ihrem Engagement in der Bewegung der Blockfreien" und der Zustimmung zur Durchführung der Konferenz in Havanna einen Fehler begangen? Wir meinen dies nicht. Aber wir glauben noch weniger, daß diese Konferenz eine schwere Niederlage für den Imperialismus war. Die wirklichen Schläge sind ihm durch die Massen Vietnams, Äthiopiens, Irans und Nicaraguas zugefügt worden, und die Konferenz von Havanna war lediglich ein verspätetes, schwaches und außerdem verzerrtes Echo. Um diese zweifache Schlußfolgerung zu erklären, muß man von einer Tatsache ausgehen, die nur ultralinke Kinder in Frage stellen: Ein Arbeiterstaat und seine Regierung besitzen selbstverständlich das Recht, auf dem Feld des Klassenfeindes und auf diplomatischer Ebene zu manövrieren und ihn zu spalten versuchen. Lenin und Trotzki haben dies in Brest- Litowsk getan, in Rapallo, in den Auseinandersetzungen Kemal Attatürks sowie der bürgerlichen Republik in China mit dem Imperialismus. Außerdem sind derartige Manöver notwendig für das Überleben des Arbeiterstaates oder von Arbeiterstaaten, seien sie auch noch so bürokratisiert - solange die sozialistische Revolution in den wichtigsten Ländern der Erde nicht gesiegt hat.
Es ist daher durchaus angebracht, wenn Fidel Castro seinerseits den neuen Aufschwung der Kolonialrevolution dazu benutzt, die Widersprüche zwischen der Bourgeoisie der Halbkolonien und der imperialistischen Bourgeoisie. hervorzuheben - selbst wenn es nur auf dem Papier geschieht.
Aber der Versuch, aus den innerkapitalistischen Widersprüchen Vorteile zu ziehen, ist lediglich eine Überlebensbedingung des kubanischen Arbeiterstaates und keine ausreichende Bedingung dafür, daß sich eine in der Entwicklung befindliche Revolution wie in Nicaragua den Zwängen des Weltmarktes und der Finanzinstitutionen des intemationalen Kapitalismus entziehen kann. Und das ist der springende Punkt. Hier zeigen sich die Widersprüche der Außenpolitik Kubas völlig klar.
Fidel Castro ist der Chef eines Arbeiterstaates, der durch eine authentische Arbeiter- und Bauemrevolution entstan-
den ist. Er ist nicht stalinistisch erzogen. Er besitzt eine eigene Doktrin, die zwischen dem Stalinismus und dem revolutionären Marxismus liegt und sich in widersprüchlichen Praktiken äußert. Er ist kein Agent der sowjetischen Bürokratie. Die Isolierung der kubanischen Revolution in der westlichen Welt, die ein Resultat der aufeinanderfolgenden Niederlagen der lateinamerikanischen Revolutionen ist • (von Brasilien 1964 bis Argentinien 1976), hat den kubanischen Arbeiterstaat in eine Situation zunehmender materieller. Abhängigkeit vom Kreml versetzt. Es ist unbestreitbar, daß zwischen der materiellen Abhängigkeit, ihren politischen und ideologischen Auswirkungen sowie dem Bürokratisierungsprozeß in Kuba eine Wechse/wirkung besteht. (Es ist nicht die Aufgabe dieses- Artikels, auf diese • Problematik näher einzugehen.) Es ist auch völlig unbestreitbar, daß diese Abhängigkeit schwer auf den Schultern eines Teils der kubanischen Führer lastet - und daß diese gerne die Last verringem und einen größeren Manöverspielraum gegenüber dem Kreml wieder erringen würden.
Aber es gibt zwei Wege, um dahin zu kommen - jedoch schließen sich diese beiden Wege gegenseitig aus.
