Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Augenzeugenbericht aus Quebec

Wie die Arbeiter Sept-Isles regierten

Inprekorr Nr. 16, 15. Juni 1972 · S. 7-8 · 1.042 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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In dieser kleinen, in Sand und Felsen eingebetteten Stadt treffen mit wertvollen Mineralien beladene Güterzüge auf die riesiger "chiffe, die die Erze weit wegtransportieren zur Verarbei tung. Jetzt symbolisiert die Stadt die massive Revolte der Arbeiter von Quebec gegen die Inhaftierung ihrer drei wichtigsten Führer.

Quebecs nationale Ausbeutung wird in Sept-Isles deutlich sichtbar: eine sehr dünne Schicht englischer Familien, die in den vorne amsten Stadtteilen wohnen, stellt die oberste Verwaltung de Erzminengesellschaften, deren Besitzer tausende von Meilen weg in Toronto oder New York wohnen. Während annähernd 100 % der Arbeiter französischsprachig sind, sind die Gesellschaften durchweg englisch. Seit den frühen 60er Jahren machte diese Kombination aus stark proletarischer Zusammensetzung, einem hohen Grad gewerkschaftlicher Organisiertheit und der allgegenwärtigen nationalen Ausbeutung Sept-Isles zu einem Zentrum französisch-nationalistischer Agitation.

Im Mai 1972 kontrollierten und führten die Arbeiter 2 Tage lang diese 20 000 Einwohner zählende Stadt. Die Arbeit wurde ganz niedergelegt. Alle Läden waren geschlossen, außer denen, die von den Streikenden die Erlaubnis hatten, offen zu halten. Die Stadt wurde mit Erfolg vor außen abgeschnitten: auf der Straße wurden Barrikaden errichtet, der Flughafen war geschlosser: die Telephonverbindung war für eine zeitlang unterbrochen. Der Bürgermeister und das Stadtparlament waren machtlos und konnten nur den Forderungen der Bewegung nachgeben. "Eine Reihe von uns waren am 9. Mai in Quebec City gewesen, um unsere drei Gewerkschaftsführer (Pepin, Charbonneau und Laberge) zum Gefängnis zu begleiten.

stagabend rechtzeitig zurück, um an einer großen Versammlung aul erhalb des Gerichtsgebäudes * erzählte mir Velmore Trembley. Er ist Führungsmitglied der "Internationalen Vereinigung der Maschinisten'* ( Arbeiterbund Quebec) und ein Führer des Koordinationsausschusses der Gewerkschaften, der Gemeinsamen Front.

"Einige Sprecher rie fen zum Generalstreik für den nächsten Tag auf, und gegen Ende der Versammlung griff die Polizei uns an. Einige wurden verhaftet, viele verletzt." Der Angriff der Polizei verstärkte nur noch den Zorn der Arbeiter, den sie wegen der Inhaftierung ihrer drei Führer hatten. sie Louis Laberge wie einen Verbrecher ins Gefängnis werfen können, dann können sie das mit " sagte ein Gewerkschafter, ein stämmiger Bauarbeiter, den Tränen nahe. Bruno Girovard, führendes Mitglied bei der Nationalen Baugewerkschaft, die der CSN ( Vereini gung der nationalen Gewerkschaften) angeschlossen ist, schilderte, was dann passierte: "Am nächsten Morgen war die ganze Stadt geschlossen: die Bergwerke, die Fabriken, die Schulen, die Büros, die Baustellen, einfach alles. Die Streikenden zogen durch die Straßen, von Geschi zu Geschäft, und bate, sie zu schließen, Und ihren Bitten wurde entsprochen. Es gab wenig Zwischenfälle. Alle Geschäfte, die zu einem Konzern gehören, waren geschlossen, aber die kleinen Lebensmittelgeschäfte an der Ecke und andere lebenswichtige Betriebe durften geöffnel Währenddessen übernahm um ca. 10 Uhr morgens eine Gruppe Streikender die Radiosendestatic Die regulären Programme blieben, aber die Streikenden besetzten den Sender, um sicherzuste len, daß alle Stellungnahmen der Streikenden ausgestrahlt würden. In einer Stadt wie der uns ren ist das Radio: ein wichtiges Kommunikationsmittel - wir haben keine Tageszeitungen, und unser einziges Fernsehprogramm kommt von der anderen Seite des St. Lawrence River, aus Matane. Ungefähr zur selben Zeit baute ein anderer Arbeiterstoßtrupp Barrikaden aus Lastwager S. 7

