Mit der Abhaltung von Wahlen zur Konstituierenden Versammlung am 28. März 1982 glaubte der amerikanische Imperialismus, die Grundlagen für ein Regime gelegt zu haben, das einen gewissen Anstrich von Legitimität besitzt, und so die Bedingunf.benr sollerung der revolutionären Bewegung geschaffen zu Das Jahr 1983 dagegen beginnt mit einer erneuten Zuspitzung aller ungelösten Widersprüche. Wie zerbrechlich das Regime ist, das tritt jetzt offen zutage.
Obwohl die Imperialisten wiederholt Spritzen gaben (erst kürzlich wieder 142 Millionen Dollar im Dezember seitens der Vereinigten Staaten und internationaler Finanzorganen), ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor katastrophal. Korruption und Spekulation beherrschen alles. Immer wieder werden Betriebe stillgelegt, und die Auslandsverschuldung wächst lawinenartig an. Hinzukommt, daß die Einnahmen aus dem Baumwoll- und Kaffee-Export rapide zurückgehen: Die Baumwolle brachte 1982 nur 48 Millionen Dollar gegenüber 99 im Jahr 1978, und der Kaffee 375 Millionen gegenüber 695 im Jahre 1979... Infolge dieses Rückgangs kam es in den letzten Monaten des Jahres 1982 dazu, daß in einigen Städten, darunter auch der Hauptstadt, die Lohnabhängigen für wirtschaftlichen Forderungen wieder aktiv wur- Trotz aller Anstrengungen haben die amerikanischen Experten keine Möglichkeit, die unzähligen Berichte von religiösen oder demokratischen Organisationen über die Terrorherrschaft in El Salvador zu dementieren. Auf 5 000 wird die Zahl derjenigen Zivilpersonen geschätzt, die im Laufe des letzten Jahres ermordert wurden (ermordet, nicht im Kampf getötet), darunter 520 allein für den Monat Dezember. Der amerikansiche Botschafter Beane Hinton ging sogar so weit, öffentlich mit der Einstellung der amerikanischen Hilfe zu drohen, was ihm freilich eine Rüge von Washington einbrachte. Die salvadorianische Regierung wollte auch nicht nachstehen und ernannte eine neue - die xte - Menschenrechtskommission... von der man die gleichen Resultate erwarten kann wie von ihren Vorgängern. Derselbe amerikanische Botschafter hatte prophezeit, dal 1982 den Anfang vom Ende der Guerillabewegung einläute. Die FMLN denunzierte Anfang Oktober die kombinierten Vorbereitungen salvadorianischer und hondurenischer Regierungstruppen zu einem Angriff und ergriff die Initiative zu einer »präventiven« Offensive, bei der sich zeigte, daß ihre Aktionsfähigkeit und die Koordination der Operationen sich qualitativ verbessert haben gegenüber den vorhergehenden Offensiven. Die salvadorenische Armee hatte im Jahre 1982 12 % Verluste (an Toten und Verletzten) bei einer Gesamtstärke von 34 000 Mann.
Schließlich sind die politischen Machthaber nach wie vor aufgespalten zwischen dem Pol der Ultras. wie sie von der ARE- NA des Majors d'Aubuisson repräsentiert werden, und dem Pol der »Reformisten« des Präsidenten Magana und der Christdemokratie. Aufgrund dieser Polarisierung zerfiel die Partei der Nationalen Versöhnung. Zehn ihrer Abgeordneten machen nun gemeinsame Sache mit der ARENA, während die vier übrigen eine neue Partei bildeten und eine neue Koalition mit der Christdemokratie eingingen, die jetzt 30 von 60 Sitzen im Parlament zählt. In diesem Kontext wurde Ende 1982 der Versuch gemacht, ein neues Kabinett zu benennen. Die ARENA hatte nämlich vier Ministerposten (Wirtschaft, Gesundheitswesen, Außenhandel und Landwirtschaft), was ihr ermöglichte, die Maßnahmen wieder außer Kraft zu setzen, die im Rahmen des Reformprozesses nach dem Staatsstreich von 1979 ergriffen worden waren (Nationalisierung der Banken und des Außenhandels, zaghafte Schritte - 3 zu einer Landreform). Sie denunzierte die Pläne zu einer Kabinettsumbildung als »stillen Staatsstreich«, um sie von der Macht auszuschalten. Der Präsident Magana mußte schließlich Abstand von seinem Vorhaben nehmen und begnügte sich damit, den Aussenhandelsminister durch einen neuen Mann zu ersetzen, der aber auch der ARENA angehört.
