Iran: Augenzeugenbericht aus dem befreiten kurdischen Gebiet von Jean Bertolini, Anfang August 1982.rungstruppen die Halfte der strategischen Straße von Piramshar Jean Bertolini hielt sich im Sommer 1982 einen Monat lang im nach Sardacht und auch die Ortschaft Mirawch (Mirabad auf Periranischen Teil Kurdistans auf und drehte einen Film, der im fransisch), von der Bertolini berichtet - aber die Widerstandsbewegung zösischen Fernsehen gezeigt wurde. Auch sein schriftlicher Bericht kontrolliere weiterhin 90 % des flachen Landes und der Berge. Am (aus Le Monde vom 14, und 15. August 1982) ist höchst aufschluß- 31. Oktober verkündete ein Sprecher der DPKI (Demokratische Partei Kurdistans im Iran) sogar, daß die Stadt Bokan vom Wider- Im September schlug die iranische Regierung mit ihrer Großstand kontrolliert werde, was Oberst Sayed Shirazi, der auf der offensive gegen Kurdistan, von der in Bertolinis Bericht die Rede persischen Seite den Krieg gegen die Kurden kommandiert, allerist, los. Nach Aussagen des Scheich Ezzedin Hosseini, des religiösen Oberhaupts der kurdischen Sunniten im Iran, der im Herbst Europa besuchte (Le Monde, 3. Nov. 1982), eroberten die Regie- Um die Iraker aus ihrem Land zu ver- es keinerlei Abneigung im Volk, keine tratreiben, zögerten die Iraner nicht, Tausen- ditionelle versteckte Feindschaft, die im Bede, ja Zehntausende von schlecht bewaff- darfsfall geschürt werden kann. Diesen neten Kindern unter den Rufen »Allah Ak- Krieg müssen die Iraner allein führen. ohne bar!« (Allah ist groß!) gegen die gegneri- die bedingungslose Unterstützung der Masschen Positionen anrennen zu lassen. sen, und mit einer Armee, die sich dem Irak fielen auf dem Schlachfeld, von den Kugeln gegenüber ihrer Sache sicher war, hier aber niedergemäht und von den Explosionen das Gefühl hat, einen schmutzigen Krieg zu zerrissen -aber ihr Ansturm konnte nicht zum Stillstand gebracht werden. Als illegale Besucher ohne Visa dran- Hinter ihnen stürzte sich die iranische gen wir auf Maultieren in das verbotene Armee mit ihren Panzern, ihren Panzerlast- Gebiet ein, überkletterten Berge von 2 500 wagen und ihrer Infanterie in die Breschen, Meter Höhe. Dörfer verstecken sich in den welche sie mit ihrer Aufopferung geschla- Gebirgsfalten mit ihren übereinandergegen hatten. Die professionellen staffelten Häusern, deren flache Dächer machten aus dem unsinnigen Elan all dieser mit Erde bedeckt sind. Wo die Frauen ar- Heranwachsenden einen militärischen Sieg. beiten, sieht man ihre Brokatwesten glit- Seitdem überschritten die Iraner die Grenze zern und ihre grell bunten Kleider schillern. in der festen Überzeugung, daß sie die ira- Mitten in den reifen Weizenfeldern blitzen kische Armee völlig vernichten und das Re- die Sicheln von Männern mit ihrem Turgime von Saddam Hussein zum Sturz brin- ban, dem weiten Hemd, dem dicken Stoffgen werden. Und siehe da - sie schnappen gürtel und der Puffhose, ihrer traditionelnach Luft, sind erschöpft und kommen im len Kleidung. Eigentlich merkt man gar heißen Wüstensand nicht mehr vorwärts... nicht, daß auch hier Kampfgebiet ist und Verschwendete das Khomeini-Regime daß diese Heiterkeit und Stille nur bedeunicht blind seine lebendigsten Kräfte? Denn tet, daß der Kampf aufgeschoben ist. es hat nicht nur den Golfkrieg zu führen. Da entdeckt man auf dem Gipfel eines Mehr als ein Drittel der Armee und der Re- Hügels eine Luftabwehr-Batterie. Hinter volutionsgarden