Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Streikökonomie: Teurer als der Malvinen-Krieg

· Inprekorr Nr. 164, Januar 1985 (extra) · S. 25-31 · 3.432 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Großbritannien Brasilien

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bezeichnen.

Frage: Könntest Du das vielleichtetwas weiter entwickeln, weil mir doch scheint, daß das Verbältnis zwischen George Blazyca, John Harrison, Bob Morgan Sozialismus, Demokratie und den heutigen Kämpfen eine sabsolut zentrale Sich über den Bergarbeiterstreik auszulassen, ist strategische Frage zu sein scheint? heutzutage Britanniens einzige Wachstumsbranche. Minister, Börsenmakler und Journalisten spe- Benn: Ich glaube, wenn du dir ankulieren um die Wette, wann die ersten Stromkürschaust, was heute abläuft - und das zungen fällig sind. Und sicherlich ist die Frage, der ist nur eine Frage, die gemachten Erwirtschaftlichen Wirkung des Streiks von enormer fahrungen näher zu studieren, nichts Bedeutung. Deshalb bringen wir hier einiges an mehr - dann haben wir einen absolut umfangreichen Angriff auf unsere Freiheiten vor uns, unter dem Deckmantel, sie zu schützen.

Es stimmt, wenn du den Militär- Aspekt betrachtest, wo unter dem Deckmantel, unsere Freiheit müsse vor einem Angriff russischer Generäle geschützt werden, wir tatsächlich unsere Rechte nationaler Selbstbestimmung an amerikanische und britische Generale abgetreten haben. Das ist ein Aspekt.

Ein anderer besteht darin, daß mit der Behauptung, die Grenzen des Staates müßten zurückgerollt werden, gerade diese ausgedehnt werden, um die Interessen des Kapitals zu schützen, und so weiter und so fort. Ich glaube also, daß Freiheit ein Wort ist, das wir uns wiedererobern müssen, weil Freiheit in ihrer vollsten Bedeutung das Recht einschließt, dein Leben und deine Zukunft frei von den Diktaten des Kapitals zu entwickeln — Diktate, die ihre Macht ausschließlich von außerparlamentarischen Kräften herbeziehen. Heute Die Regierung kann den Streik nur gewinnen, indem sie längere Stromabschaltungen vermeidet. Die Wirtschatt läutt ohne Strom schließlich nicht, und die Bergleute könnten dessen Erzeugung stoppen. Die Central Electricity Generating Board (CEGB) ist der Hauptkohlekunde mit drei Vierteln der Produktion, 1,5 Millionen Tonnen in der Woche.

Aber Stromabschaltungen vorherzusagen, indem man die Vorräte durch den wöchentlichen Verbrauch teilt, ist eine Milchmädchenrechnung. Einige Halden sind unbenutzbar. Während des Streiks von 1974 schätzte der Economist mehr als vier Millionen Tonnen als wertlos ein, vor allem wegen des Einsickerns von Wasser.

Es zählt auch die Verteilung der Kohle. Beim Streik der NUM 1972 zog Heath schon den Stecker raus, als noch acht Millionen Tonnen in den Händen der CEGB waren, jedoch an den falschen Stellen. Die Vorräte bei den Gruben selber sind nutzlos, wenn sie nicht zu den Kraftwerken transportiert werden können. Dies geschieht normalerweise mittels der Bahnen, aber der Boykott der NUR und der ASLEF [Eisenbahnergewerkschaften] ist sehr wirksam. Die Regierung schätzt, daß etwa ein halbe Million Tonnen Kohle jede Woche zu den Kraftwerken durchkommt. Die NUM schätzt: eine Viertelmillion. Verteilung

Etwas Kohle: rd kommt per Bahn durch. Aber um die normale Menge von 1,5 Millionen mit Lastwagen zu bewegen, wäre eine Flotte von über 8000 12-Tonnern erforderlich, die sieben Tage in der Woche zwei Touren machen müßten. Die Convoys nach Ravenscraig, die immer wieder im Fernsehen vorgeführt werden, sind nur ein Schnüffchen.

