamer Rebellion gegen höhere Stromrechnungen und höhere Mieten für die staatlichen Behausungen an. Diese Bewegung dehnte sich über die Siedlungen um Johannesburg aus, aber auch in andere Gebiete des Landes; sie dauerte mehrere Wochen.
Da diese von der Regierung diktierten Erhöhungen von den Stadträten durchgeführt wurden, schlossen die Mobilisierungen ziemlich bald die Forderung mit ein, diese Körperschaften sollten zurücktreten. Eine wüste Repression gegen die Bewegung forderte 100 Tote und über 1000 Verhaftungen; die Polizei durchkämmte systematisch die Ghettos. So fielen am 22. Oktober 7000 Soldaten in Sebokeng ein, einer städtischen gane der Oberschüler einzurichten und die Altersgrenze für sie abzuschatten; die Mieterhöhungen in den Siedlunger wurden vorübergehend ausgesetzt. Die Mobilisierung der Arbeiterbewegung
Die Arbeiterklasse war in dieser Etappe des Kampfes keineswegs abwesend. Am 17. September organisierte die National Union of Miners (NUM), die 70 000 der 480 000 Bergleute organisiert, den ersten landesweiten Streik in dieser Industrie seit 1946 und den ersten legalen Streik in der Geschichte der Goldminen dazu. Die NUM wurde erst 1982 in einigen Minen anerkannt, nach einer Serie von Streiks gegen schwerste Repression. Anfang 1984 begannen Lohnverhandlungen zwischen der Grubenkammer, die anfangs 8 % vorschlug, und der NUM, die 60 % verlangte. Die Gewerkschaft senkte ihre Forderung später auf 25 %, aber die Unternehmer weigerten sich, über Erhöhungen zwischen 9,5 und 10,9 % hinauszugehen. Nach mehreren fruchtlosen Monaten Verhandlungen beschloß die Grubenkammer Mitte Juni einseitig eine Lohnerhöhung zwischen 13,3 und 14,4 %.
Da die NUM schon alle Vermittlungsinstanzen erschöpft hatte, bereitete sie sich auf einen Streik vor. Dieser begann am 17. September mit 40 000 Leuten in 7 Minen der Anglo American Corporation, weil dort der Streik legal war; insgesamt gibt es 40 Minen. Etwa 4000 weitere Kollegen legten am gleichen Tag in anderen Gruben die Arbeit nieder, um dort die Lohnforderung mit der nach Anerkennung der NUM zu verbinden.
Die Repression war schrecklich. Zehn Menschen wurden getötet und hunderte verletzt — in einem Streik von nur einem Tag. schließlich akzeptierte die NUM einen Kompromiß, der ehrenhaft schien und sogar einen Sieg bedeutete. Zusätzlich zu der einseitig dekretierten Lohnerhöhung erreichte sie ein Urlaubsgeld in der Höhe eines halben Monatslohns für ungelernte Arbeiter, die vorher gar keins bekamen, und von 75% des Monatslohns für die übrigen. Die jüngste Eröffnung von Möglichkeiten Bildung unabhängiger schwarzer Gewerkschaften steht für den Wunsch eines Teils der Minenbesitzer, auf das Monopol der weißen Gewerkschaften Druck auszuüben, die ihre Arbeitsplatzprivilegien mit Zähnen und dem pte die Spiere ab geber Shen beiden, die sich in den Jahren zuvor um das Recht auf Bildung von Gewerkschaften entfaltet hatten, da der Rest der Arbeiterklasse dieses Recht schon durch Kampf erworben hat.
Jedoch deutet das Ausmaß der Repression gegen der ersten legalen Streik in den Minen auf die Grenzen hin, die die Minenbosse und die Regierung der Ausübung von Gewerkschaftsrechten in der Zeit der Rezession und in einer Industrie setzen wollen, deren Profite auf der massenhaften Verwendung unqualifizierter Arbeit und veralteter Technologie fu- Ben.
Im Abstand von mehreren Monaten stießen die verschiedensten Gruppen der Unterdrückten in ihren Kämpfen auf das gleiche Problem der Repression und der besonderen Einrichtungen des Systems der Apartheid zur Kontrolle ihres Lebens und ihrer Arbeit. In diesen Ausbrüchen des Volkszorns verband sich der kumulative Effekt all dieser Einschränkungen der demokratischen und nationalen Rechte mit den Sofortforderungen der Arbeitenden und der armen Massen in den Siedlungen und schuf den Rahmen für das Ineinandergreifen von nationaler und sozialer Revolte. Nationale und soziale Revolte
Auf den Aufruf des Congress of South African Students (COSAS) hin kam es zu einem breiten Treffen, das über 30 verschiedene Antiapartheidgruppen und Gewerkschaften an einen Tisch brachte; es beschloß, ein Transvaal Regional Strike Committee zu bilden Diese Einheitsfront umfait den CO SAS, die UDF, das Komitee zur Freilassung von Nelson Mandela, die South Afrcan Women's Federation, die Bürgervereinigungen von Soweto und des Vaal, die wichtigsten Gewerkschaftskräfte wie die Federation of South African Trade Unions (FOSATU) mit 150 000 Mitgliedern und die Council of Unions of South Africa (CUSA).
