Das Folgende ist der Text einer Deklaration der Kommunistischen Partei und der Regierung
Kubas, die am 20. Oktober von Radio Havana ausgestrahlt wurde. Sie wurde von unserer amerikanischen Schwesterpublikation Intercontinental
Press mitgeschrieben und übersetzt und erschier dann in der Nr. 21 vom 7.11.
Wie jetzt völlig offensichtlich ist, Nur einige Tage später, am Mitrhat es seit einigen Wochen, wenn woch, dem 12., berichtete unsere Botnicht gar seit Monaten, einen sich schaft in Grenada die überraschende entfaltenden tiefgehenden Konflikt und noch zweifelhafte Meldung, daß in der herrschenden Partei Grenadas im Zentralkomitee der Partei in Greund seiner Führung gegeben. nada tiefe Spaltungen an die Oberflä- Als der wichtigste Führer der Par- che gelangt seien. tei und Premierminister Grenadas, Am Morgen des Tages machte Bis- Maurice Bishop. von Donnerstag- hop selber der Botschaft bezüglich abend, dem 6. Oktober, bis Samstag der schon seit einiger Zeit schwelenmorgen, dem 8., nach offiziellen Besu- den Differenzen Mitteilung. Ersagte, chen in Ungarn und der Tschecho- daß sie diskutiert worden waren und slowakei für kurze 36 Stunden hier in Anstrengungen unternommen wor- Kuba verweilte, machte er in semen den seien, sie zu lösen, aber sich nie Gesprächen mit Fidel Castro und vorgestellt hätte, daf sie in seiner anderen kubanischen Führern nicht Abwesenheit eine solche Schärfe die leisesten Andeutungen über die annehmen könnten. Er stellte nur die ernsten Debatten und Differenzen, Differenzen fest und bat nicht um die es gerade innerhalb des New Jewel irgendeine Meinung oder Kooperagab, unter welchem Namen die füh- tion unsererseits bei der Überwinrende Partei seines Landes bekannt dung der Probleme; so zeigte er noch ist. Auf diese Weise erbrachteereinen einmal seinen Respekt vor Kubas großen Beweis seiner Würde und sei- internationaler Politik und für die nes Respekts für seine eigene Partei inneren Angelegenheiten seiner und für Kuba. Partei.
Während des Nachmittags wurde Die Themen der Unterhaltung bekannt, daß Bishops Gegnerim Zenbewegten sich um die Zusammenar- tralkomitee der Partei eine Mehrheit beit Kubas mit Grenada, die Bemü- erlangt hatten, ebenso im politischen hungen um Zusammenarbeit seitens Apparat der Armee und der Sicherder grenadischen Delegation in heitskrätte, Bishop von seinem Amt Ungarn und der Tschechoslowakei, in der Parteientfernt und unter Hausmit deren Ergebnis sie im ganzen arrest gestellt worden sei. zufrieden war, und andere internatio- Da dies ein rein internes Problem nale Themen. war, und trotz unserer Freundschaft mit Bishop und unserem Vertrauen in Am Freitag, dem 7., Begleitete seine Integrität und seine Führungs- Fidel Bishop auf eine Rundreise zu qualitäten, instruierte die kubanische wichtigen Einrichtungen, die in Cien- Regierung und Partei unsere Repräfuegos in Bau sind, und zeigte ihm den sentanten in Grenada, daß sie, in Fortschritt der Entwicklungspläne Übereinstimmung mit den Prinziund die hohe Qualifikation unserer pien und Normen Kubas internatio- Arbeiter, mit denen beide Führer naler Politik, sich absolut davon lange Gespräche führten. zurückhalten sollten, sich in die inne-
ARENADA lulschon.
ren Angelegenheiten der Partei und des Landes einzumischen.
Während der folgenden Tage kamen laufend Nachrichten herein über die Positionen und Argumente der beiden Seiten des Konflikts. Unserer Meinung nach ging es nicht un prinzipielle Differenzen, sondern um personliche konflikte und Vorstellungen von Führungsmethoden, denen es nicht an weiteren subjektiven Faktoren mangelte.
Am Samstag. dem 15. sandte Genosse Fidel eine Botschaft an das Zentralkomitee des New Jewel Movements, die in voller Deutlichkeit Kubas Haltung ausdrückte. die vom Prinzip absoluten Heraushaltens aus den inneren Angelegenheiten ciner Partei oder eines Landes geleitet ist. Zugleich gab er seiner Sorge Ausdruck, daß die aufgekommene Spaltung dem Bild des revolutionären Prozesses sowohl innerhalb als auch wo Bishop hoch geschätzt wird, wäre gesnichtleicht, die Tatsachenzuerklären. Der Hoffnung wurde Ausdruck gegeben, die Schwierigkeiten hönnten mit dem größten Nab an Weisheit. Ernsthattigkent. Loyaltat gegenüber Prinzipien und Grobszügig keit überwunden werden.
Im Grunde mache sich Kuba vor allem Sorgen darum, dats die Ereignisse nicht den Charakter gewaltsamer und blutiger Konfrontation annehmen sollten. Fidelhielt in seiner Botschaft auch fest. Kubas Zusammenarbeit würde aufrechterhalten. da diese ein Engagement für des Volk von Grenada sei. unabhängig von der Paten ce hinder dasinh um eine rein interne Sache handele. Einige weitere Tage blieb die Lage noch in der Schwebe. Einige Momente lang schien es, daß eine ehrenvolle, intelligente und friedliche Lösung zustandekommen würde. Es war klar, daß das Volk zu Bishop stand und nach seiner Anwesenheit rief.
