Salvador: Zum Tode von Comandante Marcial von Jean-Pierre Beauvais
Leuten ihrer eigenen Organisation, der FPL, deren Führerin sie Zwei der wichtigsten Führer der FMLN, die Kommandanten Marcial und Ana Maria, sind tot. Beide starben nicht im Kampf, in war, ermordet worden ist. Die Mörder wurden gefaßt, und als Co- Marcial und Ana Maria, sind tot. Beide starben nicht im Kampf, in war, ermordet worden ist. Die Mörder wurden gefaßt, und als Comandante Marcial, der oberste Kommandant der FAPL, der verei- El Salvador, sondern in Managua (Nicaragua), wo sie sich vorübernigten Streitkräfte des Widerstands, die unzweifelhafte Wahrheit gehend aufhielten. Das nicaraguanische Außenministerium gab am 20. April bekannt, daß Comandante Ana Maria am 6. April von erfuhr, verübte er am 12. April Selbstmord. 20. April bekannt, daß Comandante Ana Maria am 6. April von erfuhr, verübte er am 12. April Selbstmord. Der tragische Tod von Salvador Cayetano, dem »Comandante Marcial«, einige Tage nach dem Tode seiner Vertreterin »Ana Maria«, stellt in jeglicher Hinsicht cinen sehr harten Schlag für die Widerstandskämpfer von Salvador dar. Marcial war nicht nur der Gründer und Führer der FPL (Fuerzas Populares de Liberacion), der stärksten Organisation innerhalb der FMLN (Frente Farabundo Marti de Liberacion Nacional). Er war der Bekannteste und vor allem der Beliebteste unter den salvadorianischen Revolutionären. »Meine Schule des Klassenkampfes, das war die Kombattivität, der elementare Kampf. Es gab kein Arbeitsgesetz und keine Arbeitsbestimmungen. Alles mußte mit Gewalt durchgesetzt werden. Jedes der Gesetze zum Aufbau der Gewerkschaftsbewegung mußte den Unternehmern und der Regierung durch Kampf, durch die Gewalt der Massen und die Einheit aller Berufe entrissen werden«, erklärte er noch kürzlich der Journalistin Martha Harnecker. Er wurde kurz nach dem ersten Weltkrieg geboren, gehörte also nicht zur gleichen Generation wie die meisten seiner Kampfgenossen. Er war noch fast ein Kind, als er den Bauern- und Massenaufstand von 1932 miterlebte, den die Oligarchie von El Salvador mit Unterstützung der Vereinigten Staaten mit dem Preis von Zehntausenden von Toten niederschlug. Als Backergeselle gründete er Ende der dreißiger Jahre die erste Gewerkschaft in diesem Berufszweig. 1947 war er schon zu einer zentralen Figur der jungen Arbeiterbewegung seines Landes geworden, als der in die Kommunistische Partei Salvadors eintrat. Später wurde er deren Generalsekretär, ohne deshalb auf seine gewerkschaftliche Arbeit zu verzichten.
»DIE REVOLUTION WIRD SOZIALI- STISCH SEIN, ODER ES WIRD GAR
KEINE REVOLUTION GEBEN«
Der Sieg der kubanischen Revolution (1959) und die Erfolge der vietnamesischen Kämpfe sollten ihn dann entscheidend beeinflussen. Er gelangte zur Überzeugung, daß jede Strategie, bei der die Aktion der Arbeiter- und Massenorganisationen von einem Bündnis mit der Bourgeoisie, und wenn diese noch so »liberal« und »demokratische ist, zum Fehlschlag führen muß. »Die salvadorianische Revolution wird sozialistisch sein, oder es wird keine Revolulion geben«, schrieb er nach dem berühmten Satz von Che Guevara über den Charakter der lateinamerikanischen Revolution. Gemaß dieser Linie tritt er für »die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes«ein.
