Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Zur Situation der FMLN

Inprekorr Nr. 152, 3. Februar 1983 · S. 6-9 · 3.585 Wörter

Mittelamerika USA und Kanada Gewerkschaften und Streiks Frankreich

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

andergehen. Die FMLN hat unter Beweis gestellt, daß sie in der Lage ist, an manchen Stellen - wie in der Provinz Chalatenango während mehrerer Wochen und gegen mehrere Tausend Soldaten die Positionen zu verteidigen, die sie bei der ersten Welle der Offensive hatten einnehmen können; dies zeigt zweifellos einen erheblichen Fortschritt in der militärischen Ausbildung der Guerillakolonnen an, wobei es ja stets das Ziel der Guerileros gewesen ist, ein »Ejerci- 1o Popular Revolucionario«, ein revolutionäres Volksheer, zu bilden. Ruft man sich die Schwierigkeiten bei der Koordinierung der Aktionen der verschiedenen bewaffneten Gruppen bei der Offensive vom Januar 1981 in Erinnerung, so kann man es messen, welche Strecke in bezug auf die Organisation, die militärischen Initiativen und die Kommunikation zwischen den verschiedenen Strukturen der FMLN zurückgelegt worden ist.

Außerdem hat diese Offensive, bei der 190 Gewehre, 30 Zusatzwaffen, 10.000 (3) Zitiert nach »El Salvador, senal de libertadu (Korrespondenz von Radio Venceremos in Frankreich), Nummer 3. 12. November 1982.