schlagen sich im eigenen den Zielfernrohren die Peshmerga, die kur- Lande, nämlich im iranischen Kurdistan, dischen Kämpfer, wie sie die vor Hitze dungegen die kurdischen Autonomisten. Und stigen Talsolen beobachten. Man errät, daß da gibt es hohe Berge, die wie Wälle die kon- weitere Positionen auf jedem Bergeskamm ventionellen Truppen aufhalten, so dass sie eingerichtet wurden. Mit Patronen gepanihre schwere Kriegsmaschinerie nicht ent- zerte Männer kommen uns entgegen, heifalten und keine begeisterten Kinder in die Ben uns willkommen und laden uns in einer Schlacht schicken können, falls sie hier je Hütte aus Zweigen ein, um einen dampfenauf die Idee kämen. Aus Teheran kann de Samowar herum uns niederzulassen. jetzt kein Journalist mehr sich in diese Ge- Vom Chef dieses Sektors erfahren wir, daß gend begeben; und das mit gutem Grund: sämtliche Waffen, die man hier hat, wähdie Regierung hat es nur zum Teil unter rend der Revolution in den Kasernen der Kontrolle und schlägt sich mit einer Auf- kaiserlichen Armee erbeutet hat. standsbewegung herum, mit der sie einfach Die Wachen blieben auf ihren Posten, nicht fertig wird. Um in Kurdistan zu ge- denn man kann nicht vorhersehen, wann winnen, hätte sie eine Unmenge an Freiwil- der Feind auftaucht. Der Feind, das sind Selbstmordkandidaten der Phantom-Überschalljäger Aber die Kurden sind keine Iraker, die Kur- und der Kampfhubschrauber Cobra, die den sind nicht in den Iran eingefallen; die beide sehr schwer zu treffen sind. Das kann Kurden sind auch Iraner, und gegen sie gibt aber auch eine Panzerkolonne sein, die sich - 21 den Durchgang durch eine Schlucht erzwingen will und die man sofort festnageln muß. Das geringste Nachlassen kann unkalkulierbare Konsequenzen haben, wenn man im Verhältnis eins zu hundert kämpft.
Unsere Maulesel wurden auf die Weiden gelassen. Ein Jeep erwartet uns unter einem Baum in der Nahe einer befahrbaren Piste, die braune Mäander zeichnet in die von purpurroten wilden Mohn übersähten Wiesen. Unser Ziel: der Hauptsitz der Demokratischen Partei Kurdistans im Iran (DPKI), einer Partei, die von der Mehrheit der sechseinhalb Millionen Kurden, die im Iran leben, unterstützt wird und mit der die Volksmudschahidin, die linken schiitischen Moslems und die Aserbeidschani, die ebenfalls in Opposition zum Khomeini-Regime stehen, verbündet sind.
Mit dem Jeep fahren wir bis zu einem unter Blattwerk verborgenen Parkplatz am Eingang zu einer ziemlich bewaldeten Schlucht; über ein Dutzend Fahrzeuge stehen schon dort. Zu Fuß klettern wir im Bette eines Sturzbaches hinauf, ohne daß uns etwas Ungewöhnliches auffallt. Dabei sind wir im Nervenzentrum des Widerstands, genau dort, wo alle wichtigen Entscheidungen gefällt werden, mitten in einer unsichtbaren Ortschaft. Man kann sich gar nicht vorstellen, daß es an diesem Ort in elektrisch beleuchteten Bunkern, die von Stromerzeugungsaggregaten gespeist werden, Redaktionsräume gibt, wo für die Mitglieder und Kämpfer Broschüren, Flugblätter und Zeitschriften gedruckt werden, Schlafsăle, Essräume, Küchen, fließendes Wasser und Telephon in jedem Lokal, Abortanlagen, ein Radiosender, eine Bibliothek, eine Fernsprechvermittlungsstelle - und schließlich ein Rundfunkstudio, wo Spitzensprecher, die von den Peschmerga sehr geschätzt werden, täglich in drei Sprachen - Kurdisch, Aserbeidschanisch und Persisch gegen das islamische Regime vom Leder ziehen und Demokratie predigen.