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InPre Korr Nr. 164, extra Die CEGB kann Kohle auch durch andere Brennstoffe ersetzen. Strom wird auf drei Hauptarten erzeugt: Öl, Kohle, Atom. 1983 teilten sich diese drei Möglichkeiten den Markt mit 7 % bzw. 73 % bzw. 18 %. Dieses Verhältnis blieb bis März 1984 gleich. Im April stieg die Verfeuerung von Öl rapide an. Die CEGB verbrauchte in einem Monat etwa soviel Öl wie sonst in einem Jahr.

Jede Berechnung des Zeitpunkts, zu dem die Maschinen abgestellt werden müßten, muß sich auf Schätzungen über die Ersetzbarkeit des Brennstoffs, die laufenden Vorräte, deren Brauchbarkeit und über die in der Zukunft möglichen Anlieferungen stützen. Weniger relevant ist die Produktion selber; es zählen die Lieferungen an die Kraftwerke entweder aus der laufenden Produktion oder aus den 20 Millionen Tonnen der Grubenvorräte.

Alle Kommentare sind sich darüber einig, daß die CEGB die atomare und Ölkapazität bis in die Grenzbereiche ausfährt. Unsere Berechnungen stimmen auch damit überein, und es wäre ja auch überraschend, wenn die Behörde dies nicht tun würde. Staatssekretär Peter Walker ließ in einer Fernsehsendung die Katze aus dem Sack, als er ängstlich versuchte, die ökonomische Wirkung des Streiks zu mindern. Er behauptete, daß die Kohlevorräte der CEGB wöchentlich nur um 1,5 % fallen würden. Das bedeutet auf der Grundlage der offiziellen Zahlen, daß zum Zeitpunkt dieser Sendung (22. Juli) die Vorräte bei 16 Millionen Tonnen laon Strom lag em Juni und im Juli au der verbrauc dem Vorjahresniveau, und Ol- und Atomenergie werden maximal genutzt, können wir errechnen, daß die Lieferungen von Kohle an die Kraftwerke bei etwa einer Viertelmillion Tonnen liegt. Das ist wesentlich weniger als offiziell für den Mai z.B. angegeben. Und die Vereinbarungen zwischen den Eisenbahngewerkschaften und der NUM, den Boykott zu verschärfen, haben nach dem Juli die Menge weiter sinken lassen. Wenn die Lieferungen nun so weiterlaufen und wir weiterhin annehmen, wie es fast alle Kommentare tun, daß fünf Millionen Tonnen der Vorräte unbrauchbar sind, und daß sonst nicht viel passiert, so können wir davon ausgehen, ab Dezember bei Kerzenschein zu tafeln.

Aber so manches wird sicher geschehen. Die Regierung weiß das, was wir eben vorgeführt haben, schließlich selber am besten. Sie rechnet fieberhaft und brütet über Plänen, das Niveau zu halten. Je länger die Nächte werden, desto größer wird die Anziehungskraft anderer Optionen, wie eines schärferen Vorgehens gegen Kohletransport.

Unmittelbare

Streikkosten

Also bloß nicht in die Wettbüros laufen und das letzte Hemd auf November verpfänden. Das von uns gegebene Datum ist weniger eine Vorhersage als ein Index für den Druck, dem sich die Regierung ausgesetzt sieht, und für die Wirksamkeit der Aktionen der NUM.