Der regionale Generalstreik am 5. und 6. November fand für folgende Forderungen statt: Abtreten der Stadträte; Abzug von Polizei und Armee aus den schwarzen Ghettos; Aufhebung der Erhöhungen der Mieten und der Busfahrpreise; Freilassung der Verhafteten und sterpong er enGassenen erbeied, Ainhebung der ungerechten Steuern. Das TRSC verteilte allein 400 000 Flugblätter und verklebte 5000 Plakate. An den
Arbeitsstätten, die es mit seiner Propag anda erreichen konnte, wurde der Streik von mindestens 75 % der Arbeiter befolgt, oft von 90 %. Etwa eine Million Leute nahmen insgesamt an der Aktion teil, davon 500 000 Arbeiter und 400 000 Oberschüler und Studenten.
Zum erstenmal hatte in einer Aktion dieses Ausmaßes die unabhängige Arbeiterbewegung in Gestalt der Gewerkschaften sich als Rückgrat der Antiapartheidbewegung herausgestellt. Zuvor war die UDF, an der nur wenige Gewerkschaften beteiligt sind, die wichtigste Kraft in der Protestbewegung gegen die Pseudowahlen zu den Parlamenten der Farbigen und der Inder gewesen. Zum Zeitpunkt des Generalstreiks von Transvaal schafften es die unabhängigen Gewerkschaften, die Führung der Bewegung der Unterdrückten Seite an Seite mit der UDF zu übernehmen. Seitdem sehen wir eine gewissermaßen zweiköpfige Führung der Massenbewegung. Die se Konvergenz in der Aktion hat bedeutende strategische Differenzenzwischen diesen beiden Strömungen nicht am Fortbestehen gehindert.
Im Lande der Apartheid bildet die nationale Unterdrückung aller Schwarzen die objektive Basis ihrer Mobilisierung. Diese Dynamik hat die Herausbildung von Einheitsfronten wie die UDF und das NF begünstigt. Aber die Organisationsform und die Basis der Gewerkschaften ermöglichten es, dieser Einheit einen zentralisierteren Ausdruck zu verleihen.
Gerade die Presse Südafrikas zögerte nicht zu sagen, daß der jüngste Generalstreik die bedeutendste Arbeiteraktion der letzten 35 Jahre war. Anders als die Kämpfe von 1976-77, als die unabhängige Gewerkschaftsbewegung zu schwach war, eine führende Rolle zu spielen, zeigte der Transvaal-Streik die mögliche Militanz und Wirksamkeit dieser Bewegung. Er zeigte die Kapazität, die die südafrikanische Arbeiterbewegung inzwischen angesammelt hat, den Produktionsapparat lahmzulegen, wenn die Gewerkschaften die Führung der gesamten unterdrückten Bevölkerung überneh- Einheit aller Unterdrückten
Dieser Streik war in der Tat eine Bewegung aller Unterdrückten, sowohl der Schuljugend, als auch der Arbeitenden der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und verschiedenen Siedlungen, aber auch der kleinen Kaufleute und Fuhrunternehmer.
Repre Sion runn den Such, ebandses gegen die Gewerkschaften. Viele Mitglieder des TRSC wurden verhaftet. So Chris Dhlamni, Präsident der FOSA- TU; Thami Mali, Führer des TRSC und des Komitees der UDF in Soweto; Moses Mayekişo, regionaler Vorsitzender der MAWU, der Metallgewerkschaft der FOSATU; P. Camay, Führer der CUSA; Themba Nonhlatane, Führer der Municipal and General Workers Union (MGWUSA, öffentlicher Dienst) Peter Magkopa, regionaler Führer des COSAS.
Diese Aktivisten konnten wie die übrigen mehreren hundert auf der Grundlage der südafrikanischen Unterdrükkungsgesetze Verhafteten auf viele Wochen hinaus festgesetzt werden. Etwa 30 Personen wurden von den Repressionskräften während der beiden Tage getötet, Dutzende weitere verletzt. Im Unternehmen SASOL, das Kohlevertlüssigung betreibt, die von strategischer Bedeutung ist, weswegen es unter enger Regierungsaufsicht steht, wurden 90 % der 6500 schwarzen Arbeiter wegen ihrer Teilnahme am Streik gefeuert. Diese Reaktion des Managements von SA- SOL zeigt die Entschlossenheit der Regierung, gegenüber den unabhängigen Gewerkschaften Stärke zu zeigen. Die wichtigste Gewerkschaft war dort die chemische der FOSATU gewesen. Das Ausmaß der Repression wirft für die Massenbewegung neue Probleme auf, besonders für die unabhängigen Gewerkschaften, aber es macht den Erfolg des Generalstreiks in Transvaal nicht wertlos. Der Generalsekretär der FO- SA TU, Joe Foster, sagte, die Repression werde „nur die Lage noch weiter anheizen und die Polarisierung ein bißchen verschärfen."