Der erste bedeutet, auf die neuerliche Ausdehnung der Revolution zu setzen. Das hat Castro bisher in Angola, Äthiopien und Nicaragua gemacht, und das muß man ihm natürlich zugute schreiben. Die Zukunft wird zeigen, ob er diesen Weg bis zum Ende in Nicaragua weiterverfolgen wird, d.h. ob er den Prozeß, der zu einem zweiten Arbeiterstaat in der westlichen Hemisphäre führt, ermutigt oder bremst. Dies wird ein wichtiger Test sein für den erreichten Grad der Bürokratisierung Kubas. • Der zweite Weg bedeutet, auf eine Allianz mit der halbkolonialen Bourgeoisie zu setzen (v.a. mit den sogenannten liberalen Bourgeoisien der Region, dh. der mexikanischen, venezolanischen, derjenigen von Costa Rica, von Panama, Kolumbien und Ecuador, obwohl die Regierungen dieser zwei zuletzt genannten keine großen liberalen. Merkmale aufweisen - das wäre das geringste, was man dazu sagen könnte. Das ist der tiefe Hintergrund, den die Konferenz von Havanna zeigt und der perfekt dargestellt wurde in der Rede Castros vor der UN- Vollversammlung. Er hat dort als Chef des kubanischen Arbeiterstaates gesprochen, der zum Wortführer eines Blocks mit den halbkolonialen Bourgeoisien geworden ist. - Neben seiner exzellenten sozialistischen Agitation hat nichts gefehlt, weder die Berufung auf die friedliche Koexistenz noch der Appell, jegliche Hegemonieansprüche abzulehnen, ohne klassenspezifische Unterscheidung • der Lager (was er gestem noch Teng und Tito vorgeworfen hatte) noch die Unterstützung der Austeritätspolitik der imperialistischen Regierungen unter dem Decknamen des Kampfes gegen die Inflation, noch die betrügerische Präsentierung des ALT Il-Abkommens als Beitrag zur \brüstung, obwohl sich das Wettrüste beschleunigt.
Diesen zweiten Weg hat die castristische Führung schon in Peru, Panama und Mexiko in die Praxis umgesetzt, wo sie sich vollkommen an die Politik der dortigen KPn angelehnt hat; insbesondere ist hier die stillschweigende Unterstützung der argentinischen KP zu nennen. Dies stellt eine klare Anpassung an die Theorie der „Revolution in Etappen" dar, im Gegensatz zur Praxis der siegreichen kubanischen Revolution, die der Logik der Permanenten Revolution. folgte und wenigstens teilweise von Che und Fidel theoretisch aufrechterhalten wurde (z.B. durch den berühmten Ausspruch Ches: Die Revolution wird sozialistisch sein, oder es wird keine sein.")
Man könnte dem entgegnen: in Havanna und New York hat Fidel als Regierungschef gesprochen. Unter Lenin und Trotzki haben selbst •die Bolschewiki ebenfalls unterschieden zwischen der Regierungsspreche und derjenigen der Partei und der Kommunistischen Internationale.
Diese • Entgegnung ist jedoch nicht richtig. Fidel Castro macht diese Unterscheidung nicht. Es gibt keine castristische Intemationale oder eine cubanische KP, die eine andere Sprache spricht als Castro in seiner Funktion als Regierungschef.
Außerdem waren die Reden Castros - und hierbei weniger die New Yorker als die von Havanna - nicht nur Diplomaten vorbehalten. Sie wurden in Hunderttausenden Exemplaren verbreitet und von Millionen gelesen. Sie berührten die Massen der halbkolonialen. Länder viel mehr als deren Regierungen. Es ist also eine reine Fiktion, zu glauben, daß diese Reden die Verlängerung der diplomatischen Manöver seien. Sie tragen dazu bei, das Bewußtsein von Millionen Proletariern und Bauern zu beeinflussen.