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Stromabschaltungen sind für die Regierung die Hauptsorge. Aber den Streik selbst durchzuhalten, kostet auch Geld. Der größte Posten sind die zusätzlichen Verlustes der NCB (National Coal Board). Bankkreise kommen auf 34-35 Mio. E die Woche. Der Wechsel von Kohle zu Öl kostet die CEGB wöchentlich 17-18 Mio. £. British Steel verliert wöchentlich 5-8 Mio. & und British Rail 5 Mio. £. Außerdem verliert die Regierung Steuereinnahmen von den Bergleuten, etwa 5-7 Mio. & die Woche, muß jedoch Extra-Sozialhilfe von etwa 1 Mio. £ zugleich rauswerfen. Der Polizeieinsatz kostet wöchentlich etwa 3-5 Mio. £. Die Summe beläuft sich also auf 70-79 Mio. & die Woche oder 4 Mrd. § im Jahr.

Fünfundsiebzig Millionen Pfund in der Woche, das ist mehrals ein Heiermann für jede Frau, jeden Mann, jedes Kind in England. Es entspricht auch der Gesamtheit der Zuschüsse für das Pleiteunternehmen von John Delorean in Nordirland!

Das Herzstück der Wirtschaftspolitık der Regierung — von der Financial Times als die einzige bedeutende Innovation der Thatcher-Regierung dargestellt — ist die sogenannte Medium Term Financial Strategy (MTFS, Mittelfristige Finanzstrategie). Es geht dabei darum, den Unterschied zwischen Haushaltseinnahmen und Haushaltsausgaben einzuebenen. Da Regierungen wissen, dais das In die Zukunft-Projizieren von Einnahmen und Ausgaben ein Würfelspiel ist, haben sie einen Haushaltsposten eingeführt, der sich Zufallsreserve nennt — ein Handgeld für unerwartete Notlagen. Für 1984/85 waren da 2,75 Mrd. & angesetzt. Aber diese Reserve ist schon angeschlagen. Die Regierung zielte auf eine Steigerung der Lohnkosten im öffentlichen Dienst von nur 3 % ab. Aber alle Tarifabschlüsse lagen bei 5% (gerade um die Unterstützung für die Bergarbeiter gering zu halten). Da jeder zusätzliche Prozentpunkt bei diesen Lohnkosten etwa eine Viertel Million & bedeutet, folgt daraus, daß die neuen Lohnabkommen die Zufallsreserve um eine halbe Milliarde fallen lassen.

Die Börsenmakler Simon und Coates überlegen heute so: „Wenn der Bergarbeiterstreik jetzt [31.8.84] enden würde, beliefe sich die Endabrechnung (einschließlich der Kosten der Verweigerung der Überstunden) InPreKorr Nr. 164, extra möglicherweise auf etwa eine Millar- Verlust von 3,5 Mrd. & in einem Jahr. de. Das Schlimme ist jedoch, die Ko- Dem durchschnittlichen männlichen sten steigern sich rasch... jede sub- Industriearbeiter wird es damit um stantielle Verlängerung des Streiks 1,50 { die Woche schlechter gehen, müßte mit Gewißheit ein Umdenken und das zusätzlich zur höheren Steuerforderlich machen." Mit anderen erbelastung. Worten: die für die MTFS veran- Die Arbeitenden werden auch vom schlagten Kosten würden bei weitem Wertverfall des Pfundes getroffen. Es überzogen. kostet Dollars, mehr Öl zu kaufen, Die Demagogie der Tories über ge- um Strom zu produzieren. Zwischen sunde Haushalte und die Übel von März und Mai stieg die Rechnung für regierungsamtlicher Verschwendung Öleinfuhren um etwa 3,5 Mio. £. Das kontrastieren krass mit ihrer Heran- traf die Zahlungsbilanz und damit das gehensweise an diesen Arbeitskampf Vertrauen in das Pfund. Die Regie- Thatcher, die angeblich doch so tür rung antwortete auf den sinkenden Steuersenkungen ist, sitzt diesen Kurs der britischen Währung mit ei- Streik mit drei Pfund die Woche von ner Erhöhung der Zinsen, die dem jedem Steuerzahler aus. Eine Umfra- durchschnittlichen Ratenzahler (bei ge, Glauben Sie, dals es es wert ist, 3 einer 20 000 &-Hypothek oder -Kre- & die Woche auszugeben, um die dit) etwa 40 & im Monat auflasten. Bergleute zu schlagen?' wäre sicher- W omit rechttertigen also die NCB, lich wesentlich interessanter vom Er- die Regierung und die Presse, dais der gebnis her als die derzeitigen. NUM nicht nachgegeben wird? Auf verschiedene Weise.