Dennoch scheint es, daß einige Mitglieder des TRSC eine Einschätzung des Kräfteverhältnisses getroffen haben, die zu einseitig ist. So ging der Vorsitzende von TRSC und UDF in Soweto, Thami Mali, so weit zu sagen: „Unsere Aufgabe ist es, den Widerstand zu intensivieren, eine unregierbare Lage zu schaffen und den Staat wirklich zu zwingen festzustellen, daß bestimmte Regionen oder Zonen befreite sind."(Rand Daily Mail, 7.11.1984)
Die Mobilisierungen zeigen deutlich den komplexen Charakter der Verknüpfung von nationaler Frage und Klassenkampf in Südafrika. Dieses Land bietet eine ganz außergewöhnliche Kombination von nationalen, demokratischen und sozialen Aufgaben, die der Lösung durch die Bewegung der unterdrückten Massen harren. Die nationale Dimension ist in allen Kämpfenenthalten, auch in den sozialen, da auch Streiks den Wunsch der schwarzen Arbeiter ausdrücken, sich als solche zu organisieren und ihre Emanzipation und ihre Forderungen durchzusetzen.
Alle Arbeitermobilisierungen kombinieren deshalb sofortige und wirtschaftliche Forderungen (Löhne, Arbeitsbedingungen) mit nationalen und demokratischen Forderungen, die die Grenzen eines Unternehmens übersteigen und in den Rahmen des Kampfs um nationale Befreiung gehören (gleiche Rechte, Organisationsfreiheit, Meinungsfreiheit).
Dies liegt in der besonderen Natur der süsafrikanischen Gesellschaft, einer halbindustrialisierten kapitalistischen Gesellschaft, die von imperialistischen Investitionen und Hilfe abhängig ist, einer Gesellschaft, die trotz ihrer beachtlichen industriellen Entwicklung auf Gedeih und Verderb vom Auf und Ab ihrer Goldexporte abhängt. Ein Aspekt der südafrikanischen Wirtschaft ist der Umfang der Rolle, die imperialistisches Kapital in Bergbau und Industrie spielt, ihre Abhängigkeit vom imperialistischen Weltmarkt beim Zugang zu Technologien, Krediten und bei der Festlegung des Goldpreises. Ein anderer Aspekt ist der hohe Grad an Konzentration des südafrikanischen Kapitals und die Existenz einer Finanzbourgeoisie, die sich allerdings zwei Zwängen nicht entziehen kann. Einer davon ist die Abhängigkeit vom technischen know how und von Investitionen der imperialistischen Mächte. Der andere besteht in der Abhängigkeit von den Mechanismen der nationalen Unterdrückung, die im System der Apartheid kodifiziert sind und der die Profite der südafrikanischen Kapitalisten ihre Grundlage verdanken.
Dieser Zustand schafft wegen der Enge des einheimischen Marktes Schwierigkeiten, die denen anderer abhängiger halbindustrialisierter Länder ähnlich sind. Aber keine Fraktion der südafrikanischen Bourgeoisie oder die imperialistischen Großkonzerne vor Ort kann sich tatsächlich daranmachen, die Probleme zu lösen, indem sie einfach auf die Superprofite verzichtet, die Ergebnis der nationalen Unterdrückung Schwarzen sind.
Die industrielle Entwicklung des letzten Jahrzehnts hat die Zusammensetzung des Proletariats verändert, indem sie die Zahl der Industriearbeiter stark steigen ließ. In den Branchen, wo das geschah, wurden auch die ersten Versuche zur Bildung unabhängiger Gewerkschaften unternommen. Und das Bestehen dieser neuen unabhängigen Gewerkschaften wiederum hat die politischen Rahmenbedingungen für den Kampf der unterdrückten und ausgebeuteten Massen geändert.
Das Industrie-und Bergwerksproletariat ist heute die treibende Kraft im Prozeß der Vereinigung der Unterdrückten und Ausgebeuteten im Rahmen des nationalen Kampfes um das Recht auf eine einzige vereinte Nation, der heute sowohl die Apartheid als auch die Bantustans im Wege stehen. Es wird daher zu
diesem Zwecke nötig sein, Apartheid und Beherrschung durch das Kapital zu beseitigen.
Unter diesen Uständen kann der Befreiungskampf der schwarzen Massen nicht den „klassischen" Weg der Zerstörung einer Kolonialherrschaft beschreiten, die vön einer asländischen Macht gestellt würde. Er kann nicht auf cinen Kampf um demokratische und nationale Grundrechte beschränkt bleiben. Er muls von Antang an soziale Forderungen mit einbeziehen, denn er hat eine antikapitalistische Dynamik. Es ist daher in dieser Lage auch unmöglich, daran zu denken, eine nationale Befreiungsbewegung klassıschen Typs zu organısieren, vergleichbar denen, die in antikolonialen Kampten ın ındustriell wesentlich ruck ständigeren Ländern entstanden warer und die sich meist auf die bäuerlichen und plebejischen Massen stützten. Widersprüche für die Kapitalisten die Stellung und die Macht der Arbeiterklasse Südafrikas erklären auch, warum es objektiv unmöglich ist, die Bildung einer natonalen Betreiungsbewegung zu erwarten nach der Art der algerischen FLN oder der angolanischen MPLA. Was jedoch nicht heißen soll, die Bewegung der Unterdrückten würde keine Bündnisse unterschiedlicher sozialer Gruppen mit sich bringen. Aber der Unterschied in der sozialen Formation zwischen Südafrika und Angola oder Algerien ist ausreichend, um der schwarzen Arbeiterklasse eine entscheidende und führende Rolle im unmittelbar jetzt ablaufenden Kampf zuzugestehen, und nicht einfach nur im Sinne der historischen Dynamik der Mobilisierungen. Das Anwachsen der unabhängigen Gewerkschaften seit 1973 entsprach einer Periode industriellen Wachstums, numerischer Stärkung der Arbeiterklasse und einer starken Nachfrage nach Arbeitskräften. Zwischen 1973 und 1982 hatte die Weltwirtschaftskrise nur recht partielle und kurzphasige Auswirkungen. Die südafrkanische Wirtschaft besitzt nämlich gewisse Stoßdämpfer. Dagehört die Vielfalt und die strategische Bedeutung ihrer Bergbauexporte, die nahezu Monopolstellung für einige dieser Erzeugnisse sowie die relative Autonomie der Fluktuation der Goldpreise von der Fluktuation der Weltwirtschaft.
