Anfang Juni ist Genosse Mohamed Awad Chamis. Mitglied der Leitung der ägyptischen Organisation RKL (Revolutionar- Kommunistische Liga) im Gefängnis "Torra' in Kairo-Heluzn "versch wunden'. Obwohl er dort bereits seit dem 15:1.80 mhaftiert war. kennt ihn die Gefängnisdirektion plotzlich nicht mehr und er scheint auch auf keiner Liste mehr auf. Seine Mitgefangenen. ebenfalls politische Gefangene des Sadai-Regime, berichteten, dab er eines Tageş Anfang Juni, zu einem Verhor abgeholt wurde, von dem er nicht wiederkehrte. Weiters berichteten die Genossen, daß sie während der Verhöre mit Flek troschocks und anderen physischen und psychischen Mitteln gefoltert wurden, wobei einige Genossen schwere Verietzungen davontrugen. Mohamed war der Polizei als einer der Führer des Januaraufstandes 1977 und auch als fuhrendes Mitglied der RKL bekannt. Die Tatsache der plötzlichen Linkenntnis der Gefängnisdirektion und der Polizei in Bezug aul Mohamed. die Tatsache der Folterungen. die Tatsache. daß Mohamed als leitendes Mitglied der RKL der Polizei vieles an Informationen über die Organisation hätte gehen konnent sie ist, so wie alle anderen linken Organisationen auch, illegal) all dies läßt den Schluß zu, daß Mohamed mit großter Wahrscheinlichkeit von der Polizei während des Verhöres ERMORDE: | worden ist.
Die Ermordung Mohameds findet in einer Zeit statt, in der das Sadat-Regime zunehmend isoliert wird. Die Grundlage fur diese Isolierung ist im wesentlichen im volligen Scheitern seiner Wirtschaftspolitk. der sog. „Infitah", der völligen Öffnung des Landes fur das ausländische Kapital zu suchen. Mit diesem Projekt versprach Sadat eine entscheidende Verbesserung der wirtschaft lichen Lage und v.a. der materiellen Situation der armen Massen. Damit versuchte Sadat sie nach dem Januar Aufstand 1977 zu beruhigen, was ihm . in Verbindung mit der erneuten volligen Illegalisierung der linken Opposition, auch kurzfristig ge lang. Die stufenweise Erhöhung der Grundnahrungsmittelpreise bei einer Verschärfung der Arbeitslosigkeit, drückten dann jedoch das Scheitern dieser Versprechungen klar - und für die Massen recht spürbar - aus.
Die Folge dessen war eine steigende Bereitschaft, v.a. der Arbeiter, den Kampf gegen das Regime wieder aufzunehmen: Ende Dezember fanden Streiks in wichtigen Fabriken in Alexandria (Tercena, Bata) und Kairo (Iron&Steel, Cook) statt, gefolgt von Streiks auf der Kairoer Universität ( im Januar) und der Arbeiter ciner Fabrik in El Mahala el Kobra im Februar, die sich gegen die Wirtschaftspolitik des Regimes und gegen die Diktatur sichteten. Seitdem sind die Unruhen nicht abgerissen: Streiks. Kund gebungen. Aufbrechen von Opposition in der Armee - all dies zeigt signifikant die innere Krise des Sadat-Regimes auf. Verscharft wird die 1 age des Regimes nun noch durch die de facto gescheiterten Verhandlungen mit Israel über die Palästinenser- Trage.
Pas Regime reagierte, wie schon so oft, auf die ansteigende Opposition mit massiver Gewalt. Streiks wurden durch die Arméc beendet. die Universität von Kairo wurde kurzfristig geschlossen, es kam zu massiven Verhaftungen. Es scheint. als ob das Regime die Linke nun endgültig zerschlagen will. Schon am 18.12. 79 wurde Zaki Mourad, der Vorsitzende der KP Agyptens, mit offener Straße hestialisch ermordet: Er wurde von vier Autos der Geheimpolizei überfahren! Die Ermordung von Mohamed stellt einen weiteren Schrift in diese Richtung dar. Dies insbesonders deshalb, weil die RKL eine der wenigen Organisationen ist. die den Widerstand auch in der Zeit nach der Niederschlagung des Jänneraufstandes fortsetzte und sich dadurch auch unter •en Arbeitern veranker konnte. In den Fabriken, die im Dezember die Streiks durchführten, hatte sie die - illegalen (iewerkschaftswahlen gewonnen. Und durch sie wurden auch die Streiks initiiert.
Sowohl der Widerstand als auch die Repression des Regimes werden von diesem verschwiegen, um weiterhin das Image des I redensengels und den Schein der Ruhe und Sicherheit in Ägypten aufrechterhalten zu können. WIR RUFEN DIE LINKE DAZU AUF, GEGEN DIE REPRESSION DES XGYPTISCHEN REGIMES GEGENORER DER
LINKEN UND GEGEN DIE ERMORDUNG VON MOHAMED AWAD CHAMIS ZU PROTESTIEREN. WIR MUSSEN DEM
REGIME ZEIGEN. DASS ES SHINE VERBRECHEN NICHT IM DUNKELN DURCHFOHREN KANN UND DASS ES
KRAI TE GIBT. DIE SICH MIT DER AGYPTISCHEN LINKEN SOLIDARISIEREN !!! Palästina-Komitee Wien - 31•