Schließlich und gerade aus diesem Grund haben Lenin und Trotzki nie ein doppeltes Spiel betrieben. Sie. sagten nicht alles vor den bourgeoisen Diplomaten - die man außerdem kaum von der Weltrevolution überzeugen kann. Aber sie sagten ihnen auch nicht das Gegenteil dessen, was sie den Massen sagten, da ihre Reden auch von den arbeitenden Massen gehört werden konnten oder vor ihnen Wiederholt werden konnten und sie deshalb die Massen nicht in die Irre führen wollten. Sie hielten sich an die Regel, daß man nicht aus Prinzip jedes Manöver oder jeglichen Kompromiß ablehnen solle, aber nur unter der Bedingung. daß dieser das Bewußtsein der ausgebeuteten Massen, ihre Entschlossenheit, sich selbst zu befreien, stärken werde. Folglich: wenn man die Tyrannen, die Blutsauger und Handlanger des Imperialismus, ja soger die Neureichen in der Dritten Welt, die in Havanna anwesend waren, als ehrenwerte anti-imperialistische Kämpfer hinstellt (2), wenn man • die Allianz mit ihnen als notwendig darstellt, wenn man verkündet, daß man die „Einheit" der blockfreien Regierungen erhalten müsse; • wenn man gar den Schluß zieht, daß die Menschheit mehr als ein wirtschaft. liches Chaos produzieren könnte, wenn nur der Imperialismus sich klüg verhielte und eine neue wirtschaftliche Ordnung" herstellte - ein identischer Vorschlag wurde von dem bürgerlichen mexikanischen Präsidenten Echeverria auf der UN- Vollversammlung 1974 gemacht - dann wird man eine enorme Verwirrung in den Köpfen der Arbeiter und Bauer der halbkolonialen Länder anrichten. Das politische Klassenbewußtsein wird dadurch gesenkt und nicht angehoben. Und dies bedeutet, die Chancen, dem Imperialismus entscheidende Schläge zu versetzen, zu schmälern und nicht zu fördern. In die gleiche Kategorie unzulässiger Verwirrung der Arbeiter. gehören auch die herzhaften Worte, mit denen Castro die Anwesenheit des Vertreters des spanischen bürgerlichen Staates mit seinem intakten monarchofaschistischen Repressionsapparat begrüßte, der als Beobachter bei der Konferenz von Havanna anwesend war: Wir haben im westlichen industrialisierten Europa Freunde nötig, die sich nicht in den Zug der Imperialisten einreihen." Als ob Spanien nicht selbst eine imperialistische Macht wäre, eng verbunden mit dem amerikanischen Imperialismus - auch mit Militärbasen im Land. Als ob dieser Staat, sein König, seine Armee, seine herrschende Klasse. und seine Regierung keine grausamen Feinde der Arbeiter und unterdrückten Basken und Katalanen waren. Diese enorme politische Konfusion, die unter den arbeitenden Massen bezüglich ihrer echten Freunde und ihrer unerbittlichen Feinde gesat wurde, ist Teil der objektiven Bilanz der Konferenz von Havanna. Aus diesem Grund ist sie trotz des Anscheins keineswegs eine Niederlage für den Imperialismus. Die Repräsentanten der besitzenden Klassen der Halbkolonien sind nach Havanna gekommen, nicht etwa, weil Castro aus Rücksicht ihnen gegenüber einen versöhnlichen Ton anschlägt, als Belohnung für ihre harte" Sprache gegenüber dem Imperialismus. Sie sind nach Havanna gekommen, um das durch Angola, Athiopien, Nicaragua und die kubanische Revolution errungene Prestige zu nutzen für das Abwürgen der Revolution in ihren Ländem: Seht, selbst Castro erkennt unsere Verdienste an. (3) Tretet uns nicht auf die Füße, laßt uns handeln. Dafür bieten wir euch lautstarke anti-imperialistische Resolutionen." Das geringste; was man dazu sagen