Und die Zinsen? Zum einen sei der Streik selbstzerstörerisch. Ian McGregor deutete an, der Kampf werde etwa so viele Gru- Der Preis für die Staatskasse ist ben schließen, wie er verlangt habe, da nicht das einzige. Der Börsenmakler sie aufgrund des Fehlens von dauern- Messel schätzt, daß der Streik das den Instandsetzungsarbeiten verfal- Produktionswachstum um einen Pro- len. zentpunkt kürzt. Dies bedeutet den DARFIELD

NUM

COAL NOT DOLE

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InPreKorr Nr. 164, extra MiGre stimacht sichesrimmt Sor. sicherlich. Aber, gen, welche Gruben denn die sind, die am meisten leiden. Die Steigergewerkschaft NACODS weist nach, daß, je besser ausbeutbar eine Grube ist, sie desto mehr zerstört werden wird. Denn je schneller sich die Maschinen entlang der Flöze vorgearbeitet haben, desto eher sind die Stollen für den Einbruch anfällig. Ein zweites Argument ist, von den Steuerzahlern könne nicht erwartet werden, unwirtschaftliche Gruben am Leben zu halten. Diese scheinbar vernünftige Idee steht auf wackligen Füßen. Offiziell belaufen sich die Zuwendungen der NCB aut 500 Mio. 2 im Jahr. Die Kosten des Arbeitkampfs ergeben aufs Jahr umgerechnet das Achtfache dieser Summe. Daß Subventionen überhaupt in dieser Höhe nötig sind, liegt außerdem auch an Thatchers aggressiver Wirtschaftspolitik, seit sie 1979 an die Macht kam. Stünde die Industrie auf dem Niveau von 1979-80 (etwa 15 Millionen Tonnen oberhalb von McGregors augenblicklichem Ziel), so würden die Verluste mehr oder weniger ausgeglichen.

Preispolitik

Das ganze Gerede von unwirtschaftlichen Gruben und Subventionen ist höchst zweifelhaft. Sowohl die Kohlebehörde als auch die Energiebehörde sind, wie der Name schon sagt, in staatlicher Hand. Ihre Gewinne und verluste hängen weitenteils von der Preispolitik der Regierung ab (sie verkauft ja gewissermaßen an sich selbst). Würde die Regierung der CEGB hohere Preise berechnen, stünde die NCB in den schwarzen Zahlen und die CEGB in den roten; damit wäre die heutige Situation umgekehrt.

Die Info-Broschüre der NUM stellt fest: „Zwischen dem ersten Vierteljahr 1982 und 1983 stieg der Kohlepreis für große industrielle Kunden nur um 4,7 %. Der Strompreis stieg um 8,1 %. Wenn der Kohlepreis genau so stark gestiegen ware, wäre der Betriebsverlust der NCB von 97 Mio. & nahezu völlig aus der Bilanz verschwunden."

Eine unwirtschaftliche Grube ist schlicht eine, die für die NCB unprotitabel ist. Die Schleisung einer solchen Grube senkt 1hre Betriebsverluste. Aber sie senkt auch die Kohleproduktion. Menschen, die bis dahin ein gesellschaftlich nützliches Produkt aus der Erde holten, würden auf einmal nichts mehr herstellen. Die ganze Gesellschaft, und nicht nur die entlassenen Bergleute, würde verlieren.