SCHARMUTZEL UND HINTERHALTE
Erst durch Doktor Ghassemlu, den Sekretär der Demokratischen Partei Kurdistans im Iran, der uns in Empfang nimmt, entdecken wir diesen geheimnisvollen Schlupfwinkel. Ghassemlu ist groß, schon über die fünfzig und etwas ergraut, hat eine Adlernase, einen etwas gebeugten Rücken und geht etwas in die Breite - eine Persönlichkeit, die eigentlich nicht in das Schema cines Kriegers hineinpaßt. Er ist ein Intellektueller, kennt mehrere Sprachen und lebte dreißig Jahre lang in Europa im Exil - ein Aufenthalt, den er zu nutzen wußte. Als wir uns dieses moderne Hauptquartier ansahen, kamen uns unsere Erfahrungen im Maquis von Afghanistan in Erinnerung. Hier bei den Kurden von Iran eine sehr effektive, gut durchorganisierte Partei, welche über eine große Mehrheit verfügt - dort in Afghanistan eine ganze Palette von Parteien, die sich mehr oder weniger einig sind und mehr oder weniger zusammenarbeiten. Auf afghanischem Boden kämpft man, wie es einem gerade einfallt ohne jegliche Gesamtstrategie, man kämpft halt für sein Dorf, für sein Tal... Und diese kühnen Improvisationen gehörden zu einem Kampf, der oft mehr an einen mittelalterlichen Bauernaufstand erinnert...
»Bei unsu, erklärt Doktor Ghassemlu, »bilden die Organisation, die Methode zusammen mit der Strategie eine Einheit. Nichts wird dem Zufall überlassen. Unsere zwölftausend Kämpfer und unsere sechzigtausend Mann Zusatztruppen stehen unter dem Befehl von verantwortlichen Leuten, die den Anordnungen folgen, welche hier das militärische Oberkommando der DPKI und das Politbüro herausgeben.« In der Tat kommen auch in den beiden Widerstandsbewegungen zwei gänzlich verschiedene Ablehnungsgründe zum Ausdruck. Die Afghanen ziehen sich angesichts der brutalen Invasion der Sowjets, die gewissermaßen einen Aspekt der industriellen Gesellschaft verkörpern, zurück auf ihre Vergangenheit und ihre Religion; sie erklärten dem gottlosen Eindringling den Heiligen Krieg. Auch der Iran benutzte diesen Rückgriff auf die ursprünglichen Quellen. um das pro-westliche Schah-Regime zu zerschlagen. Aber statt den kaiserlichen Despotismus durch ein aufgeklärtes Regime zu ersetzen, kamen die dunklen Kräfte des Dogmatismus wieder zu Ehren und brachten eine sektiererische Tyrannei hervor. Zwar sind die Kurden sehr empfindlich, wenn man ihre Traditionen, ihre Kultur anrührt; aber diesen Abstieg in vergangene Zeiten wollten sie nicht mitmachen. Sie wollen sich an unserem Jahrhundert orientieren.
Die Ramadan-Offensive (der iranischen Truppen), die offiziell bezweckte, das Regime von Saddam Hussein zum Einsturz zu bringen, hatte auch ein Ziel, das nicht offen ausgesprochen wurde: nämlich die Kurden im Iran völlig einzukreisen. In dieser Absicht zogen die Iraner bestimmte Truppenteile, die an der sowjetischen Grenze stationiert waren, ab, um die Kasernen in Kurdistan zu verstärken. Während ein Teil der iranischen Armee vom Süden her Teil der iranischen Armee vom Süden her Zuerst wird eine Schweigminute eingein den Irak eindrang. bereitete sich der an- legt zum Andenken an diese beiden Heldere Teil im Norden darauf vor, über Ma- den, welche der Schah exekutierte, nachhabad und Piramshar durchzustoßen. Die- dem seine Truppen den kleinen dissidenten se beiden Invasionstruppen könnten dann Kurden-Staat eingenommen hatten. Achsich jenseits der Grenze vereinigen und ih- tunddreißig Jahre sind seither vergangen, ren Ring um den kurdischen Widerstand achtunddreißig Jahre der Unterdrückung und des Untergrundkampfes. Aber heute Als die DPKI von diesen Plänen er- ist die Partei immer noch da. Mehrere Male fuhr. berief sie sofort alle Mitglieder des wurde ihr der Kopf abgeschlagen; aber sie Zentralkomitees zu einem Plenum ein. Da wußte sich immer wieder neu zu schaffen wir gerade zu diesem Zeitpunkt ankamen, wie diese Bäume, die gefällt werden, aus lud uns Doktor Ghassemlu ein, an der Sit- deren Wurzeln aber immer wieder neue zung teilzunehmen. Etwa fünfzig Manner Bäume entstehen. Etliche der Männer, die sitzen an einer Reihe von Tischen, die an- hier in diesem Saale sitzen, halten sich noreinandergerückt die Mitte cines großen malerweise hinter den feindlichen Linien Raumes einnehmen. Hinten ist an der 'auf und brauchten mehr als zehn Tage, um Wand ein Spruchband aus weißem Stoff zum Politbüro zu kommen. Für die kombefestigt, auf dem in roten Lettern der mende Offensive beschließt nun das Zen- Grundwahlspruch der Partei steht: »Demo- tralkomitee eine Taktik. Außerhalb der bekratie für den Iran, Autonomie für die Kur- freiten Gebiete wird es vermehrt kurze An den Enden thronen die Büsten Überraschungsschläge und Hinterhalte geder Brüder Qazi Mohammed. der Begrün- ben in den kommenden Wochen. Die beder der Partei sowie der kurzlebigen auto- drohten Punkte der befreiten Gebiete solnomen Republik von Mahabad 1946. len verstärkt, aber auf jeden Fall gehalten U. R S.