kann, ist, dal dies die Verwirrung nur steigert. Man wird kaum ähnliche Verwirrung in den Reden Trotzkis und Lenins finden, auch nicht auf Regierungsebene und auch nicht im Verlauf diplomatischer Manöver. Man wird noch entgegnen: Man muß den konjunkturellen und geographischen Kontext berücksichtigen. Im Verlauf der letzten Monate war Kuba die Zielscheibe imperialistischer Manöver, Pressionen und Aggressionen. Es gab die Entscheidung Washingtons, die Blockade aufrecht zu erhalten. Es gab den ganzen Krach wegen der angeblichen sowjetischen Brigade, ein Vorwand, um die militärische Anwesenheit der Yankees auí Guantanamo zu bekräftigen. Es gab die Drohung einer militärischen Intervention im Falle der Anwesenheit kubanischer Truppen in Mittelamerika. Zu diesem Zweck wurde eine Interventionsbasis in Florida gebildet. Dies alles hat natürlich mit dem Fortschreiten der nicaraguanischen Revolution zu tun, dem Rausschmiß Somozas und den Folgen für ganz Mittelamerika. Fidel Castro hat sich an die liberalen Bourgeoisien der Region (Mexiko, Panama, Andenpakt-Staaten) gewandt, um zu versuchen, die imperialistischen Manöver zu neutralisieren. Angesichts des tiefen Schweigens des Kreml. eine Garantie für die aktive Unterstützung Kubas in der westlichen Hemisphäre zu geben, ganz zu schweigen von seiner Weigerung. irgendein revolutionäres Abenteuer zu unterstützen. Diese • Bourgeoisien, erschreckt durch das Risiko eines verallgemeinerten Aufstands als Antwort auf eine Yankee-Aggression in der Region und andererseits unter dem Druck einer wachsenden Massenradikalisierung in irgendeinem dieser Länder, haben die politische Isolierung, in der sich die kubanische Revolution befand, aufgehoben.
Der spektakulärste Ausdruck dieses Umschwungs war die Weigerung der Mehrheit der Regierungen der OAE, den Einsatz einer militärischen Eingreiftruppe nach Nicaragua zu decken. Diese Weigerung hat zum Sieg der FSLN beigetragen und den Würgegriff um Kuba gelockert. Das war unwiderruflich ein diplomatischer Erfolg für Kuba und ein Mißerfolg für Washington - dies wiederum letztendlich Nebenprodukt der revolutionären Erhebung in der Weltgegend. Die Konferenz von Havanna wurde von der kubanischen Führung als Verlängerung dieses Erfolgs begriffen. Unter diesem Aspekt und in diesem Sinn war sie auch ein diplomatischer Erfolg Castros.
Aber langfristiger ist die Verteidigung des kubanischen Arbeiterstaates keine Frage des guten Willens, der Angst oder der Erpressungsmanöver der sogenannten liberalen lateinamerikanischen Bourgeoisien gegen den Imperialismus. Sie hängt von der Ausbreitung und von neuen Siegen der Revolution in Lateinamerika ab. Jegliche Politik der Allianz mit nationalen Bourgeoisien, der Anlehnung an die strategische Orientierung der lateinamerikanischen KPn, der Etappentheorie, verurteilt diese Revolution zu neuen und blutigen Niederlagen. Weit cavon entfernt, den kubanischen Staat zu verteidigen, untergräbt sie langfristig diese Verteidigung, welches auch immer ihre zeitweiligen Erfolge sein mögen.
Deshalb ist es nötig, die ungeschminkte Wahrheit über die bürgerlichen Regierungen zu sagen, die in Havanna versammelt waren, und deren tatsächliche Rolle in der Welt zu erklären. Das ist eine fundamentale Forderung in Hinblick auf die Verteidigung der Interessen der arbeitenden Massen in der Dritten Welt. Es ist auch eine fundamentale Forderung in Hinblick auf die Verteidigung des kubanischen Arbeiterstaates.