Die NCBschätzt die Verluste aus den am wenigsten effizient produzierenden Gruben, 12 % der Gesamtproduktion, auf 275 Mio. £ für 1982-83 (etwa die Hälfte aller Verluste). Die Schließung dieser Gruben würde 40 000 Bergleute auf die Straße setzen, und es wird geschätzt, dals weitere 35 000 ım Getolge mit der Leit auch ihre Arbeitsplätze verlieren würden, weil der Konsum der Bergarbeiterfamilien sinken würde. Ein Arbeitsloser kostet die Regierung 6000 & an verlorenen Steuern und höheren Sozialausgaben. Wenn also die wichtigsten verlust erwirtschaftenden Gruben geschlossen würden, so käme das den Staatshaushalt auf 450 Mio. £ zu stehen — nahezu das Doppelte der NCB-Verluste.

Die langfristigen Pläne der Regierung laufen auf die Beseitigung von wesentlich mehr als den genannten 40 000 hinaus, geschweige denn McGregors 20 000. Die Rechtfertigung seien die zukünftigen relativen Kosten unterschiedlicher Energiequellen. Aber das ist nur ein Ratespiel. Die Ölpreissteigerungen von 1973-74 und 1978-79 warfen alles durcheinander. Und das frühere Gerede vom billigen Atomstrom brach mit den langen Verzögerungen und den ständig wachsenden Sorgen über die Sicherheit in sich zusammen denn beides kostet Geld

Schon viele Regierungen haben sich bis heute ihre Finger an der Energiepolitik verbrannt. Die NCB hat schon unwirtschaftliche Gruben geschlossen und später unter unverhältnismäßig höheren Kosten wiedereröffnen müssen, als die Ölpreise anzogen. Wahrend also die Energiepreise der Zukuntt ım Dunkeln liegen, scheint auf der anderen Seite Scargills Behauptung zu stimmen, daß die britische die billigste Kohle der Welt ist, die nicht im Tagebau getördert wird, wenn die Transportkosten korrekterweise mit eingerechnet werden.

Im New Statesman wurde dies auf der Grundlage von Daten der Shell Coal International im Detail überfrüft: „...wenn aber die Frachtkosten nach Europa miteinbezogen werden, schneidet nur Südafrika besser als Britannien ab. Sobald die Schiffstransferkosten von 9 & pro Tonne herüber von den großen europäischen Häfen Rotterdam und Antwerpen mitberechnet werden, dann sieht die britische Kohle doch recht konkurrenzfähig aus."

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Worum geht es also?

Warum ist Thatcher dann so begierig darauf, diese Branche zu vernichten? Ein Ziel ist es, den britischen Bergbau auf einige wenige kapitalintensive, hoch produktive Gruben zu reduzieren, die dann erfolgreich re- Strategie den Verlust von 100 000 Arbeitsplätzen bis März 1988 bedeuten würde.

Ein anderes Motiv ist der Drang, der Atomenergie den Vorrang zu geben. Zum Teil ist dies auf den Druck der mächtigen Lobby des multinationalen Atomkapitals zurückzuführen. Am wichtigsten scheint jedoch der Wunsch zu sein, die NUM für immer und ewig zu zerschlagen. Ein an die Offentlichkeit gelangtes Kabinettsprotokoll von 1979 sagt: „Eın Nuklearprogramm hätte den Vorteil, einen nennenswerten Anteil der Stromerzeugung der Störaktivität der Bergarbeiter und Transportarbeiter zu entziehen."

Die NUM ist schon immer der gesellschaftliche Feind Nummer eins für die Tories gewesen. Der Bergarbeiterstreik von 1972 beseitigte Heaths Lohnleitlinienpolitik. 15 000 Bergleute aus Yorkshire und Metaller aus Mittelengland konnten mittels der schlagkräftigsten Massenstreikpostenaktion der Nachkriegsgeschichte das Saltley Coke Depot in Birmingham blockieren. Und der Bergarbeiterstreik von 1974 brachte die Regierung Heath zu Fall - das erste Mal, daß in der britischen Geschichte so etwas geschehen ist.