Trebironde
U E - Erzindian
Tour Golu
Ensei.
IRAN → Ravendoui *Alep lama • Moms •Tedmor MESOPOTĄMIE Tekrit• Tripol IRAD** Beyroulto • Damas Euphrate
Joffo Kerbele + + Grenze der Ausdehnung relativ homogener kurdischer Bevölkerung
EGYPTE 10200 Besso
Politische Karte von Vorderasien Ausdehnung der Kurdischen Bevölkerung (aus B. Nikitine, a.a.O., S. 185) - 22
werden. Davon hängt das Schicksal des gesamten kurdischen Widerstands ab. Am Schluß der Versammlung vertraut uns Dr. Ghassemlu an: » Wenn unser Entscheidungszentrum sich hier befindet in diesem Tal, dann aus dem Grunde, weil es ziemlich genau im Mittelpunkt der vier Stadte Sardacht, Piramshar, Bokan und Mahabad, die heute von der Armee und den Pasdaran beserzt sind, liegt.« DIE ZEIT DES GROSSEN RÜCKZUGS
Sardacht, Piramshar, Mahabad und Bokan - das sind vier Städte, die wir 1978 erlebt hatten -, frei und überbrodelnd. Schon bei den ersten Bewegungen, die dann zum Sturz des Schahs führen sollten, hatten die Bewohner dieser Städte die Kasernen der Armee im Sturme genommen - einer Armee,die vom Zerfall des Kaiserreichs geschockt war. In überschwenglicher Freude feierte man den Beginn eines neuen Zeital ters.
Aber im Jahre 1979 demonstrierten diesselben kurdischen Massen, um die Demokratie, die immer noch auf sich warten ließ, zu fordern sowie die innere Autono mie, die man ihnen schon abgelehnt hatte. Der Bleideckel der unseligen Vergangenheit senkte sich wieder auf fast das ganze Land. In Teheran und Tabris zogen die Frauen, die schon ohne Schleier gegangen waren, wieder den Tschador über. In Kurdistan dagegen lehnten sie den Tschador ab und demonstrierten an der Seite der Männer. Zusammen mit ihnen wollen sie eine Revolution weitertreiben, die im restlichen Lande plötzlich zu Stein geworden ist. Der Iran muß ein einziges Land und unteilbar sein, dachte der Schah einst. Paradoxerweise ist der Imam Khomeini genau der gleichen Ansicht. Die Kurden, sunnitische Moslem, trauen diesem übersteigerten Wideraufleben des Schiitismus nicht, der in der Vergangenheit immer der Sache der Perser gedient hatte. »Demokratie für den Iran, Autonomie für die Kurden«, schrieen sie mit dem Gefühl, verraten worden zu sein.
