ten 1980 nicht nur gemeinsam in eine neue wirtschaftliche Rezession treten, gleichzeitig wird sich ihre spezielle politische Krise - die Krise der EG und ihrer Institutionen - verschärfen: die Weigerung der britischen Regierung Thatcher, ihre bisherigen Beiträge zum EG-Budget zu zahlen, bildet hier einen Anfang: protektionistische Maßnahmen der von der neuen Rezession am meisten gebeutelten Länder - Italien, Großbritannien und.mit Abstand - Frankreich - sind im Verlauf des Jahres 1980 möglich: eine neue EG-Kreditaktion für Italien ist wahrscheinlich und in diesem Zusammenhang ein neuer Druck auf eine verschärfte Stabilitätspolitik. (9)
Die Auswirkungen von Ölverteuerung und Rohstoffpreisanstieg für die imperialistischen Länder Es scheint, daß man sich für den Zeitpunkt des Höhepunkts (und Endes) der intemationalen Konjunktur an zweierlei gewöhnen muß: erstens daran, daß auch die rohstoffexportierenden Länder - die OPEC-Länder und die Entwicklungsländer - bzw. die in ihnen und den entsprechenden Branchen dominierenden multinationalen Konzerne das Gesetz von Angebot und Nachfrage auszunutzen versuchen, dh. ihre Rohstoffe mit kräftigen Preisaufschlägen versehen. Zweitens daran, daß in den imperialistischen Ländern aus diesem Vorgang das Märchen gestrickt wird, die Ölpreisverteuerungen und der Rohstoffpreisanstieg verursachten die neue (nationale oder internationale) Rezession. Diese Argumentation soll von dep immanenten Widersprüchen und Krisentendenzen der kapitalistischen Wirtschaft ablenken. Sie kennt aber auch eine konkretere Wendung: die Arbeiterklasse und die Gewerkschaften - so wird von bürgerlicher Seite aus argumentiert hätten keinen Anspruch auf einen Ausgleich für denjenigen Teil des Anstiegs der Lebenshaltungskosten, der durch die steigenden Öl- und Rohstoffpreise verursacht sei (was dann natürlich zumeist zu einem beträchtlichen Anteil an der allgemeinen Inflationsrate erklärt wird). Schließlich müßten die „gestiegene Ölrechnung alle zahlen". : Tatsächlich können die Unternehmer derzeit die gestiegenen Einfuhrpreise an die Konsumenten weitergeben - was ja gerade die allgemein steigenden Inflationsraten beweisen, d.h. diese „Ölrechnung" wird letztlich und im großen und ganzen von der Masse • der (lohnabhängigen) Verbraucher bezahlt.
Besieht man sich die Entwicklung der Rohstoffpreise (einschließlich der Rohölpreise) über den längeren Zeitraum des letzten industriellen Zyklus hinweg, dann relativiert sich der Preisauftrieb von 1979. Tatsächlich entwickelten sich die Preise der Industrieprodukte und der Rohstoffe seit 1975 wie folgt:
Tabelle VI
Zeitraum Rohstoffe Industrieprodukte 1975 100 100 1976 106 100 1977 117 109 1978 119 125 1978/4. Vj. 122 132 Quelle: Die Weltkonjunktur Nr. 3/79, a.a.O Der Preisanstieg für Industrieprodukte ohnehin untauglich (im Fall der BRD z.B war somit in den vier Jahren 1975-78 macht die Einfuhr von Rohöl nur 2,5% größer als derjenige der Rohstoffe - Ende des Bruttosozialproduktes aus). Aller- 1978 Jag das Preisniveau für Industriepro- dings hat die Erhöhung der Rohstoffdukte um über 8% über demjenigen der preise erneut zu größeren Defiziten in Rohstoffe. Diese für die imperialistischen den Handelsbilanzen und Leistungsbilan- Länder positive, Bilanz wurde in vielen zen der OECD-Länder und damit zu Fällen durch Weohselkursänderungen (z.B Ungewichten im Welthandel geführt. So Aufwertung von DM und Yen) und eine dürfte das Leistungsbilanzdefizit aller dadurch vorgenommene Verbilligung der OECD-Länder 1979 bei ungefähr 30 Mrd. Importe nochmals verbessert. So sanken Dollar liegen und damit auf ähnlicher beispielsweise für die BRD die. Einfuhr- Höhe wie 1974 (dabei war es 1978 