Als er innerhalb der Kommunistischen Partei Salvadors in Minderheit gerät durch Kreise, welche direkter mit der Sowjetunion in Verbindung stehen, und eine richtige Diskussion innerhalb der Partei unterbunden wird, bricht er mit ihr, zusammen mit einem starken Kern von Kadern, vor allem Gewerkschaftsfunktionären. Mit diesen gründet er im Jahre 1970 die FPL. Diese Umstände trugen erheblich dazu bei, daß diese Organisation, die sich als »politischmilitärisch« verstand, bald ziemlich Einfluß bei den ausgebeuteten Massen gewann. Der Lebenslauf von Salvador Cayetano Carpio ist vielleicht nicht außergewöhnlich, aber er ist beispielhaft; ein halbes Jahrhundert Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung finden wir darin wieder. Er verschwindet zu einer Zeit, wo die Kräfte der FMLN auf dem Kampffeld seit Monaten Punkte machen können gegenüber den Truppen der Diktatur, die aufgrund der Spaltungen ihrer Chefs ziemlich demoralisiert sind. Zu einer Zeit aber auch, wo der Imperialismus zusätzliche Mittel einsetzt, um den Fortschritt der Revolution aufzuhalten. Da man mit neuen schwierigen politischen und militärischen Situationen und Entscheidungen rechnen muß, entsteht durch seinen Tod ein erhebliches Va- - kuum innerhalb der FPL und der FMLN. Noch verhängnisvoller aber können sich die Umstände erweisen, unter denen er und »Comandante Ana Maria« starben. DIE EINHEIT WAHREN UND VERTIE- FEN »Die Ermordung von unserer Comandante Ana Maria wurde von Marcelo (Deckname) geplant und ausgeführt, der zu dieser Zeit der zentralen Befehlsgewalt der FPL angehörte. Er hat damit den Manõvern der CIA in die Hände gespielt. (...) Mit dieser Tat, die Hochverrat ist, wollte er seine Haßgefühle kühlen und die ideologischen und politischen Meinungsverschiedenheiten mit der Genossin Ana Maria losen.« Im offiziellen Communiqué der FPL in Salvador steht eindeutig: das tragische Ende von Ana Maria, also auch das von Salvador Cayetano Carpio, ist auf interne Gründe der FPL zurückzuführen. Darüber nun Spekulationen anzustellen, solange man nicht über genauere Informationen verfügt, insbesondere um was für »ideologische und politische Meinungsverschiedenheiten« es sich handelte, ist nutzlos. Und unverantwortlich wäre es, von aussen vorschnelle Schlußfolgerungen zu ziehen. Diese Fragen zu klären, ist in erster Linie Aufgabe der Kämpfer von FPL und FMLN. Im eigenen Interesse, im Interesse des salvadorianischen Volkes und im Interesse all derer, die sich für die Solidarität ihres Kampfes mobilisieren.
Die wichtigste und unbestreitbare Tatsache bleibt, daß damit eine sehr schwere Krise innerhalb der Organisation, welche den wichtigsten Bestandteil der FMLN ausmacht, ausgebrochen ist. Eine Krise, die sicher nicht erst seit gestern schwelt, und deren weiterer Verlauf angesichts der Umstände, unter denen sie offen wurde, nicht gerade leicht zu meistern sein wird. Zu den Umständen gehört aber auch ein Bürgerkrieg, in dem trotz groß angelegter und intensiver Zusammenstöße und trotz hoher Kosten an Menschenleben seit zwei oder drei Jahren sich das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Lagern nicht dauerhaft und entscheidend veränderte. Schließlich spielt eine Rolle, daß die Organisationen, welche sich voll dem Kampf verschrieben haben, über keine Tradition demokratischer Diskussionen verfügen, aber angesichts der Strategie des Imperialismus besonders schwierige Fragen der Orientierung und der Taktik zu lösen haben.
Vorerst jedenfalls, wo zwischen den verschiedenen Komponenten der FMLN Meinungsverschiedenheiten existieren über die Bedeutung, die man den Versuchen, einen eventuellen Verhandlungsprozeß in-