Tatsächlich hat Khomeini Angst vor den Kurden, Angst vor ihrem Projekt, daß alle Völker des Iran die Autonomie haben sollen, denn dadurch würde die Vorherrschaft der Perser im Iran infrage gestellt werden. Dieser Gedanke muß verbannt, muß auf jeden Fall erstickt werden. Der Imam mobilisierte seine Schiiten und schickte sie nach Kurdistan. Die Revolutionsgarden fielen in Nagadeh (70 km nordwestlich von Mahabad) ein, einer Stadt, die gemischte Bevolkerung, schiitische Aserbeidschani und Kurden, hat. Ihr Zweck: ein Klima des religiösen Haßes zwischen den beiden Gemeinschaften, die bislang in gutem Einvernehmen miteinander gelebt hatten, zu erzeugen. Eine Provokation genügte, um die Feindseligkeiten ausbrechen zu lassen. Die Kurden verteidigten sich. Wir hielten uns damals, im Jahre 1979, in Nagadeh auf und waren Augenzeugen eines der ersten Gefechte dieses Bruderkrieges. Auf der einen Seite fanatisierte kriegslüsterne Banden, die einen Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen zu führen glaubten, auf der U .R. S
Makou
AZERBAIDIAN
OCCIDENTAL 43079 ÚRQU oKotour 2 4811 d'Ourmic Sabriz
AZERBATDJAN ?
Ouroumion (Rezaiyeh)
Racht° YOushnevied 2 Nogianh Myandoab
Mahabad Bokan
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PErbi S dach. Saggez KURDISTAN
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Sanandaj
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ILAM LORESTAN
AGDAD anderen Seite angegriffene Bürger, die ihr in Baneh. Das ist der Grund, warum wir in Haus und ihre Familie zu schützen suchten. die Berge gegangen sind. Aber die Stadte Die Armee, die gestern noch »kaiserlich« sind für unsere Organisation immer noch war, gab den Gesandten der Islamischen sehr wichtig, auch wenn sie besetzt sind. Republik Hilfestellung. Ihre Panzer und Die Bevölkerung ist für uns. Sie versorgt Hubschrauber beschossen die kurdischen uns mit Benzin und mit allen lebensnotwen- Viertel von Nagadeh und töteten unte- digen Produkten. Die Kontrollen der Arschiedslos Frauen, Kinder und Alte. mee und der Pasdaran sind ganz und gar kurdischen Kämpfer waren zahlenmaßig nicht undurchlässig, glauben Sie mir.« unterlegen und hatten keine wirksamen Waffen gegen die modernen Kriegsmaschi- RATE UND KAPITALISMUS nen der Armee; sie sammelten ihre Toten ein und zogen sich zurück, während rasen- Abdul Amini, ein junger, rothaariger de Mengen mit dem Ruf » Tötet die Ungläu- Mann, war früher Leutnant in der iranibigen!« durch die eroberte Stadt zogen. schen Armee und ist heute Kommandant Am nächsten Tag wurden die Opfer des größten der drei Gefängnisse des Wivon Nagadeh auf dem Friedhof von Maha- derstands. Wir stoßen zu ihm, als er sich Anwesenheit einer gerade abmüht, den Pasdaran und den Solschweigsamen Menge, die in diesem Be- daten, die weder lesen noch schreiben köngräbnis das Ende ihrer Illusionen sah. nen, mithilfe von Gefangenen mit akademi- Heute sind die großen städtischen Zen- scher Ausbildung, die es sehr schätzen, wie tren Kurdistans von Panzern umgeben und er die Gefangenen behandelt, zu alphabetiliegen in den Händen der Armee und der sieren. Die meisten der vierhundert Leute, Revolutionsgarden. Was aber nicht heißt, die bei ihm in Haft sind, werden vor einem daß der Widerstand aufgehört hätte. Jahr wieder freigelassen werden, und Ab- »Wir konnten die Städte dul Amimi hofft fest, daß sie sich nicht halten«, erklärt uns Dr. Ghassemlu. »Luft- noch einmal so leicht an der Nase führen waffe und Armee bombardierten die Zivil- lassen von Leuten, die es seiner Meinung bevölkerung. Denken Sie an Sanandaj nach darauf abgesehen haben, das Land in 1980. Dort hatten wir 2 500 Tote, dazu 600 Finsternis und Unwissenheit zu tauchen. - 23
Die iranischen Kurden, die kulturell unterdrückt wurden und deren Existenz als Volk bedroht war, wissen die Bildung zu schätzen und unternehmen alle Anstrengungen, um sie zu erhalten und zu verbreitern, denn sie haben zu ihrem Leidwesen zu spüren bekommen, daß die Ignoranz die beste Verbündete von Fanatismus und Tyrannei ist.