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•a Dessen ober die einzige große Straße in die Stadt. Sie schiossen den ri für ein paar Stunden die Telephonleitungen. Der ganze Ort war von der Aui en Die Streikenden konnten genügend Zeit gewinnen, um der Bevölkerung zu stadt unter ihrer Kontrolle war. Das bewirkte einen schweren Schock bei de und Vertretern der großen Bergwerksgesellschaften, die sich mindestens eini Arbeitern ausgeliefert fühlten. Diese Panik bei den Bossen führte zu einer e Während einer öffentlichen Versamm ng fuhr ein Anhänger der 'Liberal Par gen in die Menge. Mehr als 20 Personen wurden verletzt, viele schwer, eir erlag der 22jährige Labortechniker Hermain St. Gelais seinen Verletzungen. Am nächsten Morgen, Donnerstag den 11. Mai, war die Stimmung auf der / gespannt, an der 5000 Menschen ieilnahmen, fast die Hälfte der erwachsen Streik dauerte an. Weiter wurde beschlossen, vom Stadtparlament die Unte gung zu fordern. Am Abend drangen die Arbeiter ins Rathaus ein und erzwar einer Sondersitzung. Der Bürgermeister und die Abgeordneten mußten wohl geben. In einem mit Streikenden und Sympathisierenden überfüllten Saal w Forderungen an den Premier von Quebec, Robert Bourassa zu richten, er sol das den Straik der Bediensteten im Offentlichen Sektor unterband, sowie da gegen die Bauarbeiter gerichtet war, annullieren und alle inhaftierten Gew Freisetzen. Man kam über ein, daß die Gemeinsame Front Freien Zugang z ben solle, wie auch jede andere Bewegung, die den Sender benutzer wolle meister rief alle Geschäfte auf zu schließen, um unnötiges Blutvergießen Gewerkschaften und das Stadtparlament beschlossen jedoch, die Apotheken, die Kreditbüros und Banken und die Tankstellen geöffnet zu lassen. In den Händen der Arbeiter verlief das Leben in der Stadt verhältnismäßig r Aber in der Zwischenzeit hatte die Regierung von Quebec einige hundert La die Stadt geschickt, mithilfe kanadischer Armeeflugzeuge. Sie setzten Raup um die Barrikaden niederzuwalzen, so deß weitere Polizeiverstärkung hine Am Freitag 10. Mai waren etwa 600 Polizisten in dem Gebiet, fünfzehnmal lerweise. Sie waren nicht untätig. Die Streikenden wurden aus der Radiost kannte militante Gewerkschafter wurden wiederholt durchsucht und auf offer Mehr als 100 Gewerkschafter und Sympathisanten wurden wegen geringfügi über das Wochenende verhaftet.

Derart gestärkt ergriffen die Bosse die Initiative. Der Bürgermeister zog sei zurück, traf mit der Wirtschaftskammer zusammen, verurteilte die Gewerksc Radio und rief die Geschäftsinhaber auf, ihre Läden zu öffnen. Einige tater stag. Der Sportpalast, der bis dahin von der Gemeinsamen Front als Massen für bis zu 5000 Personen benutzt worden war, wurde von der Stadt geschlos hatten keinen anderen Saal, der mehr als 400 Personen faßte. Ohne Radion halle waren sie geknebelt und konnten den Bossen nicht entgegentreten. Fi ge der Oberschicht versammelten sich im vornehmsten Hotel, wo sie die Ank tigsten Firmen hörten, am Montag den Betrieb wieder aufzunehmen. Tatsäc Montag viele Arbeiter wieder an ihrem Arbeitsplatz, und am Mittwoch 17. M me Front einen Aufruf zur Beendigung des Streiks heraus. Die Zurückkehrenden fühlten sich jedoch nicht besiegt. Ich nahm an der letz der Gemeinsamen Front teil, am 17. Mai. Die Streikenden waren zwar der Wiederaufnahme der Arbeit geboten sei, hatten aber gleichzeitig etwas gew sprechen, daß die drei Gewerkschaftsführer freigelassen und neue Verhandlu Gewerkschafts - Bill 19 aufgenommen würden. "Wir sind nicht geschlagen' (Art Young. Aus LABOR CHALLENGE