20. Oktober 1979
ANMERKUNGEN:
(1) Castro sagte in Havanna, daß die (2) Fidel Castor zögert nicht, zu behaup- UdSSR Kuba nicht ausbeute, son- ten: „Wir sind überzeugte Antümpedem unterstütze. Er spielte damit rialisten, Antirassisten, Antizionisten, offensichtlich auf den Kauf kubani- Antifaschisten, weil diese Prinzipien schen Zuckers zu Preisen an, die über Teil unseres Denkens sind. Sie bilden dem Weltmarktniveau liegen. Das ist den Kern und den Ursprung der richtig. aber er hätte hinzufügen blockfreien Länder und haben ihr müssen: das ist die Ausnahme und Leben und ihre Geschichte seit ihrer nicht die Regel. Denn die UdSSR Gründung geprägt." Wenn man das indischen Ministem Jan Sanghs so wie dem Premierminister von Sri Lanka, Jayawardene, ein antirassistisches Zeugnis aus, zum gleichen Zeitpunkt, wo dieser eine rassistische Kampagne gegen die Minderheit der Tamilen startet, ganz zu schweigen von dem antikurdischen Chauvinismus der Khomeinyanhänger.
(3) Die algerischen richtet sich im allgemeinen in ihrem Denken der kubanischen Revolutio- Handel mit den halbkolonialen Län- näre und der arbeitenden Massen der dem nach den Weltmarktpreisen und Dritten Welt verwechselt mit dem trägt auf diese Weise dazu bei, daß Denken der Regierungen der Bewe- „die Weltwirtschaftsordnung des gung der blockfreien Staaten (und Imperialismus aufrechterhalten wird diese Bewegung ist eine „Bewegung" Das schließt den ungleichen Tausch von Staaten), dann stellt man, ob und die Überausbeutung der Völker man will oder nicht, den Diktatoren der sogenannten „Dritten Welt" mit Videla, Sukaro, Markos ein antiein. faschistisches Zeugnis aus und den Castro hat die Anwesenheit der Regierung der Philippinen als Beobachter auf der Konferenz begrüßt. Im folgenden Auszüge einer Bilanz der Situation dieses Staates und seiner ach so ,,blockfreien" und antiimperialistischen" Regierung, die der sehr konservativen britischen Wochenzeitung ..The Economist" vom 13. Oktober 1979 entnommen sind: „Die Asiatische Entwicklungsbank hat vor kurzem berichtet, daß die Philippinen mit einem niedrigeren täglichen Pro-Kopf-Kalorienverbrauch als Indonesien, Bangla Desh und Indien die am schlechtesten ernährte Nation Asiens sind...
Das Landwirtschaftsministerium der Philippinen schätzt den rapiden Rückgang des Verbrauchs von Grundnahrungsmitteln zwischen 1970 und 1974 wie folgt ein: Fleisch und Milchprodukte um 50 vH, Geflügel, Eier, Fische, Obst und die meisten Gemüsesorten um ein Drittel... Das Gesundheitsministerium berichtet, daß derzeit 85 vH der Schulanfänger an Protein- und Kalorienmangel leiden.
Die Reallöhne sind seit der Anwendung des Kriegsrechts (das Streiks und die meisten Gewerkschaften verbietet) ungefähr ein Drittel verringert worden, während die Lebenshaltungskosten sich im selben Zeitraum fast verdreifacht haben... Ein Viertel der Bevölkerung findet keine für den Lebensunterhalt ausreichende Beschäftigung... Ein amerikanischer Politologe, Robert Stauffer, hat die Entwicklung der Philippinen mit dem Begriff „Refeudalismus" bezeichnet: Eine neue Oligarchie kontrolliert das Land, indem sie in Sachen Nationalismus und Industrialisierung die Uhr wieder zurückgedreht hat. Die Mittelschichten sind hinsichtlich des Aufbaus der Nation weniger aktiv, als man dieses von ihnen erwartet, sie akzeptieren untergeordnete Rollen' in Institutionen und multinationalen Gesellschaften.