Seite 7

Schull Munition erbeutet, dem Feind 400 zuge vom Typ A-37, die das Pentagon Verluste zugefügt und mehr als 100 Gefan- kürzlich liefern ließ und mit denen 250-Ki. gene gemacht wurden, die mittels Übergabe logramm-Bomben abgeworfen werden an das Internationale Rote Kreuz sehr rasch können, mit Maschinengewehren ausgerufreigelassen worden sind, das militärische stete Hubschrauber und 105-mm-Kanonen. und das moralische Potential der Regie- um sich den Dörfern Las Vueltas und El Jirungstruppen mehr als symbolisch ange- caro zu nähern, die sie erst zwei Wochen schlagen. Die große Menge der beim Feind später einnehmen konnten, nachdem die erbeuteten Waffen sowie die beträchtliche Guerilleros abgezogen waren. Die Armee Zahl von Gefangenen, die die Guerilla ma- scheint jedoch an ihrem Gegenschlag zum chen konnte, weisten auf die tiefe morali- Teil wegen ihrer inneren Spaltungen lahmsche Krise bei den Regierungsstreitkräften gelegt worden zu sein. So soll der Verteidihin. Diese Krise wird sich nach der Aus- gungsminister Guillermo Garcia »die Brigastrahlung zahlreicher Berichte von Gefan- den "Ramon Bellose'" und "Atlacatl", die genen über Radion Venceremos noch ver- auf den counter-insurgency"-Kampf spestarken. Diese Berichte belegen im übrigen, zialisiert sind, bewußt nicht gegen die daß der Sender der FMLN von zahlreichen FMLN entsandt haben, weil sie loyal zu Soidatenfamilien und von den Soldaten sel- ihm stehen und er in Anbetracht der Gefahr ber gehört wird, weil sie über das Schicksal eines Staatsstreichs ihrer Unterstürzung beund die Namen der Opfer sowie über dieje- darf«(4). In der Tat ist das Bevorstehen cinigen, die bei Zusammenstößen mit der nes Staatsstreichs von Offizieren, die der Guerilla in Gefangenschaft gerate sind, In- ARENA des Majors Roberto d'Aubuisson formationen erhalten möchten. nahestehen, um die »reformistischen« Pro- Die Operation der bewaffneten Kräfte jekte der von den USA gestützten Christdeder FMLN begann am Montag. den 1l. mokratie und jeglichen »Dialog« mit den Oktober, mit der Einnahme der Dörfer Las »Terroristen« zu verhindern, vor kurzem Vueltas und El Jicaro in der Provinz Chala- insbesondere von »Le Monde« von Mitttenango, 80 km nördlich von der Haupt- woch, dem 17. November, bestätigı worstadt gelegen. Nach dem Bericht der Nach- den. Die Pariser Tageszeitung meldete, es richtenagentur APIA mit Sitz in Managua seien »acht höhere Offiziere, die bedeuten- (Nicaragua) haben sich dabei 30 Militärs de Posten in den Generalstäben oder im den Kämpfern der FMLN ergeben, wäh- Gelände bekleiden, verser:/ worden.« Und rend den Verstärkungen der Regierungsse- unter ihnen befinden sich Militärs. die sehr tie, die aus der Provinzhauptstadt kamen. eng mit der ARENA verbunden sind, wie zahireiche Hinterhalte gelegt wurden. Die die Obristen Nicolas Carranza und Isracl Kämpfe weiteten sich dann auf die Provinz Benavides. Morazan aus. wo das 190 km von der Hauptstadt entfernt liegende Dorf Perquin AKTIVITATEN IN DEN STADTEN eingenommen und die Straße, die in diese Region führt, besetzt wurde. Wiederum Parallel zu ihren Aktionen im Norden und laut APIA sind 52 Regierungssoldaten ge- im Osten des Landes ist die IMLN in Arfangengenommen und ist eine ganze Kom- menvororte der Hauptstadt. nach Zacamil panie in die Flucht geschlagen worden. Die und Ayutuxrepeque, eingedrungen. Am Verkehrswege, die von der Hauptstadı in Samstag. den 23. Oktober. hat eine sehr den Osten des Landes führen, wurden von kühne Aktion stattgefunden: ein Angriff der Guerilla besetzt; die »Panamericana« FMLN die Schlußfolgerung gezogen, daß und die Küstenstraße wurden erwa 80 km ihr Aufruf zur Erhebung in der Hauptstadt von San Salvador entfernt gesperrt. Die auf kein Gehör gestoßen ist, weil die Lohn- Nordhälften von Morazán und von Chala- arbeiter nicht die Sicherheit haben, daß ein tenango wurden also von der FMLN kon- siegreicher Ausgang dieses Kampfes auf trolliert: der Osten war vom übrigen Land cines Guerillakommandos auf die Hauptisoliert. Ein richtiggehender »Bogen der kaserne der »policia de Hacienda« (Zollpo- Freiheit«, der sich vom Norden bis in den lizei) in San Salvador. Daß dieses Objekt Osten des Landes spannt und knapp 10% ausgewahlt wurde, ist mit Sicherheit kein des Territoriums ausmacht, ist damit unter Zufall. da der Kommandeur der Zollpolidie Kontrolle der Kräfte der FMLN gera- zci. der Oberst Francisco Moran, als Reten. Die FMLN hat jedoch stets verneint, präsentant desjenigen Flügels im Militär besie wurde den revolutionaren Prozeß in El kannı ist, der dem Major Roberto d'Au- Salvador als cin einfache territoriale Aus- buisson am nächsten steht. dehnung der Zonen unter ihrer Kontrolle Gewiß wird mit diesen Aktionen. so begreifen, da die geographischen Verhält- spektakulär sie auch sind, die Kontrolle der nisse und die Art der Besiedlung des Landes Regierungstruppen über die Haupıstadt in der Tat ein Politik der Errichtung von nicht unmittelbar in Frage gestellt. Nach »befreiten Zonen« illusorisch machen. Im der Offensive vom Januar 1981 hat die Gegensatz hierzu spielen die kontrollierten kurze Sicht möglich ist. Die Einschätzung Zonen im Verständnis der FMLN die Rolle »Abwartehaltung«, die von den einer strategischen Stütze zur Schaffung enormen Risiken in bezug auf Repressioder Bedingungen für einen nationalen Auf- nerzwungen wird, welche mit einem offenen Engagement an der Seite der Guerilla Bei der Offensive im Oktober 1982 ha- eingegangen werden. hat die FMIN die ben die Truppen der FMLN eine Form des Schlußfolgerung ziehen lassen, dals die Ar- Kampfs gegen die Armee gewählt, die dem beiterbewegung. der ja bereits eine große Stellungskrieg nahekommı. Die Regierung- Zahl von Kadern genommen worden sind. struppen benötigten 3.500 Soldaten, Flug- nicht unnötig den Schlägen der Repression • 7 ausgeseizt werden darf. Wir befinden uns weiterhin in dieser Phase der salvadorenischen Revolution.