In diesem Kontext fand auch Anfang Januar die »Meuterei« des Obersten Sigfredo Ochoa statt. Er weigerte sich, der Entscheidung des Kriegsministers, ihn von seinem Posten als Kommandanten in der Provinz Cabanas abzulösen und ihm einen Posten als Militärattaché in Uruguay zu geben, Folge zu leisten. Ochoa verfügt über erhebliches Prestige nicht nur in den Kreisen der Ultras, sondern auch bei den amerikanischen Beratern, weil er die neue Linie in der Guerilla-Bekämpfung anwandte. Statt lange Zeit passiv zu bleiben und dann und wann schwere Operationen durchzuführen, organisierte er dauernd Scharmützel mit kleinen Einheiten. Was die Politik aber angeht, so sind seine Verbindungen mit den härtesten Kernen der ARENA bekannt. Als er sogar den Rücktritt des Kriegsministers Guillermo Garcia forderte, warnte er damit implizit die Regierung ganz ernsthaft vor etwaigen Neigungen, mit der FDR Verhandlungen aufnehmen zu wollen.
Wieder wurde diese Affäre durch einen Kompromiß beigelegt: Garcia trat als Kriegsminister zurück, Ochoa ging nicht nach Uruguay, sondern in die Vereinigten Staaten; er wurde damit sozusagen doch ins zweite Glied versetzt, bleibt aber in Reserve. Tatsache ist, daß die Lage immer kritischer wird, so daß der Imperialismus neue Entscheidungen treffen muß. Die erste der möglichen Hypothesen ist die, Verhandlungen mit der FDR einzugehen, um diese zu spalten und die kämpferischsten Elemente der Guerilla zu isolieren versuchen. Ende Oktober indes kam die FMLN jeglicher neuen Initiative seitens des Präsidenten Magana zuvor, als sie Verhandlungen »ohne jegliche Vorbedingung« forderte, was im Klartext bedeutet, daß sie es ablehnt, die Waffen erst niederlegen zu müssen, um Verhandlungen aufnehmen zu können. Ob es zu Verhandlungen kommt, ist fraglich, da die mächtige ARENA und die Kreise der Armee, die ihr angehören, kategorisch derartiges ablehnt.
Die Hypothese einer direkten militärischen Intervention ist nicht ausgeschlossen; entweder das die »green berets« direkt eingreifen, oder, was eher im Bereich des Wahrscheinlichen liegt. daß die Armeen der Region, insbesondere die hondurenische, kombiniert vorgehen. Aber der internationale Kontext ist nicht gerade der günstigste. Schon der Malwinen-Konflikt hat die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und gewissen lateinamerikanischen Regierungen ziemlich belastet. Auf dem Gipfel von Panama, bei dem sich Anfang Januar die Minister von Mexiko. Venezuela, Kolumbien und Panama zusammenfanden, wurde übereinstimmend Kritik an der amerikanischen Politik in Mittelamerika vorgetragen und bestätigt, daß eine offene militärische Intervention nur zu Komplikationen führen könne. Und dennoch bleibt eine neue militärische Eskalation seitens der Imperialisten in Verbindung mit verstärkten Aggressionen und höherem Druck auf Nicaragua auf der Tagesordnung. Die Weltweite Solidaritätsfront mit dem Volk von El Salvador, die letztes Jahr in Mexiko geschaffen wurde und Hunderte von Komitees, Vereinigungen und politische Parteien der ganzen Welt versammelt, ruft zu einem internationalen Solidaritätstag am 22. Januar auf. Dieser Tag muß zum Ausgangspunkt einer erneuten Mobilisierung der Solidaritätsbewegung werden, um den Aufgaben des neuen Jahres gerecht zu werden.