...Selbst das hoch gepriesene Agrarreformprogramm scheint sein ursprüngliches Ziel völlig verfehlt zu haben. Von der Reform werden lediglich 8% der landlosen Bauern erfaßt; zwei Drittel des kultivierbaren Landes sind von der Reform nicht betroffen... Bis April 1979 hatten erst 1500 (sic) Bauern ... Grundeigentum erhalten... 0,3% des zur Verteilung vorgesehenen Landes..."
Arbeiter werden Zweifel haben an der Richtigkeit der Referenz Fidels an Huari Boumedienne als Held der Revolution und Befreiung seines Landes". Wenn er effektiv eine posivitive Rolle im Kampf für die nationale Befreiung hatte, so hatte er keine geringere als Chef der Konterrevolution, die einen anderen „guten Freund" Fidels eliminiert hat, Ahmed Ben Bella.
WELTBANK.
Kambodscha:
Für massive Hilfe ohne Vorbedingungen 23. Oktober 1979 Kambodscha muß dringendst massive Hilfe - an Lebensmitteln und Medikamenten - gewährt werden. Ohne eine solche Hilfe wird die Bevölkerung Kambodschas möglicherweise durch Hunger und Krankheiten vernichtet werden. Aber die imperialistischen Mächte sind eher daran interessiert, das kambodschanische Drama zu ihren politischen Zwecken zu mißbrauchen, als eine effektive Hilfe zu organisieren.
In einem kurzen Leitartikel faßt die Washington Post" (1) auf ergreifende Weise die Hauptpunkte jenes kriminellen politischen Manövers zusammen, indem versucht wird, die Organisation der Hilfe, die der großen Mehrheit der kambodschanischen Bevölkerung gewährt werden kann und muß, zu hintertreiben oder zu verlangsamen.
Demnach soll Vietnam, das man „des Völkermords" anklagt, aufgrund seiner Absicht, „ganz Indochina zu beherrschen", beschlossen haben, das Volk der Khmer physisch auszurotten; dieser Völkermord soll kein zufälliges Ergebnis der Politik, sondern die politische Entscheidung" Hanois sein. Vietnam scheint nicht zu wollen, daß die Kambodschaner vorm Hungertod bewahrt werden, noch nicht einmal in den Gebieten, die es kontrolliert". Die internationalen Hilfsorgaerlauben, alles zu tun, was in diesem verwüsteten Land noch möglich ist (...) Aber Hanoi hat alles, was über symbolische Gesten hinausginge, verboten". Dieser Leitartikel wurde Mitte Oktober geschrieben. Also schon fünf Monate, nachdem eine erste (private) Hilfsmission sich nach Phnom Penh hatte begeben können. Diese bestätigte, daß die gewährte Hilfe tatsächlich an die Bevölkerung verteilt worden war. Im August kam eine aus dreizehn medizinischen, humanitären oder religiösen Organisationen bestehende Mission zum selben Ergebnis. Auch ein Vertreter der UNICEF (Kinderhilfsorganisation der UNO) konnte sich diesen Sommer in die kambodschanische Hauptstadt begeben und sich ein Bild machen. Die Washington Post hütet sich wahrscheinlich, zu fragen, warum diese privaten Organisationen schneller und besser arbeiten konnten als das Internationale Rote Kreuz oder die UNO.
Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Es zeigt die Politik der Westmächte hinsichtlich Indochinas auf, eine Politik, die der englische „Guardian" folgendermaßen wiedergab: „Die Hilfe ist so zu organisieren, daß ein Minimum an Legalität Heng Samrin (Regierung von Phnom Penh) und ein Maximum an Unterstützung Pol Pot gewährt wird (...). um so das irrealistische Ziel zu verfolgen, eine Armee von Funktionären der Hilfsorganisationen in Kambodscha einzusetzen, um den Konflikt zu internationalisieren' und das Land für Sihanouk zu öffnen (2)".