Aber darin liegt auch der Schwachpunkt der Wirtschaft Südafrikas; sie ist äußerst abhängig von der Entwicklung des Goldpreises. Gold steht in der Tat für 45 % der Exporte des Landes und erbringt 20 % des Staatseinkommens. 1981 begannen die Exporte zu sinken. 1982 sank die Produktion. 1983 sanken die Investitionen um 3 %. Nun wurde das Land von einer Rezession geschüttelt, deren Ausmaß und Tiefe die Kombination der Abhängigkeit der südafri kanischen Wirtschaft mit den kumulativen Wirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die entwickelten Industrieländer seit 1973 reflektiert. Der Fall des Goldpreises führte zu Einnahmeverlusten des Regimes, obwohl in der gleichen Zeit der Dollar seinen Höhenflug erlebte. Zugleich wurde der Goldpreisverfall durch den Dollaraufschwung noch beschleunigt. Folglich hat sich auch der Wechselkurs von Dollar zu Rand (der südafrikanischen Währung) ungünstig entwickelt. Von im Anfang von 1984 1,30S auf November 1984 0,60$ sank der Rand. In den frühen siebziger Jahren schien Südafrika eine dauerhafte Profitoase für ausländische Investitionen zu sein, wegen der sinkenden Profitrate in anderen Ländern besonders attraktiv. Aber die Zahl der Investitionen geht nun selber zurück, wegen der allgemeinen Verkleinerung der Märkte und Absatzgebiete und der politischen Risiken. 1983 machten über 25 000 Unternehmen dicht. 28 % mehr als im Jahr davor. 1984 zählte man durchschnittlich 12 Pleiten am Tag (South African Labour Bulletin, Bramamfontein, 8-9/84).
So stand die Gewerkschaftsbewegung vor ihrer ersten größeren Herausforderung. Sie muß in der Lage sein, einer Sparpolitik Kontra zu geben, die der schwarzen Arbeiterklasse die Krisenkosten aufbürdet. Die Arbeitslosigkeit im Lande der Apartheid ohnehin eine Dauererscheinung der nichtweißen Arbeitskräfte — steigt sprunghaft, mit der selben Rasanz wie die Bankrotte, industriellen Umstellungen und Massenentlassungen bei der Großindustrie. In den letzten 18 Monaten verloren 70 000 Metallarbeiter ihre Arbeitsplätze. Die Unternehmer nutzen die Lag aus, um ihre Profite zu steigern und die Produktivität zu erhöhen. Tatsächlich nahm dieses Jahr die Arbeitsproduktivität in der Autoindustrie zu und überstieg alle vorherigen Niveaus der achtziger Jahre trotz Massenentlassungen. Das Wachstum der unabhängigen Gewerkschaften
Die wesentlichen unabhängigen schwarzen Arbeitergewerkschaften mußten ihre Organisation auf der Basis von betrieblich erfolgreichen Lohnkämpfen aufbauen. Der Mut der Anfangskerne der Gewerkschafter griff zwischen 1970 und 1980 auf zehntausende Arbeiter über, die lernten, wie man streikt, wie man den Chefs trotzt und wie man auf dieser Basis sich zu unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen kann, vor dem Erfahrungshintergrund der Siege in Gefechten um begrezte Forderungen. Zwischen 1980 und 1983 nahm : die Zahl der „afrikanischen" Gewerkschaftsmitglieder um 300 % zu, von 220 000 auf 670 000. Heute stellen die „afrikanischen 43,3 % der Gewerkschaftsmitglieder.