Wegen des Zwangs der Umstände stellen die Aktionen der FMLN in der Hauptstadt also rein militärische Initiativen dar. die darauf abzielen, die Stimmung der Regierungstruppen zu drücken, der Wirtschaft der Diktatur Schaden zuzufügen und in den Augen der städtischen Bevolkerung. die dem Terror und der systematischen Kontrolle der militärischen und der paramilitärischen Kräfte ausgesetzt sind, ihre Starke darzustellen.

In mehreren Jahren Bürgerkrieg und wütender Repression hat sich das Panorama der städtischen Massenbewegung gewandelt. Die Mehrzahl der städtischen Fuhrer von Arbeiterkampfen und Volksbewegungen sind ent weder im Gefangnis oder haben sich den bewaffneten Kämpfern angeschlossen. Sämtliche Kanale, über die die I-MLN ihre Propaganda verbreiten konnte, sind ausgetrocknet. Es taucht eme neue städtische Gewerkschaftsbewegung auf, die mehr oder minder eng an die Kräfte gebunden ist, die sich im Rahmen der Diktatur außern können. So etwa die Demokratische Volksunion (Union Democratica Popular • UDP). Vor kurzem haben in bestimmien begrenzten Formen gewerkschaftliche Profeste statigefunden. So sind zum Beispiel im November 4.000 Angestellte des Landwirtschaftsministeriums für Lohnerhöhungen in den Streik getreten. Dieser Streik, der erste seit erwa zwanzig Monaten, der zweifellos mit der Debatte über die Zukunft der »Reformen« im Zusammenhang steht.

für die die Christdemokratic eintritt, stellt immerhin eine offene Herausforderung an den von der Regierung dekretierten Ausmahmezustand dar.

Fur die FMLN geht es also darum, daß sie es schafft, in den städtischen Zentren cine Massenbasis zu gewinnen - die conditio sine qua non dafür, daß sich der bewaffnete Guerillakampf einmal mit einer stadtischen Volkserhabung verbindet: und es geht für sie darum, ihren Einfluß auf Bewe- (3a) Agencia Periodistica de Información Alternativa .. Journalistenagentur für alternative Informationen APIA is 1980 von dem österreichischen Journalisten l.co Gabriel gegründet worden und hat ein knappes Dut/end Mitarbeiter(innen). Sie vertreten unterschicdliche politische Ansichten: das Spektrum reicht von linken Christen aber (prokubanische) Marxisten-Leninisten bis zu Sympathisanten von anarchosyndikalistischen Vorstellungen.

Das gemeinsame Selbsiverstandnis ist: Parteinalsme fur die revolutionaren Bewegungen in Latcinameri. ka. aber trotz guter Bezichungen zu allen Befreiungsorganisationen vollig Unabhangigkeit. Das wichrigue ist cine enge Wechselbezichung zwischen der Revolution in Mittel- und Sudamerika, kritischer Information son dor, verbeserter Berichterstattung in der kommerziell betrichenen und in der alternativen und linken Presse sic den Solidaritarsbewegungen in Mexico. in Nord. amcrika und Westeuropa.

Kontakı mit APIA aber: Informationsgruppe Lateinameriku (IGLA). Münzwardeingasse 2. A-1060 Wien.

Eine ahnliche Zielsetzung und Funktion strebt die neu aulgebaute westdeutsche Nachrichtenagentur »Mitrelamerika-Informationsdiens(« (mid) an. Anschrift: mid, Hanauer Landstr. 147 - 149. D-6000 Frankfurt a.M. 1 - A.d.O.

(4) »Latin America Weekly Reporta (London). 12. November 1982.