erstpreise 1978 um 3,5%, sodaß sich für die mals seit 1973 wieder zu einem Plus von BRD die „terms of trade" in diesem Jahr 91 Mrd. Dollar gekommen). Die Erfahbeträchtlich verbesserten. rungen nach der lezten großen Ölpreiserhöhung 1973/74 hat allerdings gezeigt, Vor diesem Hintergrund muß der Roh- daß die OPEC-Länder. die den größten stoff- und Rohölpreisanstieg im Jahr Teil dieses Defizits der imperialistischen 1979 gesehen werden. Auf Dollarbasis (OECD-) Lander auf ihrem Konto buchen gerechnet stieg das Niveau der Rohstoff- können, ihre Dollar, Sterling-Pfund-. DMpreise zwischen Dezember 1978 und usw.-Guthaben letztlich wieder in die im- Dezember 1979 um 34% (die Rohöl- perialistischen Zentren tragen - sei es preiserhöhungen eingerechnet - für sich zum Einkauf industrieller Waren und Angenommen lagen diese bei ca. 50%). Zieht lagen, sei es zur Anlage in den imperialiman hiervon die seit 1975 aufgelaufene stischen Finanzzentren, sei es zum Kauf Differenz zwischen dem Preisanstieg der von Kapitalbeteiligungen bei großen im- Industriewaren und der Rohstoffe, und perialistischen Firmen. berücksichtigt man Wechselkursänderungen, dann bleiben - je nach imperialisti- ... und für die Entwicklungsländer" schem Land - für die Rohstoffeinfuhr im Jahr 1979 Preissteigerungen zwischen 15 Für die „Entwicklungsländer" (ohne und 25%. Schließlich muß hier berück- OPEC) dagegen kommt die neuerliche sichtigt werden, daß allgemein für 1980 Erhöhung des Rohölpreises einer wirtals Folge der erwarteten internationalen schaftlichen Katastrophe gleich. Bereits Rezession keine neue größere Steigerungen 1974 und 1975 hatte diese Ländergruppe der Rohstoffpreise zu erwarten ist (bei den Nicht-Öl-Rohstoffen kam der Preisanstieg schon Mitte 1979 zum Stillstand; im Fall des Rohöls läßt die im Dezember 1979 gescheiterte OPEC-Konferenz - im Gegensatz zu vielen Meldungen - eher darauf schließen, daß es im Verlauf des Jahres 1980 zu einem Preisstillstand, wenn nicht zu neuen Rohölpreissenkungen kommen wird). Gleichzeitig wird jedoch 1980 die Geldentwertung in den imperialistischen Ländern ihr höchstes Niveau erreichen.
Auf der Kostenebene spielt demnach diese Erhöhung der Rohstoff- (und Rohöl-) Preise für die imperialistischen Länder nur eine sekundäre Bedeutung: als Erklärung für die Wirtschaftskrise ist sie ein Defizit in der Leistungsbilanz von - zusammengenommen - 60 Mrd. Dollar erreicht, allein 1979 dürfte nun ein Rekorddefizit von 47 Mrd. Dollar erreicht werden. Für diese Ländergruppe gab es in der Entwicklung der Leistungsbilanz in den letzten Jahren auch niemals eine gegenläufige Entwicklung: allein für die Periode 1974-1979 wird somit ein Leistungshilanzdefizit von 200 Mrd. Dollar. aufgelaufen sein. (Zur Konkretisierung vgl. insbesondere den Artikel zu Brasilien in dieser Inprekorr.)
Diesem strukturellen (und zunehmenden Defizit in der Zahlungsbilanz der halbkolonialen, nicht-erdölexportierenden Länder entspricht, daß diese immer mehr Kredite in Anspruch nehmen, um ihre Importe zu finanzieren - Kredite, die übrigens mehr von imperialistischen Privatbanken denn von öffentlichen internationalen Institutionen gewährt werden. Die Verschuldung dieser Länder nimmt schwindelerregend zu und erreicht solche Proportionen, daß man sich nicht vorstellen kann, daß dieser Verschuldungsprozeß in dieser Geschwindigkeit beibehalten werden kann. Übrigens ist das Risiko groß (und läßt die Bankiers der imperialistischen Länder vor Angst beben), daß einige dieser Länder nicht mehr in der Lage sind, die Belastungen aus dieser Verschuldung, welche bereits einen wachsenden Teil ihrer regulären Deviseneinnahmen (ihrer Ausfuhrerlöse) auffrißt, zu bezahlen.