Die Tories werteten diese Niederlagen nachträglich aus und empfahlen eine strategische Herangehensweise für die Zukunft. Die Financial Times erinnerte ihre Leser letztens daran: Der Ridley-Plan empfahl, daß eine Tory-Regierung sich darauf einstellen sollte, die großen Gewerkschaften wie die der Bergleute nur nach mehreren Jahren sorgtältiger Vorbereitung anzugehen... Es müßte eine große und bewegliche Polizeischwadron geben, die darauf vorbereitet und dazu ausgerüstet ist, das Gesetz gegenüber gewalttätigen Streikposten durchzusetzen. Gute nicht gewerkschaftlich organisierte Fahrer sollten eingestellt werden, die unter Polizeischutz Streikpostenketten durchbrechen können." Dieser Bericht ist genau das, was Thatcher umsetzte. 1981 zuckten die Tories vor einer Konfrontation mit der NUM zurück, als die NCB engere Finanzvorgaben der Regierung mit der Ankündigung beantwortete, 30 000 Arbeitsplätze hätten zu verschwinden. Die NUM bereitete eine Urabstimmung vor, und die Bergleute von Wales traten schon in den Streik. Die NCB zog daraufhin die Schließung von 23 Gruben zurück, und der Staatssekretär für Energiewesen versprach, weniger Kohle zu importieren und zu sehen, ob die NCB mehr Geld kriegen könnte.

InPreKorr Nr. 164, extra Die Regierung fühlte sich nicht stark genug, die NUM anzupacken - bis zum Sommer 1983. Die Ernennung McGregors setzte ein Zeichen, daß eine Offensive im Anrollen ist. Der Economist vom 12.4.84: „Als Thatcher Ian McGregor zum Vorsitzenden der NCB ernannte, war dies ein Mandat, Gruben zu schließen." Nachdem sie sich nun einmal für die Konfrontation entschieden hat, ist Thatcher auch bereit die MTFS fallenzulassen, Hunderttausende in die Schlangen vor den Arbeitsämtern einzureihen und den Gegenwert des Deloreanschen Kapitals wöchentlich dem Fonds der Steuerzahler zu entnehmen, um die NUM zu zerschlagen. Ihr Erfolg ist dabei nicht garantiert.

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InPreKorr Nr. 164. extra Internationale Solidarität ...Südafrika...

Die unabhängige nicht-rassische Federation of South African Trade Unions (FOSATU) gab folgende Unterstützungserklärung für die britischen Berleute heraus: An Arthur Scargill, NUM, von Joe Foster, FOSATU! Die Federation of South African Trade Unions unterstützt die NUM in ihrem Kampf gegen Grubenschließungen aus vollstem Herzen. Wenn wir im nächsten Jahr eine umfassendere unabhängige südafrikanische Gewerkschaftsföderation gegründet haben werden, dann werden wir in der Zukunft auch die Möglichkeit haben, konkretere Unterstützung anzubieten.

Der Kampf um das Recht auf Arbeit wird von südafrikanischen Arbeitern besonders gut verstanden und von unserer Gewerkschaft voll unterstützt. Wir glauben, Euer Sieg wäre ein wichtiger Schritt vorwärts für den weltweiten Kampf um sichere Arbeitsplätze und eine vernünftige Gesellschaft. Amandla! [Vorwärts!] ...Indien...

Die Bank Employees Federation of India (BEFI, Bankangestellte) rief ihre Ortsvereine dazu auf, Lebensmittel für die Bergleute zu sammeln, darunter Fleischkonserven, Fisch, Marmelade und Trockenfrüchte.

In einem Brief an die NUM schrieb sie: Der Kampf, soweit wir ihn von hier aus beurteilen können, ist eine Auseinandersetzung zwischen der Regierung, die die ausbeuterischen Klassen vertritt, und der Arbeiterklasse in der Revolte, die ihre Klasseninteressen schützen will. Das legt uns nahe, uns der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse anzuschließen, die sich mit den britischen Bergleuten entwickelt hat, denn wir wollen einen Sieg in ihrer heroischen Schlacht ...Brasilien...