Seite 8

gungen zu verstärken, die zur Zeit - wie es scheint -vor allem von der Christdemokratie kontrolliert werden, wie es vor kurzem die erwähnten Streiks gezeigt haben. Der Prozeß der Mobilisierung in den Stadten und somit der Stand des Bewußtseins und der Kampfbereitschaft der städtischen Massenbewegung befindet sich also in cinem viel niedrigeren Stadium als dem, den sie in den Jahren vor dem Staatsstreich von Oktober 1979 und im Laufe des Jahres 1980 erreicht halten.

Um den Spielraum der Opposition in den Städten weiterhin auf einem Minimum zu halten, hat die Armee in den letzten Monaten einige erfolgreiche Unterdrückungsaktionen durchgeführt. Mitte August haben Polizei und Armee zum Beispiel zwei Armenvororte der Hauptstadt, nämlich San Antonio de Abad und Soyapango. durchsucht, um dort jegliche Form von Massenorganisation oder von Untergrundpropaganda der FMLN zu unterbinden. Ende August sind mehrere führende Mitglieder der Revolutionär-Demokratischen Front (FDR) verhaftet worden, darunter Saul Villalta. Im Oktober gaben die Streitkräfte bekannt, daß sie zwanzig führende Mitglieder der FDR festgenommen haben. darunter Jorge Alberto Martinez, Mitglied der Leitung der Nationalen Revolutionären Bewegung (Movimiento Nacional Revolucionario -MNR), Jorge Valencia, von der FMLN-FDR mit der Wahrnehmung innenpolitischer Beziehungen beauftragt, Julio Cesar Séravia Martinez, Mitglied der Bewaffneten Kräfte des Nationalen Widerstands (Fuerzas Armadas de Resistencia Nacional - FARN, einer der politisch-militärischen Organisationen, aus denen die FMLN besteht) und Verantwortlicher für Gewerkschaftsarbeit, und Berta Alicia Cosme von der FARN, die mit der Gewerkschaftsarbeit auf nationaler Ebene betraut Ist.

DIE FMIN SCHLÄGT EINEN DIALOG

VOR

Ebenso wie die nächtlichen Morde der paramilitärischen Kommandos stellt diese Repression faktisch die Antwort der reaktionären Sektoren der Armee auf die Dialogvorschläge dar, die von der FMLN-FDR am Dienstag. den S. Oktober, wenige Tage vor dem Einsetzen ihrer militärischen Offensive, beschlossen und am Dienstag, den 26. Oktober, in Mexiko bekanntgegeben wurden. Diese Vorschläge werden als Aufruf zur Herstellung eines »direkten Dialog(s) ohne Vorbedingungen« verstanden, »der zum Ziel haben soll, nach einem Weg zu suchen, der zur Wiederherstellung des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit in El Salvador führı und der zur Entspannung in Mittelamerika beiträgt«; an diesen Gesprächen sollen die FMLN-FDR und auf der anderen Seite »die Regierung, die Verfassungsgebende Nationalversammlung und die Streitkräfte Salvadors« teilnehmen. Die Diskussion soll für »andere nationale Sektoren« geöffnet sein, wobei im Text aufgezählt werden: »die politischen Parteien, die Gewerkschaftsorganisationen der Arbeiter und Bauern, die Verbände der Privarunternehmer, die kirchlichen Kreise, die universitären Kreise, die Verbände der Freiberufler und andere Standesorganisationen, die daran interessiert sind, ihrerseits einen Beitrag zur Lösung des salvadorenischen Konflikts zu leisten. «(4a) Zur richtigen Einschätzung der Vorschläge, die die FMLN-FDR in der gegenwärtigen Etappe macht, gilt es in erster Linie den regionalen und internationalen Kontext in Rechnung zu stellen, in dem sich der Kampf der FMLN abspielt.