Diese Feststellung führt zu zwei wichtigen Schlußfolgerungen. Das Recycling" der Petrodollar in das System der imperialistischen Privatbanken stößt auf die Grenzen seiner Möglichkeiten. Der Anteil der sogenannten „Länder der Dritten Welt" (am Welthandel) nimmt nicht mehr zu, sondern ab. Die nicht-erdöl• exportierenden halbkolonialen Länder hatten 1976 noch einen Anteil am Welt-
handel von 14,1%; dieser ging 1978 auf nicht mehr einen wachsenden Anteil an 13,3 und 1979 auf 12% zurück (Deutsche den Exporten der imperialistischen Län- Bundesbank • Monatsberichte, Nr. 11/, dern auf, wie aus folgenden Zahlen 1979). Selbst die OPEP-Länder nehmen hervorgeht Tabelle VII: AUSFUHREN DER OECD-LÄNDER IN DIE OPEP-LÄNDER (in % ihrer Gesamtausfuhren) 1972-73 1974-75 1976-77 1978 1979 USA 5,3% 8,8% 10,9% 11,6% 8,7% BRD 3,3% 6,4% 8,7% 8,6 % 6,0% Japan 7,1% 13,1% 14,5% 14,6% 11,8 Frankreich 4,7% 7,8% 8,6 % 8,2% 7,1% Großbritannien 6,0% 9,3 % 11,8% 12,1% 8,2% Italien 5,4% 9,5% 12,3% 12,6% 10,7 Quelle: OECD, Perspektiven der Wirtschaft, Dez. 1979 Die Gründe für diesen Tendenzwechsel lichkeit, daß Japan Mitte 1980 durch die sind u.a. zu suchen in: den Auswirkungen Krise erfaßt wird, ist gegeben (auch im der iranischen Revolution, der Tatsache, ersten Halbjahr 1974 hatte die französidaß eine Reihe von OPEP-Länder (Irak, sche und italienische Industrie noch ein Algerien, Nigeria, Venezuela, Libyen) beträchtliches positives Wachstum aufgebereits jetzt ein laufendes Defizit in ihrer wiesen, was dann im 2. Halbjahr 1974 Zahlungsbilanz aufweisen; der Tatsache, schnell in das Gegenteil umschlug - siche daß die Aufnahmemöglichkeiten für Indu- Graphik). striegüter in Überschußländern wie Saudi- 2. Uberläßt die Wirtschaftspolitik der Arabien, Kuweit und den Golf-Emiraten wichtigsten imperialistischen Länder der aus offensichtlichen strukturellen Grün- Rezession ihren Lauf, das heißt, wird die den beschränkt sind. Aber daraus folgt. Stabilitätspolitik nicht aufgegeben und daß im Gegensatz zu dem, was während nicht auf eine inflationäre Wirtschaftsder Rezession von 1974-75 geschah, die politik umgeschwenkt, dann dürfte der halbkolonialen Länder jetzt nicht mehr Schwerpunkt der neuen interationalen die Rolle eines Ersatz-Absatzmarktes für Rezession Mitte 1980 oder sogar im die imperialistischen Länder spielen zweiten Halbjahr 1980 liegen. können. Da dies im Großen und Ganzen auch für die bürokratisierten Arbeiter- Dieser relativ lang andauernde Abstaaten gilt, steckt darin ein wichtiger schwung (der aber, wie die Graphik zeigt, Faktor für die Vertiefung der Krise 1980 durchaus mit demjenigen von 1974/75 vergleichbar ist) resultiert vor allem aus Die grundlegenden Elemente der einer Besonderheit der konjunkturellen imperialistischen Wirtschaft 1980 Entwicklung 1979: in den meisten wichtigen imperialistischen Länder war es Die folgenden Faktoren sind, für die 1979 nicht die Reduzierung der Profite, Entwicklung der kapitalistischen Welt- die die Krise herbeiführte. In vielen Länwirtschaft 1980 bestimmend dern markiert das Jahr 1979 sogar das 1. Eine internationale Rezession, von der Jahr mit den höchsten Profiten seit mehfast alle imperialistischen Länder und der reren Jahren (zumindest was die Profitgrößte Teil der „Entwicklungsländer" masse betrifft, wenn auch kaum der erfaßt werden, erscheint für das Jahr 1980 Profitrate). Entsprechend liegt in den sicher zu sein. Vergleicht man - wie meisten Ländern die Investitionstätigkeit unsere Graphik dies tut - die Entwick- 1979 noch sehr hoch (und das Wachstum lung der industriellen Produktion in den der Investitionen in der Regel über dem imperialistischen Zentren, die zur Krise Wachstum des BSP). Der entscheidende 1974/75 führte