FMLN Salvador:
Große militärische und politische Offensive der FMLN von Vincent Kermel, 22. November 1982.- Nach dem relativen Mißerfolg der Offensive, die die Nationale ber 1981 einen Angriff auf ihre Hochburg, auf Morazán im Nordo- Befreiungsfront Farabundo Marti (Frente Farabundo Marti para la sten des Landes, unternahm, der unter anderem zum Ziel hatte, Liberacion Nacional - FMLN) am Samstag, den 10. Januar 1981, den Radiosender der FMLN, Radio Venceremos, zum Schweigen gestartet hatte, glaubten die Chefs der salvadorenischen Armee zu bringen. Wenngleich dies Operation zum Massaker der Armee und des US-Imperialismus, sie könnten die revolutionären Kräfte an fast eintausend Bauern in dem Dorf El Mozote geführt hat, auf militärischem Feld soweit zurückdrängen und dezimieren, daß wurde das militärische Ziel nicht erreicht. Das führte zu einer Wensie ihre »politische Lösung« in Form der Wahlen in Ruhe voran- de in der Entwicklung des Bürgerkriegs, denn das Scheitern der treiben könnten unter Ausschluß jeder Form von Opposition gegen 5.000 Regierungssoldaten und die Rückschläge, die die zu trauriger die Diktatur. Die vergeblichen Versuche im Laufe des Frühjahrs Berühmtheit gelangte Elitebrigade »Atlacatl« einstecken mußte, 1981, die von den Guerilleros kontrollierten Zonen zu reduzieren, bedeuteten, daß es der FMLN gelungen war, die Periode des sogeund dann die erneute Steigerung der militärischen Tätigkeit der nannten »aktiven Widerstands«, strategischen Nachdenkens, mili- FMLN ab Sommer desselben Jahres haben jedoch die Aussichtslo- tärischer Neuversorgung und Umorganisation, die nach der Offensigkeit eines derartigen Projekts gezeigt. sive vom 10. Januar 1981 notwendig geworden war, mit Erfoig hin- Die Diktatur beschloß also auf Washingtons Ratschlag hin, ter sich zu bringen.
der Guerilla einen direkten Schlag zu versetzen, indem sie im Okto- Die Antwort des amerikanischen Im- rungssoldaten neue Aktionen größeren allgemeinen ruhiger sind. Außerdem ließ perialismus bestand darin, die Ausbildung Umfangs gestartet; sie hatten zum Ziel, die dauerhafte Kontrolle von Gebieten im der salvadorenischen Spezialtruppen, »ausländisches Eindringen und die Liefe- Norden und im Osten des Landes durch die mit Hubschraubern transportiert werden, rung von Munition und Söldnern« über FMLN diese zu vielgerühmten Hochburgen zu beschleunigen. Mitte Dezember 1981 den südöstlichen Küstenstreifen des Landes werden, aus denen die Regierungstruppen gab das Pentagon - was es nur sehr selten entlang des Golfs von Fonseca zu verhin- sie nicht zu vertreiben vermochten. tut -bekannt, amerikanischen dern. Diese indirekte Anschuldigung Nica- In Anbetracht dieser logistischen und »green berets« (besonders hart ausgebildete raguas wurde noch klarer von dem ameri- strategischen Probleme und der schwinden- Spezialeinheiten, die in kleinen Gruppen kanischen Staatssekretär Thomas Enders den Moral bei den Regierungstruppen woll- Überraschungsangriffe auf feindliche Ter- ausgesprochen, der zur selben Zeit erkarte: ten die amerikanischen Berater und der Geritorien machen, zu deren Uniform grüne »trotz der Hilfe durch Nicaragua haben die neral José Guillerma Garcia vom Rückgang Baskenmützen gehören - dÜ) in den Verei- salvadorenischen Rebellen die Initiative der bewaffneten Aktionen der FMLN seit nigten Staaten selber rund 1.000 salvadore- verloren.