Der amerikanische Imperialismus ist entschlossen, sein ganzes militärisches und politisches Gewicht einzusetzen, um den revolutionären Aufschwung in Mittelamerika zuerst zurückzudrängen, dann zu zerschlagen. Die unablässig erneuerten Drohungen gegen den kubanischen Arbeiterstaat, der beschuldigt wird, er »stifte« die mittelamerikanische Revolution »an«; die laufenden militärischen Vorbereitungen in Honduras, um der Revolution in Nicaragua Schläge zu versetzen; die Unterstützung für die Diktatur des Generals Efraim Rios Montt in Guatemala; die dem Regime in Costa Rica gewährte Hilfe - all dies ist Ausdruck der konterrevolutionären Bestrebungen der Vereinigten Staaten. Zudem hat es der amerikanische Imperialismus nicht versäumt, die Zukunft Mittelamerikas in die Waagschale seiner Beziehungen zur sowjetischen Bürokratie zu werfen. Da diese ja in eine tiefe Wirtschaftskrise verstrickt und über die sozialen Entwicklungen in Polen mehr als beunruhigt ist, läßt es gewiß nicht an Druck auf Kuba und Nicaragua fehlen, um sie dazu zu drängen, nach einem bestimmten Kompromiß in dem Teil der Erde zu suchen, den die Vereinigten Staaten als ihren Hinterhof betrachten. Die FMLN kann sich diesem Druck und den Rückwirkungen dieser internationalen Manöver im großen Maßstab nicht entziehen. Für die Führung der FMLN ist die Lage also sehr schwierig. Nachdem sie zunächst jegliche Form direkter Verhandlungen mit der salvadorenischen Junta abgelehnt, sich vielmehr nur an deren Herren und Meister, den Yankee- Imperialismus, gewandt hatte, hatte die FMLN bereits im Oktober 1981 Unterhandlungen »zwischen Delegierten, die von der FMLN-FDR benannt werden, und Repräsentanten der Regierungsjunta Salvadors« vorgeschlagen. Zu dieser Zeit war die Offensive der amerikanischen Diplomatie am stärksten, die einen angeblichen »Strom hochkomplizierter Rüstungsgüter« aus der UdSSR und Kuba nach Nicaragua anprangerte. Heute legt die FMLN ihre Vorschlăge zu einem Dialog erneut in demselben Monat vor, an dem die Drohungen einer Aggression gegen Nicaragua von Honduras aus auf dem Höhepunkt sind -- in Form der amerikanisch-hondurenischen Manover. die in dieser Region für Ende 1982 vorgesehen sind. Zum anderen gibt das Schwergewicht des regionalen Kontexts für die diplomatischen Schritte der FMLN in gewissem Maße Aufschluß über den Druck, den bestimmte Länder wie Mexico ausüben, um eine »Pazifizierung« der Region zu erreichen, an der sie besonders interessiert sind. Die diplomatischen Schritte der FMLN sind jedoch stets von der Ablehnung jeglicher Vorbedingungen. die ein Niederlegen der Waffen seitens der Guerilla bedeutet hätten (die Mehrzahl der diplomatischen Initiativen der FMLN-FDR fielen im übrigen mit einer Steigerung ihrer mili- (4a) Hier aus dem Französischen übersetzt: abweichender deutscher Text abgedruckt in »Frankfurter Rundschau", Nr. 260. 9.11.1982. S. 10. - A.d.U.