Hierfür hat das Internationale Rote Kreuz verlangt, einen diplomatischen Status zu erhalten mit völliger Handlungsfreiheit und von der Verwaltung in Phnom Penh unabhängigen Vollmachten. Gegenüber der öffentlichen Meinung wurde die der in die Nähe der thailändischen Grenze geflohenen Khmer-Bevölkerung gewährte Hilfe mit der, die der Bevölkerung in den „von der Verwaltung Heng Samrin kontrollierten Gebieten" gewährt wurde, aufgewogen; von letzterer verlangte man übrigens, sie solle den Hilfeleistungen in die von Pol Pot gehaltenen Gebiete offiziell zustimmen. Pol Pot erhielt jedoch Lebensmittel und Medikamente, ohne daß ihm die gleichen Vorbedingungen wie Phnom Penh gestellt worden wären!
Seit kurzem haben das Rote Kreuz und UNICEF mit der Organisierung von Hilfsgütern nach Kambodscha begonnen. Aber die Winkelzüge der internationalen Hilfsorganisationen sind umso schlimmer, als sie sich in eine politische Gesamt- Striesie sind in die dina be abina den. Die thailändische Regierung gibt sich „neutral" im Konflikt um Kambodscha. Trotzdem gibt der chinesische Vizepremierminister Ji Peng-Fei in einem in der Bangkok Post veröffentlichten Interview zu, ,daß China den Streitkräften von Pol Pot (via Thailand) auf dem Landund Wasserweg Waffen liefert, um ihnen im Kampf gegen die Vietnamesen beizustehen. " Der chinesische Führer fordert bei dieser Gelegenheit auch die thailändische kommunistische Partei - die maoistischer Richtung ist - auf, mit ihren Kräften die Regierung Kriangsak zu unterstützen (3).
Einige Journalisten haben beweisen können, daß die durch Thailand gehende Hilfe manchmal direkt in den Militärlagern der Roten Khmer oder der Khmer Serei (extreme Rechte) landet. Zahlreiche Soldaten des Roten Khmer setzen sich nach Thailand ab. Allein im Flüchtlingslager in der Nähe der Stadt Trat (4) soll es beispielsweise mindestens 18.000 Rote Khmer-Soldaten geben. Schließlich kommt Paringaux in Le Monde, wobei er die Entscheidung der thailändischen Regierung berichtet, die Khmer-Flüchtlinge weitab der gegenwärtigen Kampfzonen - aber ganz in der Nähe einer sakrosankten Zone der Pol Pot-Streitkräfte zusammenzufassen, zum Schluß, „daß die humanitäre Geste von Seiten Bangkoks keineswegs das Ende der diplomatischen und materiellen Unterstützung zugunsten der Anti-Vietnamesischen Widerstandsgruppen, ob Rote Khmer oder Khmer Serei, zu bedeuten scheine. " (5) Was nun die UNO anbetrifft, so hat sie die Vertretung Kambodschas durch die Roten Khmer aufrechterhalten, eine jämmerliche juristische Farce, die genug sagt über die politischen ane des Westens, angefangen bei den USA.
vorherigen Rückzug der vietnamesischen Truppen aus Kambodscha. Das aktuelle Ziel bleibt die Stärkung der militärischen Opposition gegen die Regierung Heng Samrin. Was immer die Irrtumer des demokratischen Kambodscha (d.h. das Regime Pol Pot) gewesen sein mögen, stellt es heute die vorrangige Widerstandskraft gegen die vietnamesische Aggression dar "
Die amerikanische Regierung weigert sich, zur Hilfe für das kambodschanische Volk klar Stellung zu beziehen. Hingegen laist sie Thailand bedeutende Waffenlieferungen zukommen, damit sich Thailand „gegen jedwede vietnamesische Intervention selbst helfen könne": Kampfpanzer M 48, weittragende Geschütze 105, Panzerabwehrraketen, Bombenflugzeuge 18 FSE...