« Der salvadorenische Verteidi- den Wahlen vom. 28. März 1982 profitienische Soldaten und 500 Offiziere ausbil- gungsminister, der General José Guillerma ren, um den Regierungstruppen wieder die den. Da sie eine Vorahnung davon hatte, Garcia kündigte nichts weniger als die militärische Initiative zu verschaffen. Der daß die Rückkehr dieser Truppen ihren »Vernichtung« der Guerilla an. (") in London erscheinenden Zeitschrift »Latin Kampf noch schwieriger gestalten würde, Doch abgesehen von diesen siegessi- America Weekly Report« (LAWR) vom 22. zerstörte die FMLN am Samstag, den 2. Ja- Proklamationen zeigten sich Oktober zufolge hatten die früheren Bemüauf dem Flughafen llopango amerikanischen Berater in El Salvador mit hungen der amerikanischen Berater, die »fast die Hälfte der salvadorenischen Luft- der Leistung ihrer Schüler weniger zufrie- Leistungsfähigkeit der Truppen der Diktaden. Die bewaffneten Kräfte der FMLN, tur zu erhöhen, bis dahin wenig Erfolg gedie viel beweglicher sind als die Regierung- ziegt. »Einzig der Oberst Sigifredo Ochoa
NEUE MILITÄRISCHE STRATEGIE struppen, konnten sich angesichts eines an aus Sesuntepeque hat die Empfehlungen DER DIKTATUR Zahl und an Waffen überlegenen Feindes der US-Berater ernsthaft angewendet, es zurückziehen, ihre Aktivität in andere Ge- sollten aggressivere "counter-insurgency"- Als im März 1982 Wahlen in einem Teil des genden verlagern, aus denen das Heer abge- Methoden mit kleinen Patrouillen, nächtli- Landes trotz der militärischen Aktionen und dann nach dem chen Aktionen und größerer Mobilität ander FMLN abgehalten und 1.500 in den Abmarsch der Regierungstruppen wieder gewendet werden. Überall sonst legen die USA augebildeten Soldaten zurückkehrten, zurückkehren. So startete die FMLN im Kommandanten eine 'Kusernen-Hof-Menschienen sich der salvadorenischen Dikta- zwecks Ablenkung talität' an den Tag.« (ia)
tur neue, Perspektiven zu eröffnen. Wah- auf »ökonomische« Objekte rend des Sommers 1982 wurde von den Re. Hochspannungsmasten und Eisenbahn- (1) Zitiert nach »Inforpress centroamericana» (Crudad Guatemala). 21. Oktober 1982.
gierungstruppen eine Reihe von Săube- brücken - in den Regionen Santa Ana, Son- (la) Derselbe Oberst Sigifredo Ochoa Perez. Chel des rungsoperationen organisiert. Ende Sep- sonate und Ahuachapan (im Westen des Generalstabs in der Militärzone 2 (Departement Cabatember wurden in den departamentos (De- Landes, an der Grenze zu Guatemala -dU). nas). rebellierte am 6. Januar 1983 gegen seine Ververpartements, Regierungsbezirken - dÛ) San die von der Kaffee-Oligarchie als Gebiete zung als Militärattaché an die Botschaft El Salvadors in Miguel, Usulután und La Unión unter Be- von lebenswichtigem wirtschaftlichen In- Montevideo. Urugua. In einem Rundfunkinterview be- zeichnete er den Verteidigungsminister José Guillermo teiligung von mehreren tausend Regie- teresse betrachtet werden und die zudem im Garcia als cinen »Verräter an den Prinzipien des 15. Oktober« (1979). Vergl. den Artikel von J.P. Beauvais in diesem Heft.