Die Hartnäckigkeit mit der bestimmte Gewerkschaften wie die FOSATU an der Basis organisierten und ein System von Vertrauensleuten aufbauten, entsprach den Bedürfnissen der ersten Phase des Aufbaus von unabhängigen Gewerkschaften. Danach war es notwendig, die Gewerkschaften auf Fabrik-
ebene zu konsolidieren und dem schwarzen Proletariat eine Organisationsform zu bieten, die seinem anfänglichen Klassenkampfniveau entsprach. Heute nähert sich dieses Experiment wegen der Massenentlassungen und der neuen Bedürfnisse aus der Konfrontátion mit dem Regime heraus einem Test. Seit Beginn des Jahres sah sich die Gewerkschaftsbewegung einer planmäßigen Entlassungsoffensive ausgesetzt, die ihre grundlegenden organisatorischen Gewinne gefährdet. So hat die MAWU seit August 1984 2000 Mitglieder, etwa 5 % ihrer Mitgliedschaft, aufgrund von Entlassungen verloren. Man rechnet noch bis zum Jahresende mit dem Verlust eines weiteren Tausends Mitglieder (The Star, Johannesburg, 25.10.84). Anläßlich das Transvaal-Streiks bemerkte die Presse, daß sich die Gewerkschaften auf der politischen Bühne einmischten und direkt den Staat konfrontierten. In Wahrheit haben die Gewerkschaften von ihrer Gründung an politisch Position bezogen, jeweils in Zusammenhang mit den sich aus dem Kampt heraus stellenden Bedürtnissen. Neu ist also nicht die Haltung der Gewerkschaften, sondern das Ausmaß der Konfrontation zwischen rassistischem Staat und Bossen einerseits und Arbeiterklasse andererseits.
In diesem Kräftemessen muß es die Gewerkschaftsbewegung schaffen, dem eine konkrete Form zu geben, was in ihrer anfänglichen Organisierungsphase nur implizit enthalten war: der entscheidende Rolle, die ihr objektiv beim Aufbau einer schwarzen Arbeiterbewegung zukommt.
Einige Monate lang hat die Konfrontation der Massen mit dem rassistischen Regime den hohen Organisierungsgrad der unterdrückten Massen aufgezeigt. Das wurde besonders am nahen Zusammenrücken der unterschiedlichen Mobilisierungen deutlich. Zwei Arten von Massenstrukturen haben dabei ihre Wirkung bewiesen. Eine sind die Gewerkschaften. Die andere sind die Nachbarschaftsvereinigungen, die zu besonderen Problemen wie Wohnungsfrage, Freizeitgestaltung und ähnlichem in Aktion treten.
Zweifelsohne verlangt die heutige politische Konfrontation eine feste Einheit zwischen diesen beiden sich ergänzenden Ebenen von Organisation. Die Bedeutung der Nachbarschaftsvereinigungen resultiert aus der Massenhaftigkeit der Arbeitsloigkeit, aus der Schlüsselrolle der Jugendlichen und dem Phänomen der Unterbeschäftigung. Die städtischen Siedlungen sind auch der natürliche Herd, in dem ein Gefühl gegenseitiger Solidarität und Verständnis ür die Frage der Organisierung entste hen können. Die Einheit der Unterdrückten kann verschiedeste Formen haben, in Ubereinstimmung mit der Verschiedenartigkeit der vorliegenden Umstände. Es gibt so viele verschiedene Netzwerke von Organisationen, manchmal sogar welche, die mit Kirchen verbunden sind, die sich zu bestimmten Fragen bilden und auch genau diesem Zweck dienen sollen.
Wenn jedoch einmal ein gewisses Maß an Entwicklung der Kämpfe mit dem Regime erreicht wurde, reicht eine bloße Sammlung der verschiedenen Organisationsformen nicht mehr aus. Es wird entscheidend, ob sich dann die zentrale Stellung des schwarzen Proletariats in der Mobilisierung festigt. Daher waren die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit von einer intensiven Debatte über Ziele und Mittel des Massenkapfes begleitet.
Die sogenannte Charta-Strömung (Chartisten), die sich nach der Freedom Charter des People's Congress benennt, der Vorläuferorganisation des African National Congress (ANC), versucht, den Unterdrückten einen politischen und organisatorischen Rahmen zu geben. Die UDF, die eine Allianz dieser Chartisten mit Teilen der Kirche und liberalen weißen Kreisen ist, hat das Ziel der Organisierung der Massenbewegung um ein verdecktes politisches Programm herum zu erreichen versucht, um das Programm der Freedom Charter. Indem sie den verschiedenen Sektoren der Bevölkerung dieses Angebot machte, hat die Strömung auch zu vermeiden versucht, von der Neugliederung der Gewerkschaftsbewegung an die Seite gedrängt zu werden, denn die Front ist nicht in der Lage, den Vereinigungsprozeß innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zu kanalisieren.
UDF und NF
In der Tat hat die UDF einen großen Teil der Antiapartheidvereinigungen und einige Gewerkschaften um sich versammelt. Sie spielte bei den Mobilisierungen gegen die rassistischen Wahlen im August eine zentrale Rolle, nur im Gebiet von Kapstadt mußte sie sich diese Rolle mit der Cape Action League teilen.
Ein anderer politischer Pol entstand in der gleichen Zeit, das National Forum. In ihm versammeln sich verschiedene Strömungen, die eine Dauerallianz mit liberalen Strömungen ablehnen und ein radikaleres, eindeutig sozialistisches Programm als Alternative zum Chartismus vorlegen wollen.
Gewerkschaften wie FOSATU, AFCWU oder die General Workers
Union haben auf verschiedene Weise er-. klärt, warum sie weder der UDF, noch dem NF beitreten. Alle betonten dabei ihre Sorge um die Sicherstellung der gewerkschaftlichen Unabhängigkeit, manchmal auch in der Form einer Weigerung, mit nichtproletarischen Schichten zusammenzuarbeiten wie den Verbänden der Kleinunternehmer der Farbigen und der Inder oder mit weißen liberalen Gruppen.