Seite 9

(arischen Aktivitäten zusmamen), und vom Willen zum ernsthaften Vorbringen ihrer DIE WIDERSPRÜCHE DER AMERIKA- Was der US-Botschafter in San Salvador politischen Vorschläge geleitet, um die Wi- NISCHEN POLITIK hier einfließen ließ, ist ein Zeichen dafür, dersprüche im Lager des Feindes zu schü- wie sehr die Reagan-Administration zu erren. Hierzu Enrique Guatemala in einem Die Antwort aus Washington stellte reichen bemüht ist, daß die salvadorenische ebenfalls eine Aufschiebung einer klaren Regierung vor Ende des Jahres eine Geste »Die Verhandlungslösung ist ein politisches Entscheidung dar. John Hugues, Sprecher im Sinne der amerikanischen Empfehlunund militärisches Instrument, d.h. ein auf der Reagan-Administration, erklärte, Ver- gen macht. Denn dann muß der amerikaniunsere militärische Stärke gestütztes politi- handlungen seien unnütz, denn die FMLN sche Präsident vor dem Repräsentantensches Instrument.«(4b) Für die FMLN-FDR sei angulich nur eine »von außen unter- haus der Vereinigten Staaten versichern, ist es ein Mittel, um im Falle der Ablehnung Aufstandsbewegung, daß El Salvador auf dem Gebiet der Reseitens der Diktatur zu rechtfertigen, daß gend in den am geringsten besiedelten Zo- spektierung der Menschenrechte »Fortsie ihren bewaffneten nationalen Befrei- nen des Landes tätig ist und die die Straßen schritte« macht, um die Weiterführung der ungskampf mit guten Gründen führt. Die zerstört und die Kasernen angreift, «(9) .. al- Militärhilfe gewährt zu beommen. FMLN reagiert damit auf ein politisches so gewissermaßen Straßenräuber im großen Unterdessen hat der amerikanische Problem; denn die Erschöpfung der Volks- Stil. Hierauf versuchen die amerikanischen Imperialismus zur Bekämpfung der salvamassen in einem Krieg, der außerordentlich Berater im übrigen die Guerilla mit ihrer dorenischen Revolution kein anderes Mitviele Menschenleben kostet, ist in der Tat Strategie der Verteidigung der ökonomisch tel, als weiter die Diktatur zu unterstützen. ein Element, dem Rechnung getragen wer- lebenswichtigen Zonen des Landes herab- Es gilt also die eindringliche Warnung sehr den muß. Weiter ist es auch ein Mittel zur ernst zu nehmen, die von der Kommanda- Neutralisierung von gesellschaftlichen Sek- Trotz dieser kategorischen Ablehnung tur der Nordost-Front der FMLN am Mitttoren, die sich neu von der gegenwärtigen hat der Schritt der FMLN, mit dem sie sich woch, den 10. November 1982, aus dem Politik der Diktatur absetzen, sowie für ci- auch an das amerikanische Volk und an die Departement Morazán ausgegeben worden ne internationale Gegenoffensive als Ant- Solidaritätsbewegung dieses Landes wand- ist und derzufolge Truppenbewegungen der wort auf die imperialistischen Politik. Und te, den Finger auf die wunden Stellen der Streitkräfte von Honduras, die mit schwees trifft zu, daß - unter diesen Umständen - amerikanischen Politik gelegt. Denn die rem Gerät und Hubschraubern ausgerüstet die Debatte zwischen den verschiedenen Reagan-Administration hofft noch immer, sind, entlang der Grenze zu Salvador ent- Bestandteilen der FMLN über eine mögli- der Diktatur in El Salvador ein respektables deckt wurden. che strategische Verlängerung dieses »Dia- Image verschaffen zu können. Aus diesem Es könnte in der Tat sein, daß eine erlogs« und insbesondere die Frage der soge- Grund haben die USA früher die salvadore. neute militärische Aktion gegen die von der nannten »nationalen« Sektoren der Armee nische Christdemokratie unterstützt und FMLN kontrollierten Zonen in Zusammennoch nicht abgeschlossen ist; Enrique Gua- zählen sie heute auf den Präsidenten Alva- arbeit mit den hondurenischen Truppen die temala hat vor sechs Monaten zugestimmt, ro Magana und den General José Guiller- einzige Antwort der Diktatur in San Salvadaß diese Sektoren immer mehr zusammen- mo Garcia, damit die inneren Konflikte ge- dor und ihres amerikanischen Schutzherren schlichtet und der Kurs auf eine Politik mit auf den Erfolg der jüngsten militärischen Zwar hat der Generalsekretär der Dio- einem »reformistischen« Anschein beibe- Offensive der Kräfte der salvadorenischen zese San Salvador, Monseñor Ricardo Ur- halten wird. Doch sie stehen natürlich vor Guerilla wäre. ioste, festgestellt, Verhandlungen seien der Schwierigkeit, daß sie dafür sorgen Vincent Kermel, 22. November 1982 »der am ehesten gangbare Ausweg aus dem müssen, dal diese Politik, keine wahllosen Krieg, welcher die schwierigen Lebensbe- Massaker mehr an Zivilisten anzurichten dingungen des salvadorenischen und die christdemokratischen dermaßen verschlimmert«(5); doch haben von der lokalen Oligarchie dagegen alle Teile des diktatorischen der gegenwärtigen Machtsystems die Vorschläge zurückgewie- Mehrheit in der Nationalversammlung gesen. Die Unterschiede im schluckt wird, die heftigst gegen diese Polinichtsdestoweniger bezeichnend Nuancen, die bei ihnen auftreten. Der Prä- Man muß also die »Zwischenbemersident Alvaro Magana sprach die Ableh- kungen«, die der US-Botschafter in San nung im Namen »des Prozesses, der mit Salvador, Deane Hinton, neulich von sich den konstituierenden Wahlen vom März gegben hat, als Versuche ansehen, auf diese dieses Jahres begonnen worden ist, «(6) aus. Kreise Druck auszuüben: »In El Salvador