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Die amerikanischen »Empfehlungen« zum Zustand vor den » Verstaatlichungen« Partei der Nationalen Versöhnung (Partido sind Teil eines strategischen Plans, der im vorsicht, die nach 1979 von den Chrisde- de Conciliaion Nacional - PCN), der tradiübrigen stark denjenigen ähnelt, die von mokraten vollzogen wurden. Doch die Ver- tionellen Partei der Militärs, und der Aufden Amerikanern in Vietnam oder von den des »nutzbaren Salvador« ist stieg der Nationalistischen Republikani- Portugiesen in ihren ehemaligen Kolonien auch dazu bestimmt, die militärischen Be- schen Allianz (Alianca Nacionalista Repupraktiziert wurden, und der darin besteht. dingungen herzustellen, dall im kommen- blicana • ARENA) des Majors Roberto das Gros der Truppen um die Regionen den Jahr Gemeinderatswahlen abgehalten d'Aubuisson in der Nationalversammlung herum zu konzentrieren, die von vitalem werden können. Dies ist die neue Etappe in und in der Regierung hat eine Verschiebung ökonomischen Interesse sind, und zur Ver- dem Prozeß, der vom amerikanischen Im- des Schwergewichts in der pseudo-parlaleidigung des übrigen Landes per Hub- perialismus vorangetrieben wird und mit mentarischen Institution und in der Regie schrauber transportierte, von den Amerika- dem versucht werden soll, der salvadoreni- rung El Salvadors hervorgerufen. Dadurch nern ausgebildete und geführte Sonderein- schen Junta ein respektables Image zu ver- wurde die Krise der bürgerlichen Führung heiten einzusetzen, die sehr beweglich sind und in einem gewissen Ausmaß der Widerund über modernes Gerät verfügen. Die Um es der salvadorenischen Diktatur spruch zwischen der amerikanischen Poli- Regionen, deren Verteidigung für wichtig zu ermöglichen, eine derartige Strategie an- tik, die »Reformen« und »Repression« mitgehalten wird, sollen außer der Hauptstadt zuwenden, haben sich die Vereinigten Staa- einander koppeln möchte, und dem Kurs San Salvador die Baumwollpflanzungen in ten darangemacht, eine schlagkräftige, mit der ARENA, die von der lokalen Oligar- ( sulután, die Kaffeepflanzungen in Santa Hubschraubern ausgerüstete Eingreiftrup chie unterstütz wird, verschärft. Letztere Ana, Sonsonate, Ahuachapán und La Li- pe zu schaffen, die berüchtigten Brigaden will eine Rückkehr zu den Verhältnissen die großen Hauptstraßen, »Atlacatl« und »Ramón Belloso«. Doch vor den von der Christdemokratie durchge- Stromnetz und vor allem die beiden Was- bei der Brigade »Atlacatl« erwies sich sehr führten »Reformen«, eine Politik des Terserkraftwerke »Cerrón Grande« und »Cin- rasch, daß ihr Ruf etwas übertrieben war, rors gegen alle Oppositionellen und die co de Noviembre« sein, von denen die denn sie erlitt im Laufe des Sommers 1981 Fortführung des Kriegs bis aufs Äußerste. Hauptstadt und die Provinzen im Westen bei Einsätzen einige schwere militärische Schlappen. Auf alle Falle müssen die USA WASHINGTON WILL DIE EINHEIT