Durch die Massivität des amerikanischen Krieges und die Bombardierungen 1970-75 ist die kambodschanische Bevolkerung schrecklich heimgesucht worden, weiter durch den plötzlichen Abbruch der Luftbrücke, die Phnom Penh mit Nahrung versorgte, dann durch die Zwangsvertreibung der Bevölkerung. durch die vollständige und brutale Kollek. tivisierung, die Zerstörung aller Familienbande, die systematischen Säuberungen und die Unterernährung, als das Pol Pot- Regime die Macht ausübte; dann schließlich durch den Zusammenbruch der Verwaltung und der landwirtschaftlichen Produktion in der Folge des Einmarsches der Vietnamesen und des fast kampflosen Sturzes von Pol Pot. Die physische und psychische Erschöpfung ist dermaßen, daß ein Großteil der überlebenden Frauen unfruchtbar geworden sind.
Ein Volk ist aus Todesgefahr zu erret. ten. Aber dazu bedarf es mehr als einer dringenden Hilfe mit Nahrungsmitteln und Medikamenten: man muß bei der Wiedererweckung der sozialen Aktivitäten helfen! Denn alle Vertreter medizinischer. humanitärer oder religiöser Organisatio nen, die kürzlich Kambodscha aufgesucht haben - ob privat oder offiziell - stimmen darin überein, daß dies möglich sei. Die Verwaltung Heng Samrin soll dank der Unterstutzung durch Vietnam der Großteil des brauchbaren" Landes kontrollieren lemen bedeutenden ler des Landes bedecken Walder). Die Streitkräfte von Pol Pot scheinen außerhalb des sakrosankten Bezirks" in Thailand und ihren Basen in einigen Gebirgszügen nur ein System von Informanten und Sympa. thisanten im Land zu haben und sich keiner reellen Unterstützung von Seiten der Bevölkerung zu erfreuen. Sie können handstreichartige Überfälle an zahlreichen Punktem des Landes durchführen, und sie halten die Unsicherheit aufrecht; aber die eigentlichen militärischen Kämpfe zwischen den Roten Khmern und den vietnamesischen Streitkräften sind lokal sehr begrenzt (zur Zeit auf einige Punkte an der thailändischen Grenze). THAILAND LAOS
KAMPUCHEA
Phnom Penha VIETNAM
South Chino Sea =Guif of Siom
Min 100 Die Mitglieder des Comite francais d'aide sanitaire et medicale, welche sich im Mai und wieder im August nach Phnom Penh begeben konnten, berichteten, daß es während der drei Monate eine reale Verbesserung der Situation gegeben habe: die Zahl der auf den Straßen herumirrenden Menschen, die ihre Familie suchten oder in ihr Dorf zurückkehren wollten, habe erheblich abgenommen, langsam setze die landwirtschaft. liche Produktion wieder ein; Phnom Penh sei wieder von einigen Zehntausend Menschen bevölkert, die Gesundheitsvorsorge und die Krankenhäuser seien vergrößert worden, die Zahl der Geburten und Empfängnisse sei wieder im Steigen, die Schulen seien geöffnet, mehr und mehr sehe man Kambodschaner in Waffen. Unter diesen Bedingungen ist es möglich, bei der Fortsetzung des Wiederaufschwungs der sozio-ökonomischen Tätigkeiten zu helfen. Sicherlich bleibt das Regime Heng Samrin völlig von der vietnamesischen Präsenz abhängig. Es handelt sich nicht darum, auf diesem Weg die Präsenz der vietnamesischen Armee zu legalisieren. Es handelt sich nur um die Anerkennung. daß der kambodschanischen Bevölkerung ohne die Zusammenarbeit mit der Verwaltung von Phnom Penh effektiv nicht geholfen werden kann und daß ohne einen dauerhaften Wiederaufschwung der sozialen und politischen Aktivitäten der Massen in Kambodscha die Khmerbevölkerung in jedem Fall in der Unmöglichkeit verharren wird, ihr Recht auf Selbstbestimmung durchzusetzen.