Der erste Kongreß der Central Unica dos Trabalbadores (CUT) nahm folgende Resolution an:

„Auf diesem ersten Kongreß erklärt die brasilianische CUT ihre volle Solidarität mit dem Kampf der 150 000 Brüder und Schwestern, den britischen Bergleuten, die schon seit 168 Tagen im Streik gegen die Zerstörung ihrer Industrie, ihrer Arbeitsplätze und ihrer Gemeinden durch die konservative Regierung von Frau Thatcher stehen. So wie auch in ihrer Aggression gegen das argentinische Volk und in ihrem Nichtstun angesichts des Hungerstreiks der irischen Nationalisten zeigt sich die Regierung auch hier bereit, auf die brutalsten Methoden zurückzugreifen in dem Versuch, die kapitalistischen und imperialistischen Interessen zu verteidigen, die sie vertritt...

Wir brasilianischen Arbeiter sind mit dieser Art von Repression — und mit Schlimmerem — gut bekannt. Oft wurde sie in Verteidigung der gleichen Interessen gegen uns ausgeübt, darunter derer der britischen Multis, die in Brasilien operieren.

Wir wissen, daß für unsere Brüder, die Bergleute, und andere Gewerkschafter/innen, die sie unterstützen, diese Kontrontation entscheidend ist, möglicherweise auf Jahre hinaus die Zukunft der britischen Arbeiterbewegung, und gar des britischen Imperialismus selbst, festlegt. In diesem Kampf haben wir mit den britischen Bergleuten gemeinsame Interessen. Wir geben unsere volle Unterstützung und wünschen ihnen jeden Erfolg

Hoch die internationale Solidarität!"

Sao Paulo, 28. August 1984 ...Nikaragua...

Die Arbeiter der Goldmine El Limon in der Provinz Leon sandten der NUM eine Solidaritätserklärung, die über die britische Solidaritätsbewegung mit Nikaragua veröffentlicht wurde. Die Goldbergarbeiter gehören zur Sandinistischen Gewerkschaft.

„Liebe Genossen!

Einen revolutionären sandinistischen Gruß von den Bergarbeitern Nikaraguas!

Durch diesen Brief wollen wir, die Bergleute von Nikaragua, Euch unserer Solidarität mit dem Kampf versichern, den ihr in Eurem Land führt, um Gewerkschaftsdemokratie zu erreichen, damit ihr Euren Kampf durchstehen könnt, ohne unterdrückt zu werden. Brüder, wir möchten Euch sagen, verliert nicht den Mut. Recht und Vernunft werden am Ende obsiegen, wenn hinter ihnen eine Willenskraft steckt, die so stark ist wie die Eure.

Wir wissen, daß Ihr gegen reaktionäres Bewußtsein und Rechte angeht, die von der Eisernen Frau Margaret Thatcher geführt werden, aber Euer Kampf ist gerecht, und gerecht zu sein heißt zu siegen, sowie auch die reaktionären Strukturen des Kapitalismus von den unkontrollierbaren Kräften der revolutionären und progressiven Ideen der organisierten und bewußten Arbeiterklasse hinweggefegt werden, die von ihren besten Söhnen geführt wird. Vorwärts, Bruder britischer Bergarbeiter, Deine Brüder in Nikaragua unterstützen Deinen gerechten Kampf. Ein Kampf, der lang, grausam und voller Opfer sein wird, aber wir sagen allen: ,Der Kampf geht weiter, der Sieg ist sicher!", ,Freies Land oder Tod!'" Enoc Castellion

Gewerkschaft der Bergarbeiter

Grube El Limon

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...Polen...

InPreKorr Nr. 164, extra