Die Verteidigung dieser Regionen ge- zugleich auch das Potential der salvadore DER JUNTA IN EL SALVADOR ERgen die Angriffe der FMLN auf »ökonomi- nischen Luftwaffe erheblich verstärken, HALTEN scheu Ziele stellt für die Regierung von Al- um ihr Projekt zum Erfolg zu führen. Aber varo Magana in der Tat eine ökonomische sie stehen in dieser Hinsicht vor dem Pro- Die Konflikte zwischen den verschie- Notwendigkeit dar, ist aber auch eine Be- blem, dais die salvadorenischen Militars denen Gruppierungen innerhalb der Natiodingung für die Aufrechterhaltung ihrer technisch nicht ausreichend ausgebildet nalversammlung und der Regierung. die guten Beziehungen zum privatkapitalisti- sind, was die USA dazu zwingt, zur War- zwischen ARENA und den Christdemokraschen Sektor. Vor kurzem haben sich die tung der Flugzeuge und Hubschrauber ein ten gewalttätig ausgetragen wurden, indem Kaffeeindustriellen, die politisch rechts- Corps von amerikanischen Technikern an mehrere führende Personen der PDC unter außen stehen, öffentlich gegen die Wirt- Ort und Stelle zu haben sowie zweifelsohne ungeklärten Umständen ermordet wurden, schaftspolitik der Regierung ausgesprochen auch einge Piloten. sowie diejenigen innerhalb der Armee, die und haben die Anklage erhoben, sie sei Die Probleme der salvadorenischen eben mit der Entwicklung der militärischen identisch mit »der diskriminierenden Poli- Diktatur sind jedoch nicht alleine militäri- Kräfteverhältnisse im Gelände verbunden tik gegenüber dem Privatsektor«, die von scher und strategischer Art. Die Ausboo- waren, haben sich also nicht aufgelöst. Sie den Christdemokraten unter der Präsident- tung der Christdemokraten (Partido De- gehen im Gegenteil so weit, daß die Neutraschaft von Napoleon Duarte betrieben wor- mocratico Cristiano - PDC) nach den Wah- lisierung dieser Differenzen für den USden sei,(2) obwohl ein Gesetzentwurf, der len im März 1982, welche bis dahin von den Botschafter in San Salvador zu einer schweder Konstituierenden Versammlung vor- USA und lateinamerikanischen Ländern liegt, die Liquidierung des Nationalen Kaf- wie Venezuele stark unterstützt worden wa- (2) Zitiert nach *Latin America Regional Reporta feeinstituts (INCAFE) und eine Rückkehr ren, das mächtige Wiederhochkommen der (London). 29. Oktober 1982. HONDURAS
Sun
CHALATENANGO
SANTA
Chalatene 1 Grande •Cerron y Ahoschapen
Suchitatalt CABANAS MORAZAN
Y SAN CUSCATL Sensuntepen
SONSONATE
Sonsonete SAL VADOR : Santa-Ciora San Francisco Gotera /Santa-Tecla -Lac Wes-Vince d'llopeng Chapelt
LA LIBERTAD Zecatecoluc LA UNIO
La l LA PAZ LOSULUTAN Sen Migue
SAN MIGUEL
Aéroport, international Zones tenues par la guérilla RACHELO UE
Golfe -Fonsect 50 km Von der Befreiungsbewegung kontrollierte Zonen (Stand Anfang 1982)
ren Aufgabe geworden ist. Dadurch bestatigt sich in gewisser Weise, daß in der Zer- ZUR STRUKTUR DER FMLN
Der Bildung der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Marti (FMLN) ist ein langwiebrechlichkeit des lokalen bürgerlichen riger Prozeß der Einigung - vor allem zwischen September 1979 und Mai 1980 - voraus- »Transmissionsriemens« immer noch ein gegangen; sie wurde am 10. Oktober 1980 vereinbart und am S. Dezember 1980 vereingebautes Hindernis für die imperialistische Strategie besteht.
wirklicht.