mit derjenigen von 1977- auslösende Faktor der Rezession 1980 ist 79, dann wird die ähnliche Synchronisie- so gut wie überall in der beschränkten rung 1978/79 wie 1973/74 und der be- Massennachfrage zu sehen: diese bleibt ginnende gemeinsame Abschwung 1979 durch Reallohnverluste oder -stagnation deutlich. Auch die Tatsache, daß die und durch einen Stillstand oder ein nur japanische Industrie 1979 noch ein be- bescheidenes Wachstum der lohnabhangiträchtliches positives Wachstum aufweist gen Bevölkerung - mit Ausnahme der - allerdings, wie in diesem Artikel darge- USA - hinter den Kapazitätsausweitungen legt, schon Krisentendenzen aufweist -, und dem vergrößerten Warenausstoß scheint nicht auszureichen für die These, zurück. Die größere Nachfrage der Unter• daß die Krise 1980 keinen intemationalen nehmer kann die entstehende Lücke nicht Charakter haben würde; sogar die Mög- voll abdecken. Bei diesem Prozeß spielt - vor allem in Westeuropa und Japan die massenhafte Einführung neuester Technologie, die arbeitssparend ist und große Produktivkraftsteigerungen ermöglicht, eine große Rolle.
Die zurückbleibende Massennachfrage als auslösender Faktor der Krise wurde noch durch die verallgemeinerte Stabilitätspolitik verstärkt (Hochzinspolitik, niedriges Wachstum der Haushalte, z.Tl., wie Großbritannien, „Einfrieren" der Haushaltsausgaben). Die imperialistischen Länder haben im vergangenen Konjunkturzyklus früher als im Zyklus vor 1974/75 zu einer solchen Wirtschaftspolitik gegriffen, und die Bekämpfung der Inflation seit Mitte 1978 zu ihrem Ziel Nummer 1 erklärt.
In dieser Situation dürfte es erst im Verlauf des Jahres 1980, wenn die Überkapazitäten drückender werden und sich die Hochzinspolitik und Erhöhung der Rohstoffpreise (infolge verschärfter Konkurrenz) mehr auswirken - zu einer Einengung der Profite kommen. (10) Dies könnte die Rezession verschärfen oder einen Umschlag in eine längere Stagnationsperiode begünstigen.
3. Die meisten imperialistischen Länder basierten 1979 einen beträchtlichen Teil ihrés realen Wachstum auf den Export. Diese Möglichkeit wird 1980 nicht bestehen, das heißt es wird zu einem gur geringen Wachstum des Welthandels, vièlleicht sogar zu einem neuen Rückgang kommen. Diese Entwicklung wird vor allem durch die Rezession in den imperialistischen Zentren bedingt sein - worauf sich ja ein wachsender Teil des Welthandels und insbesondere der Export der imperialistischen Ländern konzentriert. Eine Zunahme der Importe der OPEC-Länder wird dies nicht ausgleichen können; neue größere Ostimporte sind nicht zu erwarten (auch der „chinesische Markt" dürfte sich für viele westliche „Experten" und Exporteure als zwar geographisch groß, jedoch wertmäßig beschränkt erweisen). (11)
4. Es besteht die Möglichkeit, daß die Konjunkturpolitik 1980 in einigen wichtigen imperialistischen Länder auf inflationären Kurs umgestellt wird oder zumindest die Stabilitätspolitik aufgegeben wird. Hierbei können die Wahlen in USA und der BRD eine Rolle spielen und der Widerstand der Arbeiterbewegung gegen die Stabilitätspolitik - z.B. in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien einen wichtigen Beitrag leisten. Schließlich ist - trotz ungünstiger Ausgangsbedingungen - die Möglichkeit gegeben, daß die Arbeiterklasse in wichtigen imperialistischen Ländern durch neue Kämpfe einen Teil dessen zurückholt, was sie an