Als guter Militär begnügte sich der General sind 30.000 Personen

José Guillermo Garcia damit, die »im Un- weniger als 200 Personen sind wegen dieser tergrund operierenden« Organisationen zu Verbrechen vor Gericht gestellt worden. (4b) Das Gespräch mit Enrique Guatemala erschien in beschuldigen, (...) Sie dürfen nicht die Leute nachts tö- der französischen Inprecor Nr. 123, 19. April 1982. Es Streitkräfte im Laufe ihrer letzten Offensi- ten. (...) Sie dürfen nicht die Leute ent- Romero beim ersten internationalen Forum der Solida. wurde am 27. März 1982 in Mexico Cuidad von Miguel ve von ihrem Auftrag abzulenken, »die le- haupten lassen.«(10) Deane Hinton hat die ritat mit dem Volk von El Salvador gefahr. Für die benswichtigen Stellen« im Lande »zu schüt- Arroganz der lokalen herrschenden Klasse deutschsprachige Ausgabe ist es nicht übersetzt worden. zen«,(" womit er implizit die defensive Hal- satt, die recht gut weiß, daß die USA keine Enrique Guatemala war zu der Zeit beigcordnetes tung der Regierungstruppen eingestand. andere Alternative haben, als die Diktatur FMLN-FDR und Vertreter der FMLN-FDR in Mexico. Mitglied der Politisch-Diplomatischen Kommission der Und schließlich hat der Major Roberto zu stützen; er warnte seine Zuhörer, ob- Inzwischen ist der Mitglied der Kommission für interna. d'Aubuisson, seit dem 28. März 1982 Vor- wohl er ein glühender Anhänger der »mili- tionale Bezichungen (CORINTER). sitzender der Nationalversammlung, er- tarischen Lösung« ist, und erklärte: »Sal- (5) Zitiert nach »Uno mas Uno« (Mexico), 16. Oktober Klärt, jegliche Verhandlung mit »Verbre- vador muß substantielle Fortschritte machergruppen« sei nichts als ein »gemeiner chen, was die gerichtliche Belangung der Verrat« und eine »politische Absurdität«. Mörder Ihrer Mitbürger betrifft (6) Zitiert nach »Uno mas Unow, 26. Oktober 1982. Trotzdem hat die Verfassungsgebende Ver- schließlich derjenigen, die diese Morde an- (7) Zitiert nach »Uno mas Uno«, 24. Oktober 1982. sammlung seinen Antrag ordnen.« Der US-Botschafter handelte sich dem »jeder Versuch eines Dialogs oder von im übrigen einen Verweis aus Washington (8) Zitiert nach »Le Monde« (Paris). 17. November Unterhandlungen mit den terroristischen ein, weil er versichert hatte: »Anderenfalls

Minderheiten« prinzipiell ausgeschlossen könnten die Vereinigten Staaten - trotz un- (9) Zitiert nach »Uno mas Unow, 28. Oktober 1982. werden sollte. (8) serer sonstigen Interessen, unbeschadte unseres Engagements im Kampf gegen den (10) Zitiert nach *International Herald Tribune- Kommunismus - gezwungen sein, Salvador (Paris), 9. November 1982.

ihre Hilfeleistungen zu verweigern.«(!I) (H) Ebenda.