Die westliche Presse brachte alle nur möglichen Spekulationen vor. Wir sagten kein Wort, um zu vermeiden, daß sogar unsere Statements. angesichts unserer engen, weitgehenden und brüderlichen Beziehungen mit diesem Schwesterland, als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten erschienen sein könnten. Auf dieses Weise sind wir sehr rigoros den inneren Angelegenheiten von Bruderparteien und - ländern gefolgt. Gestern, am 19. Oktober, begannen uns die Nachrichtenzuerreichen, daß die Arbeiter in Streik getreten waren und das Volk auf die Straße zur Unterstützung Bishops ging. In einer massiven Demonstration kamen sie zu seinem Wohnsitz und befreiten ihn vom Hausarrest.
Es scheint — die Berichte sind immer noch ungenau — daß eine Militäremrichtung vom Volk besetzt wurde. Die Armee sandte Mannschaften in dieses Gebiet. Es heilst. die Armee habe das Feuerauf die Demonstranten eröffnet und Tote und Verwundete verursacht, sie habe die Einrichtung zurückerobert und zahlreiche Personen festgenommen. Von Bishops Schicksal und dem der Führer, die mit ihm waren, gab es keine Nachricht.
Am Nachmittag wurde der dramatische Ausgang bekannt. Ein offizielles Kommuniqué gab den Tod von Premierminister Maurice Bishop. von Außenminister Unison Whiteman. von Bildungsministerin Jacqueline Creft. vom Vizepräsident der (iewerkschaftsföderation Grenadas Vincent Noel. von Wohnungsbaumnister Norris Bain und vom Generalsekretär der landarbeitergewerkschaft Fitzroy Bain bekannt. Es ist noch nicht möglich, den tatsächlichen Hergang des Todes von Bishop und den anderen Führernfestzustellen. Bishop gehörte zu den politischen Führern, die sich unter unserem Volk größter Sympathie und Hochachtung erfreuen, wegen seines Talents, seiner Bescheidenheit, seiner revolutionären Ernsthaftigkeit und Ehrenhaftigkeit und wegen seiner erwiesenen Freundschaft für unser Land. Daneben besaß er auch international großes Prestige. Die Nachricht von seinem Tode hat die Führung unserer Partei aufgewühit. und wir zollen seinem Andenken den höchsten Tribut.
Es ist höchst unglücklich, dats die Differenzen unter den grenadischen Revolutionären sich in dieses blutige Drama steigerten. Keine Doktrin. kein Prinzip, kein Standpunkt, der für revolutionär gehalten wird. unci keine internen Spannungen rechtfertigen ein solch schändliches Vorgehen wie die physische Elmumerung Bishops und der herausragenden Gruppe ehrenhafter und achtungswürdiger Führer, wie se gestern ermordet wurden. Der Tod Bishops und seiner Genossen muts aufgeklärt werden, und falls sie kaltblütig hingerichtet worden sein sollten, verdienen es die Schuldigen, aut exemplarische Weise bestraft zu werden.
Maurice Bishop and Fidel Castro in Havana last July. unseren Prinzipien der Achtung vor
Der Imperialismus wird jetzt versuchen, sich diese Tragödie zunutze zu machen, und die schweren, von den grenadischen Revolutionären begangenen Fehler, um den revolutionären Prozels beiseite zu fegen und Grenada aufs neue neokolonialer und imperialistischer Beherrschung auszusetzen. Die Lage ist schwierig und verwickelt. Nur ein Wunder an Vernunft, Gleichmut und Weisheit seitens der grenadischen Revolutionäre und an Ernsthaftigkeit in Reaktion und Antwort der internationalen fortschrittlichen Bewegung kann den Prozeß noch retten.
Es dürfen keine Schritte unternommen werden, die dem Imperialismus bei seinen behilflich sein könnten. Auf Grenada arbeiten viele kubanische Ärzte, Lehrer, Techniker aller Art und hunderte Bauarbeiter und leisten wesentliche Dienste für das Volk und für wichtige Projekte der wirtschaftlichen Entwicklung. Obwohl über die Ereignisse tief verbittert, werden sie keine voreiligen Schritte unternehmen bezüglich der technischen und ökonomischen Zusammenarbeit, die wichtige Dienstleistungen oder für das Volk Grenadas lebenswichtige wirtschaftliche Interessen beeinträchtigen könnten, denn für das Volk empfinden wiraufrichtige Bewunderung und Zuneigung.
Nach dem tragischen Ergebnis des gestrigen Tages werden wir die folgende Entwicklung genau verfolgen. Wir werden das strikte Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Grenadas aufrechterhalten und wir werden vor allem das Interesse des grenadischen Volkes an wirtschaftlicher und technischer Zusammenarbeit in Rechnung ziehen, soweit dies in der neuen Situation möglich ist. Aber unsere politischen Beziehungen zu den neuen Figuren in der grenadischen Führung müssen ernsthafter und gründlicher Analyse unterzogen werden. Nichtsdestoweniger, wird der revolutionäre Prozeß auf Grenada aufrechterhalten, werden wir tun, was wir können, um ihm zu helfen. Laßt uns hoffen, daß die schmerzlichen Ereignisse, die stattgefunden haben, alle Revolutionäre auf Greada und in der ganzen Welt veranlassen möeen, tief darüber nachzudenken, und daß fürderhin das Konzept vorherrschen möge, kein Verbrechen darf im Namen der Revolution und der Freiheit begangen werden. InPreKorr, Nr.7S8, 10.1/.83 BRENADA Die Ereignisse vor der