Realeinkommen und soziale Absicherung in den letzten Jahren verloren hat Beide möglichen Entwicklungen würden, da sie den auslosenden entscheidenden Faktor der Rezession abschwächen, vorläufig zu einer Milderung der Rezession führen, auch wenn die Krisenerscheinungen auf anderer Ebene und zu einem späteren Zeitpunkt reproduziert würden (2.B. wäre ein Inflationsniveau nach der Rezession gegeben, das durch die Rezession kaum gesenkt wurde und somit in dem neuen Zyklus kaum Spielraum für eine expansive Haushaltspolitik lätt - es sei denn, man akzeptiert einen internationalen Inflationsgalopp...: die Erhöhung oder Verteidigung der Reallöhne schließlich wird die Einengung der Profitrate beschleunigen und einen größeren Aufschwung nach 1980 unwahrscheinlich machen). 5. In jedem Fall wird das Jahr 1980 das Jahr eines neuen und massiven Angriffs auf die internationale Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen darstellen: in den imperialistischen Zentren wird es. wenn keine massive Gegenwehr erfolgt, zu neuen größeren Reallohnverlusten kommen. Insbesondere aber wird ein neuer Höchststand der Massenarbeitslosigkeit mit über 20, wenn nicht 25 Millionen registrierter Arbeitsloser (in USA/Kanada. Japan, Australien und Westeuropa) erreicht werden. Damit hat sich die Massenarbeitslosigkeit, die beim jeweiligen Tiefstand der internationalen Konjunktur erreicht wird, innerhalb des vergangenen Jahrzehnts verdoppelt (1970/7l waren hier 11 Millionen als arbeitslos registriert). Mehr als in der vergangenen Krise wird die Rezession 1980, auch wenn sie möglicherweise nicht die Tiefe derjenigen von 1974/75 erreicht. an die Substanz auch großer Konzerne gehen und hier zu Konkursen oder - was wahrscheinlicher ist zu staatlichen Eingriffen mit großen „Sanierungsprogrammen" kommen: Bei. spiele hierfür sind der drohende Konkurs des drittgrößten Autoproduzenten der Welt. der Chrysler Corp. und die einmalige Stützungsaktion für diesen Konzern durch die US-Regierung (12); der inzwischen vorerst abgewendete drohende Konkurs des zweitgrößten westdeutschen Elektrokonzerns, der AEG-Telefunken (Entlassungspläne für 1980: 13.000); die schon angeführte Krise der staatlichen Konzerne British Leyland und British Steel: aber auch die großen Veriuste der noch gesunden US-Autoproduzenten Ford und die allgemeinen Entlassungen bei General Motors, Ford usw. im Jahre 1979: die schon angeführten drohenden Kapazitätskürzungen auf den japanischen Werften usw...
Für die unterentwickelt gehaltenen Länder wird es in der neuen internationalen Rezession, die mit den Rohölpreis- elendungsprozeß in diesen Ländern wird erhöhungen bzw. deren Auswirkungen damit zunehmen - neue Hungerkatastrozusammenfällt, kaum einen Spielraum zur phen, als Resultat fehlender Devisen zur Überbrückung der Schwierigkeiten durch Bezahlung von Kunstdünger- und Nahneue Kreditexpansion geben, wie dies rungsmitteleinfuhr - sind möglich. z.Tl. 1974/75 geschehen konnte. Die imperialistischen Länder und der Internatio- Diese vorhersehbare Entwicklung. nale Währungsfonds tendieren dazu. ihre kombiniert mit dem Fortgang der Zerfinanzielle Hilfe (Entwicklungshilfe" störung der Umwelt und Bedrohung exitatsächlich ein Schmiermittel für ihre Ex stentieller Bedingungen menschlichen porte in die Dritte Welt) relativ einzu- Lebens (z.B. durch die forcierte atomare schränken - entsprechend dem Tatbe- Energieproduktion) wird zweifellos die stand, wonach das Gewicht dieser Lander- Uberholtheit des kapitalistischen Systems. gruppe im Welthandel abnimmt. Der Ver- die Einengung der Produktivkraftent- DIE IMPERIALISTISCHEN LÄNDER VOR DER KRISE 1974/75 UND 1980 Wachstumsraten der industriellen Produktion 1972-75 ( 1 Hj.) und 1977-79 (1 Hj.) im Vergleich (Wachstum auf Vierteljahresbasis - gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr in vH) 1 - 1972 1 - 1973 11:1970 1 - 1975 I1 - 1977 1D78 USA (l) Wachstum 0% (1972-1975)
USA (ll) Wachstum 01 (1977-19/9)
Japan (l) Wachstum 0% 1972 75)
Japan (ll) Wachstum 0% (1977-79)
BRD (D)
Wachstum (P3.
