Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Peru

Interview mit Hugo Blanco

Inprekorr Nr. 4 (154), 15. April 1983 · S. 11-12 · 1.142 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Mexiko Weltwirtschaft und Krise

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Wirtschaftspolitik, die offen die imperialistischen Investitionen be- Im nachfolgenden Interview zieht Hugo Blanco, der in den günstigt, bereits zur Reprivatisierung zahlreicher Bereiche der Parlamentswahlen vom 18. Mai 1980 als Kandidat der PRT (Parti- Wirtschaft. Dagegen ist keinerlei politischer Wille erkennbar, die do Revolucionario de los Trabajadores - Revolutionäre Arbeitergrundlegenden Probleme einer Lösung näherzubringen: Arbeitslo- partei), der peruanischen Sektion der IV. Internationale, zum Absigkeit, Unterernährung, Kindersterblichkeit oder Analphabetis- geordneten gewahlt wurde, eine erste Bilanz der letzten drei Jahre der Regierung Belaunde Terry und stellt die Aktionsperspektiven

Diese Entwicklung des Regimes Belaunde Terry nimmt heute und die politische Orientierung seiner Partei in diesem Zusammenimmer mehr das Bild jener rangers der peruanischen Armee an, die durch die mit rauchgeschwärztem Gesicht und offenem Bajonett in - Welche Bilanz der Regierung Belaunde Volkseinkommen dient in der Hauptsache Terrys" zieht die PRT? ECUADOR zur Tilgung einer von Jahr zu Jahr anwachsenden Schuldenlast und zur Finanzierung - Es handelt sich um eine Regierung, die der Rüstungsverschwendung. Die Hausgrundlegend die Interessen der imperialisti- Iquitos haltsanteile für das Gesundheitswesen, für schen Unternehmen vertritt. In dieser Epo- aren Bildung und Erziehung, Wohnungswesen che der Systemkrise kann sie die genannten Moyobamba und andere für die Bevölkerung notwendi- Interessen nur verteidigen, wenn ge Ausgaben gehen unaufhörlich zurück. große Mehrheit der Bevölkerung in Hunger Chiciayo BRASILIEN Die anhaltende und beschleunigte Entund Elend stürzt. Betrachten wir einige zen- Trujillo calip: wertung der peruanischen Wahrung, des trale Aspekte ihrer Wirtschaftspolitik: ein ERU So/(2), läßt das Elend der Lohnabhängigen bezeichnender Zug dieser Regierung ist der Huanuco schnell wachsen. Den Bauern werden Dar- Prozeß der Privatisierung der Wirtschaft. -Huachd erro de Pasco- lehen jetzt in Dollar gegeben. Nach einiger Sie gibt den privaten Zeit müssen sie dann aufgrund der gelop- Mehrzahl imperialistischen Unternehmen, ancayo pierenden Inflation in Sol das Doppelte Vergünstigungen, sie schwächt die Zentral- •Cusco dessen zurückzahlen, was sie an Darlehen stellen der Kooperativen und die Koopera- Pund bekommen haben, Zinsen noch nicht, mittiven selbst oder löst sie gar auf (diese wer- gerechnet.

den damit zu einer leichten Beute für das -Matarani In Peru sind einige Krankheiten,, von Großkapital), und schließlich wird sogar Sudamerika - Mollendo denen angenommen wurde, daß sie der die allmähliche Reprivatisierung öffentli- Vergangenheit angehörten, wieder aufgecher Unternehmen angeordnet. taucht: Malaria, Tollwut, die »verruga pe- Wir können Beispiele dieser Privatisie- Was die Landwirtschaft betrifft, so rungspolitik geben. Während den imperia- liegt das Ziel der Regierung darin, listischen Mineralöl-Unternehmen große Agroindustrie in Privathand zu überfüh- 1) Der gegenwärtige Präsident der Republik Peru, Fer- nando Belaunde Terry. war bei den Präsidentschafts- Vorteile eingeräumt werden, nimmt die Re- ren. Dazu werden auf allen Ebenen die wahlen vom Mai 1980 der Kandidat der Accion Popugierung die Schwächung der staatlichen pe- kooperativen Einrichtungen zerstört und lar. Diese Partei erzielte aufgrund einer durch den späteruanischen Erdölgesellschaft Petroperú ta- ihre Reste dem Großgrundbesitz (latifun- ren repressiven Kurs des Regimes widerlegten, ausgetenlos in Kauf. Wahrend die Regierung dio), dessen Ausdehnung die Regierung un- von 43%. prägt demagogischen Propaganda einen Stimmenanteil Wider Erwarten brachten diese Wahlen eine Maßnahmen zugunsten der großen impe- terstützt, als Beute angeboten. schwere Niederlage für die bürgerliche populistiche Parrialistischen Bergwerksgesellschaften trifft, Was die Importe betrifft, so hat die tei APRA, die nur 25% erhielt, und für die gesamte Regierung ausländischen Erzeugnissen den Linke (15 bis 20% der Stimmen). Für eine Analyse der schrumpft der staatliche Bergwerkssektor, Wahlergebnisse siche Jean-Pierre Beauvais: Un premier insbesondere was den Absatz betrifft. Die Weg freigemacht, die den bilan des elections, in: »Înprecor« (französische Ausganationalisierte Stahlindustrie ist kurz da- überfluten und der einheimischen Industrie be) Nr. 79, 12.5.1980; sowie die Resolution der PRT zur Bilanz der Wahlen in: wInprekorr. (deutsch) nr. 128.