Die Weigerung der stärksten Gewerkschaften, sich der UDF anzuschließen, kann nur erklärt werden, wenn man die zentralen Aussagen der Politik des Chartismus in Betracht zieht. Für sie besteht schon eine einzige, vereinigte Führung der Befreiungsbewegung: der African National Congress (ANC). Zusätzlich besteht für einen nicht unerheblichen Teil der Strömung der Avantgardecharakter des ANC, seines Gewerkschaftsflügels South African Congress of Trade Unions (SACTU) und seiner bewaffneten Abteilungen in der Tatsache, daß sie tatsächlich alle drei von der südafrikanischen kommunistischen Partei (SACP) geführt werden.
Deshalb mangele es der Massenbewegung nicht an einer revolutionären Führung. Diese besteht schon seit Jahren in der Dualität von ANC und SACP, die dem Kampf eine Strategie liefern. Für diese Strömung liegt das Problem ausschließlich in der Frage der Beziehungen zwischen dieser Führung und den Verbänden und Gewerkschaften, die in den letzten Jahren wesentlich außerhalb ihrer Kontrolle entstanden sind. Das Verbindungsglied soll nun die UDF sein. Sie bildet die Art von breiter Koalition, über die die politische Führung des ANC den Kampf gegen die Apartheid führen kann. Diese Ansicht wird von den Organisationen des National Forum und von den Gewerkschaften bestritten.
Wegen der allgemeinen Unterdrükcung ist eine ottentliche Debatte natür lich extrem schwierig und begrenzt. ANC und SACP sind verboten und werden verfolgt. Ihre Presse kommt also nur von außen ins Land. Die Gewerkschaften müssen sich in den engen Grenzen ausdrücken, die ihnen die legale Existenz setzt, denn sie stehen unter dauernder Beobachtung. Alle beteiligten Organisationen müssen also höllisch aufpassen, was sie wie sagen. Die Diskussion hat daher einige sehr formalistische Züge angenommen. Die Gewerkschaften beispielsweise haben die UDF wegen der Art und Zusammensetzung ihrer Führungsgremien und wegen des prominenten Auttretens von Liberalen bei ihren öffentlichen Veranstal. tungen kritisiert. Andersrum wirft die UDF dem NF vor, nur ein Forum zu sein und keine disziplinierte Front. Die Gewerkschaften kritisiert sie als „arbeitertümeld" (workerist), ökonomistisch und sektiererisch in vielen ihrer Positio- Die Polemik, die vor einigen Monaten von der SACP gegen die Gewerkschaften vom Zaune gebrochen wurde, die nicht in der UDF sind, und gegen die Strömungen des NF, beleuchten jedoch sehr anschaulich die politische Bedeutung dieser Auseinandersetzung. Auf dem Kongreß der FOSATU im April 1982 warf deren Generalsekretär Joe Foster die Frage der gesellschaftlichen Rolle einer Arbeiterführung auf: „Hat unsere organisierte Aktivität zur Herausbildung von Arbeiterführungen geführt, die allen Arbeitenden Orientierung und Anleitung geben können? Wenn wir dabei nur an unsere Mitgliedschaft denken würden, dann käme uns nur eine sehr begrenzte politische Rolle zu. Wenn wir jedoch die gesamte Arbeiterklasse im Auge behalten, dann müs- Die SACP antwortete daraufhin mit einer heftigen Polemik unter Zuhilfenahme vieler Lenin-Zitate, daß vonihrer Natur her Gewerkschaften keine revolutionäre Partei ersetzen könnten. So hieß es: ....die Existenz und die Errungenschaften der Kommunistischen Partei sind allen wohl bekannt. Ihre Mitglieder stehen heute in der vordersten Linie des Kampfes. Wagt es die FOSA TU, dies zu ignorieren?"
In Antwort auf Joe Foster wies der Artikel weiter auf das Bestenen des ANC als Befreiungsbewegung hin: „Er übersieht die Realität des starken und dauernd wachsenden Einflusses der Arbeiterklasse im ANC, der sozialistisch gerichteter Politik die Bahn frei machte, wie man an den Punkten der Freedom Charter über die Landfrage und die Monopolindustrie sehen kann... " (African Communist, Ostberlin, Nr. 93, zweites Quartal 1984).