(1972-75)
BRD (Ii) Wachstum de (1999 (1977-79)
faltung durch die bestehenden Produk- de Arbeitslosigkeit zu ihren Gunsten eintionsverhältnisse, verschärft unter Beweis zusetzen, die Positionen der Arbeiterstellen. Neue revolutionäre Entwicklungen klasse hierüber zu schwächen und zusätzwie diejenige im Iran und Nicaragua 1979 liche Zugeständnisse von den reformistisind denkbar, ein neuer Aufschwung der schen Führungen zu erhalten. Ein Sieg Arbeiterkämpfe in Form eines Wider- von Strauß bei den kommenden Wahlen stands gegen die Stabilitätspolitik in den in der BRD würde das Lager der bürgerimperialistischen Zentren ist möglich. lichen Reaktion in Westeuropa beträchtlich stärken.
Nichtsdestoweniger hat die Bourgeoisie auf politischem Gebiet in den letzten Der Einmarsch sowjetischer Truppen Jahren eine Reihe Erfolge vorzuweisen in Afghanistan schließlich hat eine Situa- (Wahlsiege in Frankreich, Großbritannien, tion geschaffen, die dem Imperialismus Portugal, „kontrollierter Übergang" in außerordentlich günstige Bedingungen für Spanien usw.). Sie versucht, die wachsen- ein ideologisches und möglicherweise Gr. Brit. (I)
Wachstum Ok (1972-75)
Gr. Brit. (11)
Wachstum 0% (197779)
Frankreich (I) Wachstum 0% (1972-75)
Frankreich (II)
Wachstum 0% (1977-79)
Italien (l) Wachstum 0% (1972-75)
Italien (II) Wachstum 0% (1977-79)
Angaben für das zweite Vierteljahr 1979 vorläufig. Berechnet nach: Die Weltkonjunktur, a.a.O., 3/79. Graphik: J. Klein auch militärisches roll back" bescherte. Dieses Bild wird abgerundet durch die Perspektivlosigkeit und Zerstrittenheit im Lager der traditionellen Arbeiterparteien (union de la gauche, KPI, Soares-SP in Portugal usw.). Eine Antwort, die der neuen historischen Gesellschaftskrise des Kapitalismus, die Ende der 60er Jahre aufbrach und die durch die erwartete neue Rezession weiter vertieft wird, gerecht wird, kann letztlich nur in der Entwicklung einer revolutionären, sozialistischen Alternative bestehen: innerhalb der traditionellen Massenorganisationen der Arbeiterbewegung in Form der Bildung klassenkämpferischer Flügel und durch den Aufbau einer revolutionären Internationale.
7. Januar 1980 ANMERKUNGEN:
1) So z.B. Ernest Mandel in: Ende der Krise oder Krise ohne Ende, Berlin 1977: „„Es gilt jedoch, die Konjunk- •turentwicklung der siebziger Jahre - vom inflationären Boom der Jahre 1972/73 über die allgemeine Rezession 1974/75 und den bescheidenen Aufschwung 1976/77 zur möglichen Rezession 1978 oder 1979 - in einem großen historischen Zusammenhang zu sehen..." (S. 105)
2) Aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden ist ein Vergleich der Erwerbslosenquoten zwischen den einzelnen Länder nicht immer sinnvoll; für die einzelnen Länder wurde jedoch immer dieselbe Quelle (und Rechnungsmethode) gewählt, sodaß der jeweilige Vergleich 1975/1979 auf derselben Basis erfolgt. Die gewählten Zeitpunkte im Jahr 1979 sind die jeweils letzten, die zur Verfügung standen; die Arbeitslosenquoten entsprechen jedoch in den Monaten Oktober und November ungefähr den Jahresdurchschnittswerten und sind auf alle Fälle nicht saisonal überhöht.
3) Zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) v. 25.10.79. Andere Angaben zur US-Wirtschaft nach FAZ v. 8.11.79 u. 10.12.79; Financial Times v.20.12.79; International Herald Tribune v. 16.11.79; Commerzbank-Bericht v. 5.12.79. 4) Fachickung beris le der Desches Bundesbank, September 1979. Andere Angaben zur japanischen Wirtschaft nach: Financial Times v. 24.