Heute schießen in Kurdistan in jedem Weiler Schulen wie Pilze aus der Erde. Die Kinder können es kaum erwarten, bis sie aufmachen, und lauschen gespannt den Worten der jungen Lehrer, welche eiligst ausgebildet werden mußten, und verschlingen die Grammatik- und Geschichtsbücher, welche die DPKI hatte schreiben und drucken lassen. Unter dem Schah-Regime mußten die Schüler Persisch lernen, und es war ihnen verboten, ihre eigene Sprache im Unterricht zu sprechen. Was viele veranlaß. te. einfach zu schwänzen.
Von den Klassenzimmern bis zu den Räumen der Dorfräte war es im allgemeinen nicht weit. Diese Gemeinderäte, welche von der Demokratischen Partei etwa in derselben Zeit aufgebaut wurden wie die Schulen, nämlich in den leızten drei Jahren, funktionieren etwa so wie bei uns. Sie ziehen die Steuern ein, mit denen man die Bedürftigen unterstützen, die kommunalen Wege unterhalten, die Interessen ihrer Bürger verteidigen und die täglich anfallenden Geschäfte und Aufgaben regeln kann. Gibt es einen schweren Streit zwischen zwei Leuten oder gar zwischen zwei Familien, dann rufen sie einen der drei umherziehenden Richter des befreiten Gebiets zuhilfe. In Miraweh, einer großen Ortschaft an der irakischen Grenze auf halbem Wege zwischen Piramshar und Sardacht, nehmen wir an einer Sitzung des Rates teil, dem Rassul Hassan Zada, Händler und Mitglied der DPKI, vorsteht. Auf dieser Sitzung beschließen die Gemeinderäte, die von den Einwohnern gewählt wurden, eine Dienstbehörde für die Unterhaltung des Wegenetzes zu schaffen und sie zu finanzieren mithilfe einer Steuer auf die hohen Einkommen der Kaufleute und Händler, welche an diesem Kreuzweg nahe der Grenze viel Geld umsetzen und ganz schön verdienen. Au- Berdem wird eine Aufklärungskampagne beschlossen, damit die kleinen Ladenbesitzer und Handwerker vor ihren Läden und Werkstätten saubermachen und nicht mehr einfach den Abfall auf die Strße werfen. Sollte das nicht ausreichen, dann gedenkr der Gemeinderat härtere Mittel einzusetzen, z.B. Strafzettel zu verteilen. Miraweh ist nämlich viel zu rasch gewachsen; seitdem die größeren Städte (des iranischen Kurdistan) von der Armee besetzt wurden, ist dieser Ort zum bedeutendsten Handelszentrum des Widerstands und auch zum wichtigsten Schmuggelzentrum geworden. Im gutversorgten Bazar findet der Kunde alle notwendigen und alle überflüssigen Waren. Da sind glitzernde Töpfe ausgestellt, Toilettensachen und Parfums, Leckerbissen, bunte bedruckle Tücher und wertvolle Teppiche; hinter Bergen von Fruchtsäften kann man auch Wein- und Bierflaschen und sogar Whisky finden. Eine Tankstelle, die - wer weiß wie - ihr Benzin in S00-Liter-Fässern aus den besetzten Gebieten erhalt, versorgt Busse und Taxis mit Brennstoff, aber auch die Privatautos, welche die Hauptstraße verstopfen. Und uberall wird gebaut: neue Laden. neuc Wohnungen. Restaurants... Aus allen Ecken Kurdistans kommen Steinmetze. Maurer. Zimmerleute und Lastträger in diesen aufstrebenden Ort zusammen, und auf der Stelle finden sie Arbeit. Vielleicht ist dieses Gewimmel nicht von langer Dauer. Deshalb versuchen manche, maximalen Profit daraus zu schlagen, sammeln in aller Hast Reichtümer an und genehmigen sich alles, was ihnen gefällt. Und was einem Kurden am meisten gefällt. auch wenn er wohlhabend ist. das sind die Waffen. Kleine Schieber bieten sowjetische Kalaschnikows zum unglaublichen Preis von 10 000 DM - und sie finden Abnehmer. die bar bezahlen und mit ihrem Spielzeug auf dem Rücken davonstolzieren, wobei sie für Kämpfer gehalten werden wollen, was sie gar nicht sind. Denn die wirklichen Kämpfer, die von der Demokratischen Partei voll ausgerüster und unterhalten werden, die sind dort, wo die Kugeln fliegen, und haben kaum die Zeil, hier herumzu- Man muß schon auf Miraweh aufpassen: hie und da sicht die Ortschaft schon wie eine Kloake aus. Der Abfall verstopft die Abwasserkanäle. Rassul Hassan Zada und sein Gemeinderat haben sich eine Frist von zwei Monaten gesetzt, um mit Strenge und Pragmatismus ihre Stadt umzuwandeln.