Diese Kritik erschien inzwischen auch in einem neuen Mantel. „Einige von ihnen sind durch das Beispiel Brasilien fasziniert. Ein Artikel, der kürzlich im South African Labour Bulletin stand, versuchte, Parallelen zwischen der dortigen und der südafrikanischen Entwicklung zu ziehen. In Brasilien, so stellen sie fest, hat das militante Massengewerkschaftertum zur Geburt einer politischen Partei geführt, die sich ,rasch innerhalb der Arbeitenden ausbreitete, unter den Arbeitslosen, bei den Basisgemeinden der Kirche, der fortschrittlichen Jugend und den linken Intellektuellen'. [...] Nur ganz nebenbei sagt der Autor, daß diese Partei ,die Feindschaft der Unterstützer der illegalen Brasilianischen Kommunistischen Partei auf sich gezogen hat... die behauptet, die historische Partei der Arbeiterklasse zu sein.' Brasilien kommt auch ausgiebig im GOLD
Lull Callinicos
Die Geschichte des südafrikanisghen Volkes Band I
Gold in Südafrika:
Schwarze Arbeit - Weißer Reichtum Bonn 1982, 120 Seiten, DM 19,80, Großformat, reich bebildert ISBN 3-921614-02-3 »Die engagierte südafrikanische Historikerin beschreibt vor allem die Geschichte derer, die durch ihre Arbeit das Gold zutage fördern. So ist dieses Buch auch ein Dokument der Arbeitergeschichte... Weltweit müssen Protest und ein Nein zum Gold, an dem so viel Blut klebt, hinausgeschrien werden.« Al Imfeld in 'Die Wochenzeitung' (Z0. rich)
-Dies ist ein außergewöhnliches Geschichtsbuch in einem doppelten Sinne: inhaltlich und formal." 'Zeitschrift für Entwicklungspadagogik• Ken Luckhardt/Brenda Wall
Arbeiter gegen Apartheid
Die neue Gewerkschaftsbewegung in Südafrika ergänzt und aktualisiert von Sigrid Thomsen
Bonn 1984, 138 Seiten, DM 19,80, Großformat, Fotos
ISBN 3-921614-07-4 Das Buch geht von der Voraussetzung aus, daß ohne tiefergehende Kenntnis von der Entwicklung der schwarzen unabhängigen Gewerkschaftsbewegung Solidarität mit und Verständnis für den Kampf der schwarzen Arbeiter gegen Apartheid nicht möglich sind. Die deutsche Ausgabe von 'Working for Freedom", die 1981 in englischer Sprache, herausgegeben vom Pro. gramm zur Bekämpfung des Rassismus des Ökumenischen Rates der Kirchen, erschienen ist, schreibt die Entwicklung bis 1984 fort.
issa Informationsstelle Südliches Afrika Blücherstr. 14, 5300 BONN 1
Schulungsprogramm vor, dais die Akademiker der Schulungsabteilung der FOSATU aufgestellt haben und das in der Zeitschrift der FOSATU diskutiert wird Vorbild Brasilien ...vielleicht sind sich die Autoren von solcher Art Material dessen bewußt, daß ihnen das Zurückgreifen auf offenen Antikommunismus unter der organisierten Arbeiterklasse keinen Zulauf verschaffen wird. Jedoch laufen die Versuche, das Bestehen des ANC und der SACP nicht wahrzunehmen, auf das selbe hinaus." (African Communist Nr. 99).
Die Diskussion dreht sich auch um die Frage des Bündnisses mit Gruppen liberaler Weißer und mit Unternehmerverbänden. Die UDF hat sich in der Tat mit weißen liberalen Organisationen verbunden wie der Black Sash, der Nationalunion Südafrikanischer Studenten oder sogar mit der Progressive Federal Party der liberalen Kapitalisten. Auch sind Mitglied bei der UDF die Verbände der nichtweißen Kleinkapitalisten wie die Western Cape Traders Association; hinzu kommen alte Chartisten-Organisationen wie der Transvaal Indian Congress (TIC) und der Natal Indian Congress (NIC).
Solche Verbindungen sind von anderen Strömungen denunziert worden, darunter der Azania People's Organisation (AZAPO), die von der Black Consciousness-Strömung beeinflußt wurde, aber auch von Gewerkschaften. Eine Politik der Klassenunabhängigkeit wurde der der Bündnisse mit weißen Liberalen oder Unternehmergruppen gegenüber gestellt. Es gibt eine allgemeine Ablehnung politischer Gruppierungen, die die Trennungen akzeptieren, die die Apartheid eingeführt hat, um die Interessen bestimmter kleinbürgerlicher Schichten in diesen jeweiligen Gemeinden voranzubringen. Diese Ablehnung brach durch, als TIC und NIC im Rahmen der UDF wieder aufzuleben began- Die General Workers Union (GWU) hat gleich anderen die UDF als Mehrklassenorganisationen kritisiert. Diese Debatte führte zum Auseinanderbrechen der bestehenden Einheitsstrukturen in der Kapprovinz, wo sich dann UDF und Cape Action League gegenüberstanden. Daraus hatte die G WU die Lehre gezogen, keinesfalls der UDF beizutreten.
Die UDF dagegen verteidigt ganz of en den Mischcharakter der Front: „Di UDF ist keine Klassenorganisation. Sie beansprucht nicht, die Interessen der Arbeiterklasse, der Kapitalisten oder der Bauern zu vertreten. Sie ist ein Bündnis dieser Klassen." (Solidarity, Organ der Cape Action League, 6-7184)
Welche Art von Bündnissen?
