Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Erklärung des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale: Keine Kohle für Großbritannien!

Inprekorr Nr. 165, 1. Oktober 1984 · S. 31 · 630 Wörter

Großbritannien IV. Internationale Gewerkschaften und Streiks Frauen

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Erklärung des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale Keine Kohle für Großbritannien!

der Bergarbeiter!

Die National Union of Mineworkers (NUM) befindet sich jetzt seit sechs Monaten im Streik gegen den Versuch der Kohlebehörden, 20 000 Arbeitsplätze zu vernichten, 20 Gruben zu schlielsen, gan ze Bergarbeiterorte zu zerstören und di Macht der NUM zu zerschlagen. Im Ver lauf dieses Kampfes wurden fünf Kumpels wegen ihrer Streikteilnahme getöter, zwei schweben im Krankenhaus zwischen Le ben und Tod und 5000 wurden bisher festgenommen. Die Bergwerksregionen sind schon fast zu Polizeistaaten gewor den: 20000 Polizisten wurden mobilisiert, die Straßen blockiert und die Kerngebiete der Bergarbeiter polizeilich besetzt. Das Vermögen der NUM von Südwales wurde auf gerichtliche Anordnung hin beschla gnahmt.

Diese ganze Offensive gegen die Bergarbeiter wurde von der Konservativen Partei seit zehn Jahren vorbereitet und 1978 von Ridley, dem jetzigen Transportminister der Thatcher-Regierung, als Plan vorgelegt. In den fünf Jahren, die diese Regierung jetzt an der Macht sitzt, hat sie den Plan für die Konfrontation inklusive des massiven Polizeieinsatzes im Detail ausgefeilt.

Die konservative Regierung regiert Die konservative Regierung reagiert deshalb so gewalttätig, weil bei diesem Streik wirklich einiges auf dem Spiel steht. Wenn die britischen Bergarbeiter gewinnen, wäre das eine Niederlage für die ganze Politik der Kegierung, Thatcher und zugleich ein schwerer Schlag für alle Regierungen, die eine monetaristische Sparpolitik durchführen. Allein aus die internationaler Ebene.

Der Streik der britischen Bergleute ist das Schlüsselglied in der Kette des Arbeiterwiderstands gegen die Offensive, die die bürgerlichen Regierungen gegen Arbeitsplätze und Reallohn führen; ein Widerstand, der sich auf dem europäischen Festland ausdrückt in der Schlacht um die 35-Stundenwoche in der BRD, in der Verteidigung der gleitenden Lohnskala in Italien, in der Generalstreikbewegung des öffentlichen Dienstes ii. Belgien, in den einzelnen Aktivitäten gegen Arbeitslosigkeit in Frankreich und im spanischen Staat.

Die Bergarbeiter sind auch Hauptzielscheibe für die Konservativen, weil es ihrer Aktion zu danken war, daß die konservative Regierung Heath 1974 gestürzt wurde. Seither unternehmen die Konservativen alles, um die mächtige NUM zu zerschlagen; denn ist dieses Schlüsselelement besiegt, kann die Kraft der ganzen Arbeiterbewegung in Großbritannien gebrochen werden.

Die streikenden Bergleute erhalten von Seiten ihrer Gewerkschaft keinerlei finanzielle Unterstützung; diese soll ihre Mittel ganz für den Kampf einsetzen. Die Kegierung weigert sich, den Streikenden Sozialhilfe zu zahlen, und reduzierte die Hilfe für deren Familien auf das absolute Minimum. Die Regierung läßt auch Kohle importieren, um den Streik zu brechen, und scheut nicht davor zurück, dazu Vereinbarungen zu brechen, die sie mit den Hafenarbeitern geschlossen hatte. Darauf antworteten die Bergleute, indem sie ihre Streikposten verstärkten. Ihre Frauen organisierten sich auf nationaler und lokaler Ebene, um den Kampf zu propagieren und Schulter an Schulter mit ihren Männern zu kämpfen. Der exemplarische Kampf der Frauen gab den Streikenden und der ganzen Arbeiterbewegung neuen Mut. Sie machten gemeinsame Sache mit dem Kampf der Frauen von Greenham Common gegen die Raketen. Und die Hafenarbeiter organisierten schon zwei landesweite Streiks. Immer noch schickt die Regierung Jaruzelski polnische Kohle nach Großbritannien. Auch das südafrikanische Apartheid-Regime liefert Kohle.

Die Solidaritätsaktionen mit den britischen Bergarbeitern, die schon laufen, müssen verstärkt und ausgeweitet werden. Internationale Solidarität ist dringend notwendig. Die Vierte Internationa. le verpflichtet sich, ihren Beitrag zu leisten, um - die Wahrheit über den kampf der Bergarbeiter durch ihre Presse und mittels Veranstaltungen und Rundreisen von Bergarbeitern und ihren Frauen bekannt zu machen; - die finanzielle Unterstützung und die materielle Solidarität mit den Bergarbeitern und ihren Familien zu organisieren; - in den Gewerkschaften dafür zu kämpfen, daß jegliche Lieferung von Kohle nach Großbritannien blockiert wird. Keine Koble für Großbritannien! Für den Sieg der britischen Bergarbeiter! 6.September 1984