BRUDERZWIST »95 % der Kurden sind für Autonomie«, behaupter Doktor Ghassemlu, »und von diesen 95 % sind mindestens 80 % voll und ganz mit unserer Partei«.
Diese Zahlen entsprechen ziemlich genau dem Ergebnis der Parlamentswahlen von 1979, als die Kandidaten der DPKI zwischen 80 und 85 % der in Kurdistan abgegebenen Stimmen erhielten. Übrigens konnten die gewählten Abgeordneten nie ihre Sitze im Parlament von Teheran einnehmen, weil die islamische Regierung • damals unter Bani Sadr - diese Stimmen ungültig machte, indem sie die kurdischen Autonomisten nicht gesetzlich anerkannte. Unter den übrigen 15 % der Bevölkerung findet man die Unentschiedenen, die Unpolitischen, aber auch die Gegner der Führung der Demokratischen Partei, welche diese für zu bourgeois und opportunistisch halten. Darunter unter anderem die »Komala« oder »Vereinigung", eine sehr dogmatische marxistisch-leninistische Partei, die an die 600 Kämpfer zählt. Im Iran, wo man keine Opposition toleriert, wird die Komala gejagt; in den befreiten Gebieten Kurdistans aber kann sie frei handeln und sich ausdrücken, was sie voll ausnützt. Die DPKI hat auch nicht ausschließlich Freunde unter den Kurden, welche in den Nachbarländern wohnen. Derzeit kann sie auf die diskrete Unterstützung von Bagdad nicht verzichten, das seine Grenze schließen und damit die Verbindung zum Ausland unterbreche könnte, wenn sie zu dickköpfig wird. Und andererseits kriegen die kurdischen Opponenten des Irak Hilfe aus Teheran und Damaskus. Diese drei Hauptstädte handeln also nur nach ihrem jeweiligen ureigenen Interesse, bedienen sich der Kurden nur, um ihre Nachbarn zu schwächen, und tun auch alles, um sie gegeneinander aufzuhetzen. Die Kurden, von allen Seiten umzingelt, können sich von diesen zweifelhaften Bündnispartnern nicht freimachen. Die Beziehungen der DPKI mit den kurdischen Sozialisten im Irak von Rassul Mamendi, die im Irak arbeitende Ausländer als Geiseln nehmen, sind manchmal ziemlich gespannt. Ghassemlu sieht in derartigen Aktionen Zeichen politischer Unreife. Wiederholt intervenierte er persönlich, um französische Gefangene freizubekommen, und wenn er dabei Erfolg hatte, dann sicher auch aufgrund des günstigen Kräfteverhältnisses. Bislang sind die Meinungsverschiedenheiten mit dieser Organisation immer durch Verhandlungen beigelegt worden.
Zwischen der DPKI und der Patriotischen Union Kurdistans von Jalal Talabani, einer der ersten Opponenten gegen den Mollah Mustafa Barzani in den 60er Jahren, blüht auch nicht immer der Honigmond. Talabani, der zur Zeit in Damaskus residiert und im Irak über ungefähr viertausend Mann unter Waffen verfügt, sympathisiert im Iran eher mit den Marxisten-Leninisten. Die Führer der Demokratischen Partei wenden auf ihn dieselben Bezeichnungen wie die Komala ihnen gegenüber. Wie dem auch sei, man kann sich gegenseitig immer als kleinbürgerliche Opportunisten beschimpfen, ohne deshalb den Streit gleich mit der Waffe auszutragen. Sollte die Auseinandersetzung einmal derartige Formen annehmen, dann wäre die DPK1, die viel stärker und besser bewaffnet ist als sämtliche übrigen Parteien zusammen. eindeutig im Vorteil. Aber dann käme sie in Widerspruch zu ihrer historischen Rolle, nämlich die Kurden zusammenzubringen und zu vereinen, in Widerspruch zu den Idealen, wofür sie kämpft. Die Führung der DPKI unternimmt alles, damit die Rivalitäten in Debatten kanalisiert werden. und sucht die Diskussion mit ihren Gegnern.