Die FMLN besteht aus 5 Mitgliedsorganisationen, die sich gegenseitig als revolu- Eine bescheidene Etappe im Sinne citionäre Organisationen anerkennen und sich als »politisch-militärische Organisationer friedlichen Bereinigung der Streitigkeinen« definieren (d.h. als eine bestimte, fortgeschrittene Variante von Guerillaorganisaten in den bürgerlichen Reihen ist jedoch tionen); sie sind meistens in eine politiche Partei und in bewaffnete Einheiten gegliedert am Dienstag, den 3. August des Jahres und leiten jeweils auf ihre strategische und taktische Orientierung festgelegte breite 1982, zurückgelegt worden, als die »Platt- »Volksorganisationen« oder »Massenfronten«. form der Regierung der Nationalen Ein- Das höchste Gremium der FMLN ist die 15-köpfige Vereinigte Revolutionäre Fühheit« unterzeichnet wurde, die unter der rung (Dirección revolucionaria Unificada - DRU) aus den 3 jeweiligen Repräsentanten Bezeichnung »Pakt von Apaneca« besser mit den höchsten Funktionen in den 5 beteiligten politischen Richtungen. Die wichtigbekannt ist und einen richtiggehenden ste Struktur der DRU ist deren Exekutivkommission, die sich in die Comandancia Ge- Nichtangriffspakt der verschiedenen politineral (CG) umwandelte. Sie besteht aus den Generalsekretären bzw. führenden Verantschen Parteien darstellt, die in den Instituwortlichen der 5 Organisationen in der Front, die zugleich Mitglieder der DRU sind. tionen der Diktatur vertreten sind. Dieser Pakt, der unter der Ägide des Präsidenten Die personelle Zusammensetzung der CG ist allgemein bekannt. Ihr Mitglieder Alvaro Magana und des Verteidigungsminisind: Salvador Cayetano Carpio, genannt »Marcial« (FPL-FAPL), Ferman Cienfugos sters José Guillermo Garcia, den beiden (RN-FARN), Shafig Jorge Handal (PCS-FAR), Roberto Roca (PRTC), Joaquin Villa- Repräsentanten der amerikanischen imperialistischen Politik in El Salvador, ange- Der DRU bzw. der CG beigeordnet sind 5 Strukturen - wie der nationale Generalnommen wurde, sicht die Einsetzung einer stab, eine Kommission für internationale Beziehungen (CORINTER), eine Kommis- Kommission vor, die einen Arbeitsplan für sion für Finanzen (COFIN) usw. Darunter ist auch die Politsich-Diplomatische Komdie kommenden Gemeinderatswahlen ermission, an der Repräsentanten sowohl der FMLN als auch der FDR beteiligt sind. stellen soll. Es wurden außerdem zwei weitere Kommissionen gebildet, eine für »die Quellen: »FMLN - Publicación Especial de la Comisión de Propaganda del FMLN; El Menschenrechte« und eine für »die Amne- Salvador, Centro América«, o.O., o.J. (verfaßt etwa Herbst 1981); stie und den Frieden«. Die wesentliche »Nicaragua Aktuell« (Kiel), Nr. 16/17, Februar 1982, Sonderheft El Salvador. Funktion dieses Paktes bleibt recht begrenzt. Es geht darum, im Hinblick auf die Für einige Angaben über vier Organisationen der FMLN, die größeren Volksorganisa- Wahlen eine zu starke Polarisierung zwitionen und Einigungsprozeß siehe »Inprekorr« Nr. 125, 16.06.1980, S. 6. schen den verschiedenen Parteien - und ins- Ausführlichere und zuverläßige, aber nicht erschöpfende Auskunft geben Wolfram Brönner/Heinz-Jürgen Nieth: Der Kampf um El Salvador - Volkserhebung und Interbesondere den Christdemokraten und der ARENA - zu vermeiden. Aber wenn man vention, Darstellung und Dokumentation, Köln 1982, prv-aktuell Nr. 256. weiß, daß das politische Ziel der USA nichts weniger beinhaltete als ein Aufbrechen der Einheit der Revolutionär- Demokratischen Front (Frente Democratico Revolucionario - FDR) bis zu den nächsten Wahlen, um zu versuchen, daß ein Sektor an den Wahlen mitmacht, so wird deutlich, daß dieser Pakt, der von bestimmten Unterzeichnern bereits wieder in Frage gestellt wird, in Wirklichkeit nur eine recht dürftige Scheinversöhnung darstellt. Vor diesem Hintergrund hat die be-