vor, zugunsten nordamerikanischer, japa- 13.12.1980, S. 16-21.

nischer und anderer Stahlunternehmen zu- Die Exporte konzentrieren sich zunehmend grunde zu gehen. Der Fischfang stellt einen bei Privatunternehmen. Die staatlichen Un- 2) Am 28. Juli 1980, dem Tag der offiziellen Amtseinweiteren Wirtschaftssektor dar, der zugun- ternehmen für den Innenhandel kommen führung Belaunde Terrys, notierte der US-Dollar mit ebenfalls unter Beschuß; für die ärmsten 290 peruanischen Soles. Im Juni 1982 hingegen mit 710 sten der Kapitalisten erdrückt wird. Auch Soles, was einem Kaufkraftverlust der peruanischen die staatliche Elektrizitätsgesellschaft wird Schichten der Bevölkerung zieht dies Wahrung von 150% innerhalb von zwei Jahren gleichvon dieser Politik nicht verschont. schwerwiegende Folgen kommt.

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ruanau (peruanische Warze). Die Kindersterblichkeit nimmt zu. In den Krankenhäusern müssen sich zwei Kinder eine Wiege teilen, zwei schwangere Frauen ein Bett; manche Kinder werden auf den Fluren der Kliniken geboren.

Und in diesem Land, in dem die Gesundheitsfürsorge so unzureichend ist und sich weiter verschlechtert, bereichern sich private Laboratorien und Kliniken. Eine im Auftrag der Vereinten Nationen erstellte Studie hat offengelegt, dal bei Rechnungen von Medikamentenimport bis zu 100% draufgeschlagen wird.

• Wie steht es derzeit mit der Massenmobilisierung, und welche Rolle spielt die PRT? - Die pro-imperialistische Politik dieses Hunger-Regimes hat alle Teile des Volkes hart getroffen. Die Antwort waren starke Mobilisierungen.

Die Arbeiter der Betriebe, denen die Privatisierung drohte, sind aktiv geworden, um den nationalisierten Sektor zu verteidigen. In vielen Betrieben kämpfen sie gegen die Inflation, um ihren Lebensstandard zu verteidigen, in anderen Unternehmen gegen illegale Betriebsstillegungen und gegen Entlassungen. Die Bauern haben den ersten landesweiten Generalstreik in ihrer Geschichte als Antwort auf die gegen sie gerichtete Regierungspolitk durchgeführt. Die Kooperativen werden von ihren Mitgliedern verteidigt. Die Universitätsangehorigen kämpfen für den Erhalt der Hochschulen, die ohne Ressourcen gelassen werden. Die vergessenen Regionen des Landesinneren kämpfen, um auf ihre spezifischen Probleme aufmerksam zu machen. Streik, Stillegung des Wirtschaftslebens in einer Region (paros ciyico) für einen, zwei oder drei Tage, wirkliche Opfermärsche wie der der Minenarbeiter aus Canarias, die mit ihren Familien, einschließlich der Kinder, mehr als 700 Kilometer zurückgelegt haben. Auf diesem Marsch sind fünf Kinder, eine Mutter, kurz nach der Niederkunft und ein Arbeiter gestorben! Die Bauern sperren Straßen ab, besetzen Ländereien, um dort Hütten zu bauen, worin sie wohnen können. Das war z.B. in El Palomar der Fall; dort hat die Polizei fünf Bewohner getötet. Darüber hinaus gab es auch Hungerstreiks und Besetzungen der Arbeitsplätze.

Leider sind diese Kämpfe nicht koordiniert. Dies reduziert ihre Wirksamkeit beträchtlich. Die Führungen der Gewerkschaftsverbände kommen ihrer Aufgabe nicht nach, diese Kämpfe zu koordinieren und zu zentralisieren. Die Confederación General de Trabajadores del Perú (Allgemeiner Peruanischer Arbeiterverband - CGTP), die von der Kommunistischen Partei geführt wird, hätte die Möglichkeit, das zu tun, aber sie will es nicht. Die Izquierda Unida (Vereinigte Linke), eine Front, die die große Mehrheit der Linken umfaßt, will ebensowenig einen zentralisierten Kampf einleiten.

Die PRT tritt dafür ein, die Kämpfe der Arbeiter und aller Ausgebeuteten so weit wie möglich zu koordinieren und zu zentralisieren. Wir sind der Auffassung,