Diese extrem verwickelte Debatte konzentriert sich um zwei Fragen. Die erste ist die nach Charakter und Rolle von Übereinkünften mit nichtproletarischen Strömungen. Dieser Streit steht ganz klar in Zusammenhang mit der nationalen Frage in Südafrika. Welche Art von Bündnis kann zu bestimmten Themen im Kampf gegen die Apartheid mit spezifischen Sektoren der indischen oder farbigen Kleinbourgeoisie eingegangen werden? Sollte man eine organische Verbindung mit Bewegungen auf ethnischer Basis wie TIC und NIC eingehen? Das Herzstück dieser Fragen ist die Notwendigkeit einer politischen Führung, die strategische Langzeitentscheidungen durchaus mit der Fähigkeit zu taktischen Initiativen im Sinne: der Bedürfnisse des aktuellen Kampfes kombinieren könnte.
Wenn die UDF sich selber als Mehrklassenblock definiert, so zeigt sich daran auch ihre Herangehensweise an die nationale Frage. Besonders deutlich im Falle des Wiederbelebens von TIC und NIC, das auf folgende Weise gerechtfertigt wird:
„Die Wiederbelegung von TIC und NIC war notwendig, weil der Kampf in einer spezifischen Wirklichkeit geführt wird. Wenn wir Leute mobilisieren wollen, dann müssen wir zu ihnen über die Realität sprechen, wie sie sie fühlen und wahrnehmen... In Südafrika hat jede Rasse ihre besondere Rolle zu spielen, aber sie dart sie nicht unabhängig voneinander spielen." (Solidarity, ibid.) Gerade diese Ansicht von der nationalen Frage als Summe „spezifischer" nationaler Fragen wird von den Strömungen zurückgewiesen, die die UDF kritisie- Jedoch hatte die Debatte noch einen zweiten Aspekt, den der stategischen Option für die südafrikanische Revolution. Alle Strömungen erklären sich mehr oder weniger für den Sozialismus, zumindest für die Beendingung der Ausbeutung des „Menschen durch den Menschen" — eine Formel, die bei der nationalen Kleinbourgeoisie in Afrika immer populär ist. Jedoch sieht die chartistische Bewegung eine demokratische Etappe im revolutionären Prozeß vor. Dagegen spricht ein Teil ihrer Kritiker von der Notwendigkeit, die kapitalistische Ausbeutung zu zerschlagen, die sie in letzter Hinsicht als Ursache für das System der Rassenunterdrückung ansehen. So erklärt das Manifest des National Forum:
„Der Kampf gegen die Apartheid ist für unsere Befreiungsbemühungen nur der Ausgangspunkt. Die Apartheid wird mit dem System des rassischen Kapitalismus beseitigt werden. Die schwarze Arbeiterklasse, inspiriert durch revolutionäres Bewußtsein, ist die treibende Kraft unseres Kampfes."
Das Organ der SACP macht diesen Unterschied recht deutlich: „Dieser theoretische Rahmen ,Sozialismus jetzt!" ist die Basis eines Angriffs auf die Freedom Charter, die Basis der Trivialisierung der nationalen Frage und steht für die Weigerung, von der abstrakten Theorie oder abstraktem Intellektualismus sich zur konkreten und lebendigen Realität hinzuwenden. Wir sehen hier den Versuch, eine Führung durch die Arbeiterklasse aufzuzwingen. Dieser Versuch, den Kampf der Arbeiterklasse mit dem nationalen Befreiungskampf zu fusionieren, ist Sektierertum par excellence. Nach dieser sektiererischen Ansicht werden die Stadien unserer Revolution geleugnet und wird die Arbeiterklasse nicht mobilisiert, um dem Kampf um nationale Befreiung voranzuschreiten, sondern dem Kampf fürein,Sozialistisches Azania'. Wenn man dafür nichts summen (Arica Coman Nr. 98.
Die Breite der Massenbewegung der Unterdrückten macht die aktielle Bedeutung der Debatte unter ihren verschiedenen politischen und gewerkschaftlichen Komponenten umso deutlicher. Für den einen Flügel besteht schon eine geeinte nationale Befreiungsbewegung, die alle unterdrückten Menschen Südafrikas repräsentiert. Dies sei darum ausreichend Grund für alle Komponenten der Bewegung, seine Führerschaft zu akzeptieren und sich hinter sie zu stellen. Diese Orientierung wird auch in der Solidaritätsbewegung im Ausland angewandt, indem die Unterstützung der SACTU der Unterstützung der unabhängigen schwarzen Gewerkschaften gegenübergestellt wird Für den anderen Flügel besteht die Notwendigkeit, eine Alternative zur Strömung ANC-SACP aufzubauen, eine, die die Form von Klassenfronten annimmt, die von der Sache her ein Programm des antikapitalistischen Kamptes verteidigt, auch wenn die Vertreter dieser Vorstellung nicht notwendigerweise in allen taktischen Fragen übereinstimmen.
Diese politische Auseinandersetzung wird in erster Linie in der Arena der Massenbewegung entschieden werden, durch die Fähigkeit der konkurrierenden Kräfte, die Bewegung voranzubringen und die Einheit zu vergrößern. Der Transvaal-Streik ermöglichte es erstmals, eine breite Einheitsfront zu bilden, die sowohl die UDF als auch die Gewerkschaften umfaßt. Die Lehren, die beide Flügel aus diesem Kampf ziehen, werden für ihre unterschiedlichen organisatorischen Projekte nicht folgenlos bleiben und damit auch nicht für den Verlauf der politischen Debatte.
IV. INTERNATIONALE