12.79; Wirtschaftswoche v. S.11.79; Institut für Weltwirtschaft/Kiel, 3/79; Institut für Wirtschaftsforschung Hamburg-Weltkonjunkturdienst 3/79. S) Angaben zur BRD u.a. in: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, 11/79.
6) Angaben zur franz. Wirtschaft in: Wirtschaftswoche v. 15.10.79; Institut für Wirtschaftsforschung, Hamburg-Weltkonkunkturdienst 3/79 7) Angaben zur britischen Wirtschaft in: Economist v. 22.12.79; Financial Times v. 24.12.79; FAZ v. 10.12.79; Le Monde v. 14.11.79.
8) Angaben zu Italien in: FAZ v. 3.10.79 und Weltkonjunkturdienst. a.a.O., Nr. 3/79.
9) Auf eine Reihe kleinerer EG-Länder kann aus Platzgründen nicht ausführlich eingegangen werden: die niederländische Industrie erlebte Mitte 1979 schon das erste Minus-Wachstum" und erwartet für 1980 ebenfalls eine Rezession; die dänische Regierung hat den Dänen zu Weihnachten zwar ein Spar-Paket beschert: nach der jahrelangen inflationären Politik und der hohen Verschuldung (Auslandsverschuldung 1979: 70 Mrd Kronen; für 1983 sollen es schon 120 Mrd. Kronen sein) hält sich dieses Austerity-Programm jedoch im Rahmen, sodaß man dem dänischen Finanzminister Jakobsen zustimmen muß, wenn er sagt: „Wir werden uns auch in Zukunft am Rande des Abgrundes bewegen." Belgien, dessen Wirtschaft mit über 7% zusammen mit der dänischen (8,8%) die höchsten Erwerbslosenquoten au/weist, versucht zum Jahresende 1979 durch die Aufnahme von einem großen Auslandskredit, den belgischen Franc zu stabilisieren und so eine Abwertung zu verhindern. (Nach Wirtschaftswoche v. 24.12.79, FAZ v. 27.12.79, FAZ v. 8.11.79).
10) In Großbritannien wird für 1980 ein Rückgang um 30% erwartet (Financial Times v. 24.12.79); in USA und der BRD zeichnete sich Mitte 1979 ein verlangsamtes Wachstum der Profite und ein allmählicher Rückgang ab (u.a. Wirtschaftswoche v. S.11.79). 11) Dies war das wichtigste Resultat eines Symposiums zum Ost-West- Handel, das in Wien im September 1979 stattfand. Als Hauptursache für ein Handel, das in Wien im September1979 stattfand. Als Hauptursache für ein eher gebremstes Wachstum der Ostimporte (Ausnahme ev. die UdSSR) wurde die hohe und wachsende Verschuldung der RGW-Staaten im Westen angegeben. Würde die Entwicklung der Ostimporte nur so weitergehen wie bisher, so waren allein die kleineren RGW-Staaten (ohne UdSSR) bis 1990 mit 300 Mrd Dollar im Westen (bzw. 180 Mrd. Dollar auf Preisbasis 1977) verschuldet. Einen entsprechenden Schuklendienst könnte diese Ländergruppe schwerlich bezahlen bzw. durch vergleichbare Exporte wettmachen - so die Analyse der westlichen Banken (in: FAZ v. 2.10.1979).
12) Vgl. hierzu den Artikel zur Krise der internationalen Automobilindustrie in: Inprecor/Intercontinental Press v. 19.11.79. Der Verlust der Chrysler Corp. lag schon im September 1979 mit 721 Millionen Dollar (für die ersten neun Monate des Jahres 1979) auf einem Niveau, das einen Rekord in der Geschichte des Kapitalismus darstellt. Die Hilfe der US-Regierung mit 1,5 Mrd. Dollar ist ebenfalls - politisch und wirtschaftlich gesehen - ein einmaliger Fall. Dennoch ist mit dieser Stützungsaktion (einschließlich von Bankkrediten in ähnlicher Höhe) die Zukunft des Konzerns keineswegs gesichert; Ende Dezember kündigte Chrysler an, man wolle das Aktienpaket bei Peugeot- Citroen, das als letz tes von den früheren europäischen Engagements Chrysiers übrigblieb, möglichst schnell verkaufen, um neue Liquidität zu erhalten - eine Aussage, die nur als neuer Hilferuf verstanden werden kann.
Spanien:
Die Grundzüge der