HEMO KARKERÊN DINE BI YEKBIN bo yekitiya kurdistaneki sosyalist Çİ BİKİN
KOVARA MARKSİSTEN SOREŞGERÎ KURDİSTAN I BIKIN ist die Zeitschrift kurdischer revolutionärer Marxisten. Sie ist auf Türkisch und Kurdisch geschriebe * * NEU ERSCHIENEN: »ENTERNASYONAL« Mit dem Staatsstreich vom 12. Sep tember und der Machtübernahme durch die türkischen Militärs wurde jegliche Form Wütün ötkelerin iscileri, birleşin! von Opposition zerschlagen, hat man die ENTERNASYONAL elementarsten Rechte Arbeiterklasse wie dem kurdischen Volkes weggenommen. devrimci: marksist derzi Die Gruppen der Linken und der extremen den Gewaltstreich 00301 OON 198) zerstückelt; sie haben kaum mehr die Mög- YAFMATI lichkeit, in der Türkei aktiv zu sein. Die Tatsache, daß unmittelbare Reak- Staatsstreich ausblieben, bitin wielerin iscilri, birleșia! führt die Sozialisten heute dazu. ihre politischen und organisatorischen von früher neu zu überdenken. Die türkische Linke erlebt derzeit die tiefste Krise in ihrer Geschichte. Und diese Krise hat auch die über zwei Millionen Türken und Kurden erfaßt, die in Westeuropa leben. Die revolutionären Marxisten, die in den Jahren 1978 - 1980 die Möglichkeiten legaler Publikationen ausgenutzt hatten, - 25 * intervenieren jetzt in diese politische Diskussion mit einer neuen Zeitschrift, die in Westeuropa herauskommt: Enternasyonal. In der Sondernummer vom Januar 1983 werden als Dokumentation Texte aus der Zeit vor dem 12. September sowie Artikel über den Staatsstreich veröffentlicht: - Vor dem 12. September - Während die einen den Faschismus, die anderen die Revolution erwarten, kam indes der Kemalismus.
- Manifest von 1978 - Über die Einheitsfront der Revolutionäre - Über den Generalstreik von 1979 - Das Massaker von Kahramanmaras Bestellungen sind zu richten an: -»Enternasyonal«, Librairie LA BRECHE, 9 rue de Tunis, F 75011 Paris (das Einzelexemplar zu 8 FF plus 2 FF Porto) - oder an INPREKORR, Olgastr. 49, 7000 Stuttgart 1 (3,50 DM in Briefmarken)
DOKUMENTE DER VIERTEN INTERNATIONALE
Die Gruppe Revolutionäre Marxisten (GRM), die österreichische Sektion der IV. In- Umfang: 112 Seiten im Format DIN A 4. ternationale, hat im Herbst 1981 eine Broschüre mit drei Entschließungen und zwei Berich- Preis: 7.- DM: 50.- OS: 6.- SFr: 36.- LIr. ten, die von den beiden höchsten Gremien der IV. Internationale. dem Weltkongreß und dem /EK, mit Mehrheit angenommen worden sind. Zu beziehen bei:
Der Band enthalt im einzelnen: SAP GIM • Vorwort des Politischen Büros der GRM: (Schweizer Sektion) (Deutsche Sektion) • Bericht zur weltpolitischen Lage, von Ernest Mandel: Postfach 299 Mainzer Landstr. 147 • Die Wende zur Industrie und die Aufgaben der IV. Internationale. von Jack Barnes: 8031 Zürich 6000 Frankfurt/M. I • Die weltpolitische Luge und die Aufgaben der /V. Internationale. Resolution des XI. Weltkongresses (S. seit der Wiedervereinigung) vom November 1979: LCR GRM • Resolution des Weltkongresses zu Lateinamerika: (Luxemburger Sektion) (Osterreichische Sektion) • Die Weltlage und die Aufgaben im Aufbau der /V. Internationale. Resolution des 1LK Case postale 1182 Lustkandigasse 4 vom Mai 1981. Luxembourg.« 1090 Wien